Interview mit Jürgen Marbach: LTU möchte von Condor gekauft werden
VON THOMAS WELS - zuletzt aktualisiert: 04.11.2006 - 09:36Düsseldorf (RP). Der Düsseldorfer Ferienflieger LTU ist auf der Suche nach einem strategischen Partner und hat dabei einen Blick auf die KarstadtQuelle-Tochter Condor geworfen. „Condor wäre ein idealer Partner”, so Anteilseigner und LTU-Chef Jürgen Marbach im Interview mit unserer Redaktion.
Herr Marbach, wie läuft die Kooperation mit dem LTU-Mehrheitseigner Hans Rudolf Wöhrl?
Marbach: Wir ergänzen uns und kommen mittlerweile sehr gut miteinander aus.
Mittlerweile?
Marbach: Anfangs war es so wie in jedem Unternehmen: Da kommt ein Neuer und findet alles schlecht, weil das Unternehmen Verluste macht. Da hatte ich als derjenige, der seit fünf Jahren in der Verantwortung ist, schon mit zu kämpfen. Heute weiß jeder von uns, was er an dem anderen hat.
Nämlich?
Marbach: Hans Rudolf Wöhrl kennt sich ausgezeichnet aus im Liniengeschäft, ich bin ganz gut, was die touristische Seite anbelangt.
Haben Sie damit gerechnet, dass Sie selbst zum Kapitaleigner bei LTU werden würden?
Marbach: Nicht sofort, aber nach circa vier Wochen Verhandlungen mit der Rewe haben Wöhrl und ich uns geeinigt, dass ich 45 Prozent des Paketes übernehmen würde.
War das teuer?
Marbach Nein, allerdings waren die 45 Prozent auch nicht für einen Euro zu haben. Das war schon eine Summe, bei der man als Privatmann etwas länger nachdenkt.
Wöhrls Gesellschaft Intro hält 55 Prozent, sie 45. Bleibt das so?
Marbach Vermutlich nicht. Wir führen Gespräche mit möglichen Investoren aus dem Ausland, weil klar ist, dass wir eine Stärkung des Eigenkapitals brauchen. Schließlich werden wir 2006 eine Milliarde Euro umsetzen, so viel wie nie.
Sie reden mit Finanzinvestoren?
Marbach: Ja.
Nach dem Wechsel der DBA zu Air Berlin stehen Sie ohne strategischen Partner da. Müssten Sie sich nicht einen in der Branche suchen?
Marbach: Auch das tun wir. Ich führe Gespräche mit dem TUI-Chef Michael Frenzel und dem Vorsitzenden von KarstadtQuelle, Thomas Middelhoff. Natürlich wären deren Fluggesellschaften Hapag Lloyd oder Condor als Partner attraktiv. Wir sind auf Dauer zu klein für den europäischen Markt.
Wer wäre Ihnen am liebsten?
Marbach: Ich habe schon vor Jahren gesagt, Condor wäre ein idealer Partner. Das Unternehmen fliegt von Frankfurt aus etwa dieselben Ziele auf der Mittel- und Langstrecke an wie wir von Düsseldorf aus. Das ergänzt sich prima.
Sie könnten erheblich sparen?
Marbach: Natürlich. Beide Unternehmen unterhalten an den Auslandszielen Agenturen, beide halten Wartungskapazitäten vor. Und in Deutschland haben beide Unternehmen jeweils eine große Verwaltung. Ich denke, wir könnten 50 Millionen Euro im Jahr einsparen.
Und es fielen Arbeitsplätze weg?
Marbach: So konkret sind die Gespräche nicht, deshalb macht es keinen Sinn, darüber zu spekulieren. Riesige Personalzahlen sind das nicht, 100 Mitarbeiter vielleicht. Aber wie gesagt: Das ist alles Spekulation.
Wie hoch fällt der Verlust in diesem Jahr aus?
Marbach: Wir rechnen mit 20 Millionen Euro.
Und im kommenden Jahr?
Marbach :Wenn die Rahmenbedingungen so bleiben, wie sie jetzt sind und der Kerosinpreis auf dem gesunkenen Niveau bleibt, dann werden wir 2007 einen kleinen zweistelligen Millionen-Gewinn haben.
Und sie investieren in neue Flugzeuge?
Marbach: Ich hoffe, dass wir in der nächsten Woche eine Entscheidung treffen können, ob wir einen A340 leasen. Das Geschäft ist schwierig geworden.
In wie fern?
Marbach: Es gibt keine Flugzeuge mehr auf dem Markt. Auch die Lieferverzögerungen haben zu einem Engpass auf dem Gebrauchtflugzeugmarkt geführt, die Preise sind stark gestiegen.
Um wie viel?
Marbach: Vor einem Jahr konnte man eine Boeing 767 für 300.000 Dollar im Monat leasen, heute kostet sie 600.000 Dollar.
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