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Flugbegleiter
"Das werden keine Pillepalle-Streiks"

Lufthansa-Flugbegleiter: "Das werden keine Pillepalle-Streiks"
FOTO: Ferl
Düsseldorf. Heute streikt die Flugbegleiter-Gewerkschaft an den Standorten Düsseldorf und Frankfurt. Bereits am Freitagabend waren 1600 Passagiere in Frankfurt gestrandet und mussten dort die Nacht verbringen. Unterdessen verschärft sich der Ton: Der Ufo-Chef fordert den Rücktritt der Lufthansa-Arbeitsdirektorin. Von Jan Drebes und Maximilian Plück

Hunderte Reisende versuchten am Morgen in Frankfurt, trotz Streiks der Flugbegleiter einen Flug zu bekommen. An den Lufthansa-Umbuchungsschaltern bildeten sich lange Schlangen von Menschen, deren Flüge zu deutschen oder europäischen Zielen annulliert waren. Die meisten waren über den Streik informiert und hofften, mit einer anderen Fluggesellschaft oder per Bahn an ihr Ziel zu kommen. 

Hintergrund: Diese Rechte haben Reisende FOTO: dapd, Mario Vedder

Wegen des Streiks an Freitag haben rund 1600 Passagiere unfreiwillig die Nacht in Frankfurt verbracht. Die Lufthansa hatte für sie Hotelzimmer gebucht.

Auch in Düsseldorf sind erste Flüge betroffen. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO streikt seit 6 Uhr bis 23 Uhr auf beiden Flughäfen bei der Lufthansa.

Streikende Flugbegleiter am Freitag am Flughafen Düsseldorf. Am Samstag gehen die Streiks weiter. FOTO: ap

Nach rund 300 gestrichenen Flügen am Freitag erwartete die Lufthansa für Samstag 500 Flugausfälle auf Kurz- und Mittelstrecken - betroffen wären davon nach Unternehmensangaben rund 58.000 Menschen. Bis auf einen sollen aber alle Langstreckenverbindungen gewährleistet werden.

Düsseldorf kam am Freitag glimpflich davon

Trotz des Auftakts zum achttägigen und damit längsten Arbeitskampf in der Geschichte der Lufthansa ist am Freitag das ganz große Chaos am Düsseldorfer Flughafen erwartungsgemäß ausgeblieben. Nur vereinzelt mussten Flüge gestrichen werden. Ein anderes Bild bot sich dagegen am Lufthansa-Hauptdrehkreuz in Frankfurt. Das Gros der insgesamt 290 gestrichenen Flüge betraf Deutschlands größten Airport. Die Verantwortlichen bauten vorsorglich Feldbetten auf, zudem reservierte die Kranichlinie 2500 Betten in nahegelegenen Hotels für gestrandete Reisende.

Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (Ufo) erklärte erneut, es gehe darum, Druck auf den Konzern in den Verhandlungen um Verbesserungen bei der Übergangsversorgung und den Betriebsrenten aufzubauen. "Das werden keine Pillepalle-Streiks", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies, schob jedoch hinterher, dass es der Gewerkschaft nicht darum gehe, einen möglichst großen Schaden bei den Kunden zu erzeugen.

Entsprechend habe man sich dazu entschlossen, den Flughafen München zumindest in den kommenden Tagen von den Streiks auszunehmen - schließlich enden im Freistaat gerade die Herbstferien. Auch am Sonntag soll - soweit wie möglich - Normalbetrieb herrschen, weil es sich um einen Privatreisetag handele, so die Ufo.

Die Strategie der streikenden Flugbegleiter zeigt einmal mehr, wie stark die Tarifauseinandersetzung zur PR-Schlammschlacht mutiert. Das Management ließ an das Kabinenpersonal "Es liegt in Ihrer Hand!"-Zettel verteilen. Die Botschaft darauf: Es gebe ein branchenweit einmaliges Angebot zur Übergangsversorgung und Betriebsrente, allein die Ufo-Führung zeige sich stur. Die konterte umgehend und warf dem Management vor, bewusst die Unwahrheit zu verbreiten. Man prüfe deshalb, dagegen juristisch vorzugehen.

Wie vergiftet das Verhältnis inzwischen ist, zeigten Aussagen von Ufo-Chef Baublies, der erstmals direkt die Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens frontal anging: "Wenn sich jetzt herausstellt, dass alle Mitarbeitergruppen - auch die von der Vereinigung Cockpit und von Verdi vertretenen - mit ihr keine Lösung hinbekommen, dann muss sie die Verantwortung dafür übernehmen. Entweder sie bekommt das hin mit uns oder sie muss sich eingestehen: ,Ich bin an dieser Stelle überfordert. Ich kann das nicht.'"

Starker Tobak! Hoffnungen, der auf acht Tage angelegte Streik könne vorzeitig abgeblasen werden, gibt es deshalb wenig. Zwar erklärte Baublies: "Wenn die Lufthansa tatsächlich einen rechtsverbindlichen Lösungsvorschlag macht, ohne Schlupflöcher, ohne ausweichende Formulierungen, ohne das übliche ,Hätte, könnte, wäre' und ohne den Verweis auf die Schlichtung, sind wir in der Lage, diesen sofort und schnell zu prüfen. Natürlich würden wir dann vorher aufhören." Allerdings fügte er hinzu: "Das ist absolut nicht zu erwarten bei allem, was hier gerade passiert ist."

Unterdessen mischten sich auch Vertreter der Politik in den Tarifstreit ein. Der SPD-Verkehrspolitiker Sören Bartol sagte unserer Redaktion, die Beschäftigten und die Konzernspitze bei der Lufthansa müssten verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. "Es wäre gut, wenn die Tarifparteien schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren. Angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Unternehmen und für die Kunden hoffe ich auf ein schnelles Ende des Streiks." Die Chancen, dass Bartols Hoffnungen in Erfüllung gehen, sind allerdings gestern noch einmal deutlich gesunken.

Quelle: RP
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