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Betriebe verschieben Tariferhöhungen: Lohnverzicht sichert Jobs von NRW-Metallern

VON R. KOWALEWSKY, M. PLÜCK UND T. REISENER - zuletzt aktualisiert: 12.07.2009 - 22:05

Düsseldorf (RP). Jeder dritte Betrieb der NRW-Metallbranche hat eine geplante Erhöhung der Tarife verschoben. Für ihren Verzicht auf mehr Geld erhalten die Arbeitnehmer Beschäftigungsgarantien. Immer mehr Branchen ziehen nach.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex wird monatlich unter 7000 Unternehmen erhoben.  Foto: AP, AP
Der Ifo-Geschäftsklimaindex wird monatlich unter 7000 Unternehmen erhoben. Foto: AP, AP

Die Wirtschaftskrise trifft die Metall- und Elektroindustrie besonders hart. In NRW haben deshalb viele Metall-Unternehmen mit ihren Mitarbeitern eine Verschiebung von Tariferhöhungen verabredet: "Ein Drittel der Betriebe in NRW hat sich darauf geeinigt", sagte Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall NRW, unserer Redaktion.

Er rechnet vor, dass die Verschiebung für einen Arbeitnehmer mit einem Einkommen von 2.100 Euro einen Verzicht von rund 45 Euro pro Monat bedeutet ­ zeitlich befristet auf bis zu sieben Monate: "Insgesamt sind das bis zu 315 Euro an Lohn zugunsten des Betriebes."

Im November vergangenen Jahres hatten die Tarifparteien vor dem Hintergrund der heraufziehenden Wirtschaftskrise diese Regelung vereinbart. Die Firmen konnten die im Mai fällige Gehaltserhöhung um 2,1 Prozent maximal bis Dezember aufschieben, vorausgesetzt der Betriebsrat trägt die Entscheidung mit.

Beim Remscheider Automobilzulieferer Edscha zum Beispiel verzichten 2.100 Mitarbeiter bis Dezember auf die Lohnerhöhung, bei Daimler in Stuttgart geben sich mehr als 140.000 bis Oktober mit weniger Geld zufrieden. Auch der zum Rheinmetall-Konzern gehörende Zulieferer Kolbenschmidt Pierburg verschiebt nach Informationen unserer Redaktion für nahezu die gesamte Belegschaft die Erhöhung um sechs Monate.

Was die Metallbranche vorgemacht hat, wird auch in anderen Wirtschaftszweigen Mode: "Mittlerweile gibt es fast keine Branche mehr, die nicht in irgendeiner Weise eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag hat", sagt Reinhard Bispinck vom Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung.

Hagen Lesch, Tarifexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, erklärt: "Natürlich werden dadurch nicht auf einen Schlag alle finanziellen Probleme gelöst. Allerdings ist das ja auch kein strukturelles sondern ein temporäres Instrument, das den Firmen für einen begrenzten Zeitraum größere Liquiditätsspielräume einräumt."

In der Chemiebranche, die ebenfalls besonders hart von der Krise betroffen ist, sieht der Tarifvertrag gleich mehrere Flexibilisierungsinstrumente vor. 139 Betriebe mit 53.000 Beschäftigten nutzen nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE den Entgeltkorridor: Dieser erlaubt das Absenken der Löhne um bis zu zehn Prozent.

168 Betriebe haben zudem die Arbeitszeit für ihre 72.000 Beschäftigten herabgesetzt. "Eine gewisse Beweglichkeit bei den Tarifverträgen hilft, Arbeitsplätze zu sichern", sagt Dieter Seufert, als Lanxess-Personalmanager Mitglied in der Tarifkommission des Arbeitgeberverbandes Chemie.

Auch bei Bahn und Post, deren Tarifverträge derartige Modelle überhaupt nicht vorsehen, soll auf Anregung der Arbeitgeber über Zugeständnisse der Beschäftigten verhandelt werden.


 
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