Einheitlicher Europäischer Zahlungsverkehr: Lastschriftverfahren droht das Aus
zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 12:23Düsseldorf (RPO). Das in Deutschland beliebte Lastschriftverfahren soll im nächsten Jahr abgeschafft und durch ein europaweit einheitliches Verfahren ersetzt werden. Verbände befürchten, dass die Umstellung Millionen kostet. Außerdem könnten dann bei den bisher kostenlosen Überweisungen Gebühren fällig werden.
Telefonrechnungen, Versicherungsbeiträge oder Abogebühren werden bei Millionen Kunden per Lastschrift abgebucht. Rund 43 Prozent aller Zahlungsvorgänge in Deutschland basieren auf diesem Verfahren. Im europäischen Vergleich ein Spitzenwert: Mit mehr als sieben Milliarden Vorgängen macht der innerdeutsche Lastschriftverkehr etwa die Hälfte aller Lastschriften in Europa aus.
Das Verfahren ist simpel: Die Firmen buchen das Geld vom Konto des Kunden ab, ohne dass dieser zuvor seine Bank informiert hat. Meistens erteilt der Kunde der Firma eine Einzugsermächtigung. Auch wer im Geschäft mit Karte bezahlt und auf dem Bon unterschreibt, zahlt per Lastschrift. Das Geld kann aber auch ohne Unterschrift eingezogen werden – zum Beispiel bei Spendengalas im Fernsehen. Die Anrufer nennen nur ihren Namen, ihre Kontoverbindung und die Höhe des Spendenbetrags.
Mit einem neuen Verfahren wäre das nicht mehr möglich, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Nach der geplanten einheitlichen EU-Regelung sollen Lastschriften nur noch gelten, wenn der Kunde das per Unterschrift bestätigt. Außerdem wollen die Banken mit den neuen Verfahren kassieren. 9,3 Cent sollen pro Zahlungsvorgang fällig werden, schreibt das Blatt.
Hintergrund sind die Pläne der EU, den Zahlungsverkehr im Euro-Raum zu vereinheitlichen. Die Staaten sollen zu einer "Single Euro Payment Area" (Sepa) verschmelzen. Das bargeldlose Bezahlen über Landesgrenzen hinweg soll einfacher werden. Schon seit Januar dieses Jahres gibt es einheitliche Sepa-Überweisungen. Nächstes Jahr soll es dann auch flächendeckend Sepa-Lastschriften geben. Eine entsprechende EU-Richtlinie soll spätestens bis zum 1. November 2009 in nationales Recht umgesetzt werden. Dann können Lastschriften auch grenzüberschreitend eingezogen werden. Außerdem sollen umfangreiche Widerspruchsrechte Bankkunden vor ungerechtfertigten Abbuchungen schützen.
Verbände kritisieren die Sepa-Lastschrift aber als zu kompliziert und teuer. Sie fordern, das deutsche Lastschriftverfahren beizubehalten. Die geplante Umstellung sei für Organisationen und Verbraucher mit höheren Kosten und einem größeren bürokratischen Aufwand verbunden, heißt es beim Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro). "Wir sind nicht gegen die Einführung eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums. Wir fordern aber, dass das neue Verfahren mindestens so einfach, effizient und kostengünstig ist, wie das bestehende nationale", sagte Venro-Vorstandsmitglied Bernd Pastors.
Insbesondere die Umstellung auf die Sepa-Lastschrift wäre für die Verbände ein logistischer Alptraum. Sie müssten allen ihren Kunden neue, Sepa-konforme Formulare zur Unterschrift vorlegen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Wohlfahrtsorganisationen befürchteten, dass ihre Dauer-Spender dann abspringen könnten. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft rechne mit 4,8 Milliarden Euro Umstellungskosten.
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