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Wohnungsunternehmen: LEG steht vor Zerschlagung

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 13.06.2008 - 08:28

Düsseldorf (RP). Schon 48 Stunden nach dem Verkauf an Goldman Sachs zeichnet sich ab: Die Amerikaner werden zeitnah große Teile des Wohnungsunternehmens weiterverkaufen. Die Interessenten stehen schon Gewehr bei Fuß.

 Foto: Holger Grobusch
Foto: Holger Grobusch

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird offenbar nicht lange fackeln: "Wir erwarten, dass die Amerikaner uns innerhalb weniger Wochen größere Teile des LEG-Wohnungsbestandes anbieten werden", sagte Günter Ott unserer Redaktion. Ott ist Chef der Kölner GAG. Das kommunale Wohnungsunternehmen hatte sich an der Spitze eines Konsortiums von ähnlichen Unternehmen aus Essen, Bielefeld, Dortmund und Bremen ebenfalls um den Kauf der LEG bemüht, konnte aber nicht mit den Geboten der Finalisten Tomkin, Deutsche Annington und Goldman Sachs mithalten. Angebot ist die eine Sache. Aber würden Ott & Co. auch kaufen? Ott: "Unser Interesse ist ungebrochen."

Wie berichtet hat die Landesregierung vorgestern die LEG mit ihren 93.000 Wohnungen an den Immobilienfonds Whitehall verkauft, einem Fonds-Ableger der US-Investmentbank Goldman Sachs. Und zwar erfolgreich: Mit knapp 800 Millionen Euro lag der Netto-Erlös für den Sanierungsfall LEG weit über den Erwartungen.

Inzwischen steht aber fest: Die Belegschaft der LEG wird geteilt. Zwar gilt für alle 950 Mitarbeiter ein Kündigungsschutz bis 2018. Aber während die Mitarbeiter der Dienstleistungssparten "Development" und "Wohnen" zu Goldman Sachs wechseln müssen, dürfen nur gut 100 Mitarbeiter der Sparte "Public Services" beim Land verbleiben, das diesen Geschäftsbereich weiterbetreiben will.

Nach der Belegschaft und dem Geschäftsfelder-Verbund kommt als nächstes offensichtlich der Wohnungsbestand unters Messer: Weil Whitehall an seine Mutter Goldmann Sachs Gewinne abführen muss, gleichzeitig aber Milliarden für den Kauf der LEG zu stemmen hat, braucht der Immobilienfonds dringend Geld. Die Mieteinnahmen reichen dafür nicht. Goldman Sachs muss also größere LEG-Pakete weiterverkaufen, um den Deal finanzieren zu können. Alles in allem steht also eines der größten deutschen Immobilienunternehmen vor der Zerschlagung.

Mieterschützer beobachten den absehbaren Weiterverkauf mit gemischten Gefühlen. Einerseits lieben sie kommunale Wohnungsunternehmen wie die GAG, weil diese stärker als private unter dem Druck der Wähler und der Öffentlichkeit stehen. Das verspricht mieterfreundliche Konditionen. Andererseits bereitet ihnen aber Sorgen, dass Goldman Sachs den Wohnungsbestand der LEG filetiert.

Denn aus ihrer Sicht gibt es gute und schlechte Immobilienkonzerne. Die guten sind die, die ihr Geld mit dem reinen Vermietungsgeschäft verdienen, denn dafür braucht man zufriedene Mieter. Die schlechten sind die, die ihr Geld mit dem Handel von Wohnungen machen: Sie schlachten die Bestände aus, veredeln dies und verramschen das, so dass Mieter schnell zu dem werden, was der Deutschrocker Klaus Lage einst "Monopoly-Randfiguren" nannte. So hatte Bernhard von Grünberg, Chef des Mieterbundes NRW, die Landesregierung noch vor kurzem ausdrücklich vor einem Verkauf der LEG an Goldman Sachs gewarnt: "Im Frühjahr 2004 kaufte Goldman Sachs gemeinsam mit Cerberus die Berliner GSW", so von Grünberg, "ein halbes Jahr später wurden bereits 1529 Wohnungen an Vivacon veräußert, und wieder drei Monate später landete die Hälfte davon bei einem Österreicher."

Zwar gilt die Sozialcharta, mit der das Land die wesentlichen Privilegien der LEG-Mieter gesichert hat, zehn Jahre lang. Aber bei so viel Hin und Her sind auch zehn Jahre schnell vorüber.


 
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