Siemens: Löschers Mission beginnt mit Börsen-Erfolg
zuletzt aktualisiert: 21.05.2007 - 12:26München (RPO). Der Siemens-Konzern hat mit der überraschenden Berufung von Peter Löscher zum neuen Siemens-Chef zumindest an den Finanzmärkten einen Coup gelandet. Die Aktien des Unternehmens legten bis zum Mittag deutlich zu. Analysten bewerten Löschers Erfolgschancen gut. Auf den ehemaligen Pharma-Manager wartet indes eine schwierige Mission.
Die Aktie des Münchner Elektrokonzerns stieg um 0,82 Prozent auf 93,38 Euro zu. Zwischenzeitlich stand das Papier sogar bei 94,97 Euro. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz begrüßte, dass vier Wochen nach der Rücktrittsankündigung von Vorstandschef Klaus Kleinfeld dessen Nachfolger feststeht. "Das Machtvakuum war das Schlimmste für den Konzern", erklärte Bergdolt. Der bisher weitgehend unbekannte Löscher soll Kleinfeld zum 1. Juli ablösen.
Vorteile des 49-Jährigen seien seine Erfahrungen beim US-amerikanischen Siemens-Konkurrenten General Electrics (GE) und seine Kenntnisse in der Pharmabranche, erklärte die Aktionärsschützerin. Dies könne ein Hinweis darauf sein, dass Siemens den von Kleinfeld eingeschlagenen Weg, stark auf das Zukunftsfeld Gesundheit zu setzen, fortsetze. Im Hinblick auf die Aufklärung des Schmiergeldskandals bei Siemens erklärte Bergdolt: "Dass einer von außen kommt, ist nicht schlecht." So könne er nicht in die Korruptionsskandale verwickelt sein.
Druck auf Pierer wächst
Löscher hat bisher nie bei Siemens gearbeitet. Seit Mai vergangenen Jahres ist er beim US-Pharmakonzern Merck & Co. Vorstand für Vertrieb und Marketing und damit für etwa 35.000 Mitarbeiter verantwortlich. Ein Nachteil Löschers könne es sein, dass er noch nie einen Konzern der Größenordnung von Siemens mit 475.000 Mitarbeitern geführt habe und eine längere Einarbeitungszeit benötige, sagte Bergdolt. Zudem fehle ihm eine Hausmacht im Konzern. "Man kann nur hoffen, dass er eine Integrationsfigur ist", sagte die Aktionärsschützerin. Auch die Analystin der SEB-Bank, Karina Gundermann, erklärte: "Löscher kann frisches Blut bei Siemens bringen."
Unterdessen wächst einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge der Druck auf den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer. Demnach fordern Aufsichtsräte, Pierers Rolle im Korruptionsskandal umfassend aufzuklären.
Dem Bericht zufolge gibt es harsche Kritik an Pierer, weil er von einem wegen Bestechung verurteilten Siemens-Manager eine zuvor ausbezahlte Millionen-Abfindung nicht zurückforderte. "Es kann nicht sein, dass verurteilte Manager mit einem goldenen Handschlag verabschiedet werden" zitiert das Blatt einen Aufsichtsrat. Pierer hatte bei seinem Rücktritt als Aufsichtsratschef erklärt, er habe sich stets korrekt verhalten.
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