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Düsseldorf
Lufthansa will Streikwelle durchbrechen

Lufthansa will Streikwelle durchbrechen
Im Tarifstreit bei der Lufthansa zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab. FOTO: ap
Düsseldorf. Der Konzern geht auf die Gewerkschaften zu: Ein Schlichter soll die festgefahrenen Verhandlungen mit der Gewerkschaft lösen. Das Angebot kommt nicht freiwillig. Der Kranich kann sich keine Streiks mehr leisten. Von Thomas Reisener

Die Serie von Pilotenstreiks bei der Lufthansa belastet das Konzernergebnis der größten deutschen Fluggesellschaft im laufenden Jahr mit weiteren 100 Millionen Euro. Konzernchef Carsten Spohr sagte gestern bei der Hauptversammlung in Hamburg, dem Unternehmen sei in den ersten drei Monaten des Jahres wegen der Arbeitsniederlegungen ein Schaden von 42 Millionen Euro entstanden. Da die Streiks abschreckend auf künftige Passagiere wirken, sei für das zweite Quartal bereits jetzt von einer Ergebnisbelastung in Höhe von 58 Millionen Euro zu rechnen.

In dem seit einem Jahr tobenden Tarifkonflikt haben die Lufthansa-Kapitäne ihre Arbeit bereits 15 Mal niedergelegt. Hinzu kamen Streiks des Boden- und Kabinenpersonals. In der Summe kosteten die Streiks den Konzern, der ohnehin gerade das schärfste Sanierungsprogramm seiner Geschichte durchmachen muss, 230 Millionen Euro. Kern der Arbeitskämpfe ist die neue Strategie des deutschen Marktführers, der zunehmend Geschäft an Billigtöchter wie Eurowings oder Germanwings auslagert.

Dort werden die vergleichsweise günstigen Flugtickets auch mit einer schlechteren Bezahlung der Mitarbeiter erkauft. Auf diesem Weg will die Lufthansa sich in dem brutalen Verdrängungswettbewerb durchsetzen, den sie sich mit staatlich subventionierten Wettbewerbern vom Golf und Billigflug-Anbietern aus Europa liefert. Weil strategische Konzernentscheidungen aber nicht bestreikt werden dürfen, haben die Arbeitnehmer formal andere Themen wie etwa die Frühruhestandsregeln für Piloten in den Vordergrund gerückt.

Jetzt soll ein Schlichter die Streitparteien versöhnen: "Wir haben der Vereinigung Cockpit eine Gesamtschlichtung zu allen offenen Tarifverträgen angeboten", sagte der Lufthansa-Chef vor den Aktionären des Konzerns, "wir reichen ihnen die Hand". Genau das hatte die Airline bislang abgelehnt, weil noch nicht über alle Verträge verhandelt worden sei und weil man die Forderungen von Cockpit noch nicht im Detail kenne. Auch das werten die Beobachter als vorgeschoben: Im Grunde hat auch die Lufthansa keine Lust, mit den Piloten indirekt doch über die neue Billigstrategie zu verhandeln. Aber jetzt kommt die Trendwende: Laut Lufthansa könne der Schlichter noch in dieser Woche benannt werden. Die Pilotengewerkschaft reagierte zurückhaltend und will zunächst nähere Informationen zu dem Angebot haben.

Aktuelle Zahlen zum Geschäftsverlauf gibt die Lufthansa Dienstag bekannt. Laut Spohr ist das Geschäft "nach dem ersten Quartal nicht einfacher geworden". Unter dem Strich des letzten Geschäftsjahres stand nur noch ein Mini-Gewinn von 55 Millionen Euro. Nach deutscher HGB-Rechnungslegung ergab sich sogar ein Verlust von 732 Millionen Euro. Der Vorstand hat daraufhin vorgeschlagen, für 2014 keine Dividende zu zahlen. Die schwache Ertragslage ist aber nicht nur eine Zumutung für die Aktionäre, sondern gefährdet den Konzern auch strukturell: Gerade die Lufthansa braucht dringend Geld für die Erneuerung großer Teile ihrer Flotte und die Verbesserung ihres Komforts in der Business-Class, um angesichts des Billig-Schwenks nicht ihren Ruf als Premium-Airline zu verlieren.

In seiner Rede vor der Hauptversammlung ging Spohr nochmals ausführlich auf den Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März über den französischen Alpen ein. "Der Gedanke an dieses Unglück löst immer noch Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer aus. Verstehen können wir es bis heute nicht", sagte der Konzernchef.

Quelle: RP
 
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