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Eigene Flugbegleiter zu teuer
Lufthansa fliegt mit Leiharbeitern

Berlin/Düsseldorf. Weil dem Kranich die eigenen Flugbegleiter zu teuer sind, beschäftigt er jetzt Stewardessen und Stewards eines Personaldienstleisters. Vorerst nur für 15 Flugzeuge in Berlin. Aber das Modell wird wohl Schule machen. Von Thomas Reisener

Erstmals in ihrer Geschichte setzt die Lufthansa auf Leiharbeiter an Bord: Für 15 Maschinen, die derzeit an dem neuen Flughafen in Berlin stationiert werden, stellt der Hamburger Personaldienstleister AviationPower aktuell rund 200 Flugbegleiter ein.

Die preiswerteren Leiharbeiter-Stewards und -Stewardessen sollen in den neuen Maschinen das klassische Lufthansa-Kabinenpersonal ersetzen. Bewährt sich das Modell, könnte es auch in Düsseldorf zum Einsatz kommen.

"Mit einem Personaldienstleister"

In einem Brief an das Lufthansa-Kabinenpersonal, der unserer Zeitung vorliegt, begründen die Chefs der Lufthansa-Kabinencrews, Wolfgang Kolhagen und Heike Birlenbach, sowie Personal-Bereichsleiter Antonio Schulthess den Schritt: "Um mit einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur in Berlin antreten zu können, haben wir eine andere Bereederungsoption beschlossen. So wird die neue Plattform [in Berlin, Anm. d. Red.] nicht von unseren Mitarbeitern bedient, sondern durch eine externe Bereederung sichergestellt", heißt es in dem Schreiben.

Der Schritt sei notwendig, "um im ausgesprochen preissensiblen Berliner Markt erfolgreich in den Wettbewerb starten zu können." Man werde in Berlin "mit einem Personaldienstleister" arbeiten. "Dieser Partner wird die Crews für Berlin rekrutieren und einstellen."

Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte die Pläne auf Anfrage: "Es ist richtig, dass wir die neuen Berliner Kabinen-Crews künftig über einen Personaldienstleister einsetzen." Da es sich im Wesentlichen um den Aufbau neuer Kapazitäten handele, seien die Arbeitsplätze der bisherigen Lufthansa-Crews in Berlin nicht gefährdet.

Keine automatisierten Gehaltssprünge

Allerdings müssten einige Lufthansa-Flugbegleiter andere Strecken als bisher fliegen. Die Höhe der Einsparungen wollte der Sprecher nicht nennen. Die Einstiegsgehälter für Stewards und Stewardessen lägen bei AviationPower genau wie auch bei der Lufthansa bei etwa 1700 Euro. Allerdings werde es bei dem Personaldienstleister keine automatisierten Gehaltssprünge nach Alter mehr geben, wie sie der Lufthansa-Tarif vorsieht.

"Genau darauf wollten wir uns ja mit der Kabinen-Gewerkschaft UFO einigen", berichtet der Sprecher, "aber da die Verhandlungen ergebnislos blieben, haben wir uns für den Einsatz eines Personaldienstleisters entschieden."

Während UFO den Vorgang gestern nicht kommentieren wollte, erklärte der Lufthansa-Sprecher: "Das Berliner Modell könnte Vorbild-Charakter haben und auch an anderen Standorten zum Einsatz kommen." Also scheint mittelfristig auch in Düsseldorf der Einsatz von Leiharbeit-Stewards auf Lufthansa-Maschinen wahrscheinlich.

Scharfe Konkurrenz durch Etihad

Die Lufthansa kämpft mit einem der schärfsten Sparprogramme ihrer Geschichte gegen die Konkurrenz an. Der Einstieg der arabischen Fluggesellschaft Etihad bei Air Berlin macht dem deutschen Branchenprimus zu schaffen: Über den Lufthansa-Rivalen hat Etihad neuerdings Zugriff auf den Berliner Markt.

Beobachter gehen davon aus, dass Etihad dort ein Drehkreuz aufbaut und die Lufthansa in deren Heimatmarkt angreifen wird. Außerdem muss der Kranich wie alle Fluggesellschaften mit historisch hohen Flugbenzinpreisen und seit Anfang des Jahres mit neuen Kosten für den Emissionszertifikatehandel leben.

Weil die Konkurrenz der Billigflieger der Erhöhung der Ticketpreise aber enge Grenzen setzt, müssen alle Fluggesellschaften sparen. Klassischen Airlines wie der Lufthansa fällt das traditionell schwerer als Nischenanbietern.

(RP/csr)
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