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Union Investment
Innogy wird wertvollster Energiekonzern

M-Dax: Ökostrom-Tochter Innogy wird wertvollster Energiekonzern
RWE-Tochter Innogy wird im Dezember für den M-Dax gelistet. FOTO: AP, AP
Essen. Heute schließt RWE die Bücher für den Börsengang der Ökostromtochter. Innogy könnte bis zu 20 Milliarden wert sein – und damit mehr als der gesamte RWE-Konzern. Zugleich überflügelt Innogy den Branchenprimus Eon. Von Antje Höning

Der angeschlagene Energiekonzern RWE hat Grund zur Freude: Die Anleger reißen sich um die Aktien der Netz- und Ökostrom-Tochter Innogy, die morgen an der Börse starten will. Wegen der Überzeichnung des Angebots engte RWE nun die Preisspanne auf das obere Ende ein. Hatte RWE die Innogy-Aktien zunächst zwischen 32 und 36 Euro angeboten, werden jetzt zwischen 35 und 36 Euro fällig. Heute um zwölf Uhr schließen die Essener die Bücher für Privatanleger, um 14 Uhr für institutionelle Investoren.

RWE will 55,5 Millionen neue Innogy-Aktien ausgeben und mindestens 45,5 Millionen Aktien aus dem Bestand an die Börse bringen. Bei großem Interesse kann RWE weitere 38 Millionen Aktien aus dem Bestand verkaufen. Damit würde der Traditionskonzern künftig nur noch 75 Prozent an Innogy halten. Sollte der per Auktion ermittelte Preis bei 36 Euro je Aktie landen, wäre Innogy zum Start an der Börse rund 20 Milliarden Euro wert.

RWE ist derzeit neun Milliarden Euro wert

Derzeit ist RWE neun Milliarden Euro wert. Das heißt, die Anleger bewerten einen Teil des Konzerns besser als den Gesamtkonzern. Zugleich haben damit die Teile, die bei RWE bleiben (Energie-Erzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken, Großhandel), einen negativen Wert von elf Milliarden Euro.

Das kann Peter Terium egal sei. Bisher ist er Chef von RWE und Innogy. Nach erfolgreichem Börsengang will er sich auf Innogy konzentrieren und das RWE-Ruder an Rolf Martin Schmitz geben. Damit führt der Niederländer künftig den wertvollsten deutschen Energiekonzern. Konkurrent Eon, der bislang immer die Nase vorn hatte, ist nach der Abspaltung seiner Kraftwerkstochter Uniper an der Börse nur noch zwölf Milliarden wert. Die Eon-Aktie liegt nur noch bei sechs Euro.

Innogy-Erfolg kommt für Union Investment nicht überraschend

Für Thomas Deser, Fondsmanager bei Union Investment, kommt der Innogy-Erfolg nicht überraschend. "Innogy profitiert von den Niedrigzinsen, das macht Dividenden-Titel attraktiv, vor allem wenn die Unternehmen im staatlich regulierten Geschäft unterwegs sind. Zudem hat Innogy mit Blackrock einen bekannten Großaktionär gewonnen", sagt er unserer Redaktion. Er geht davon aus, dass Innogy rasch in den M-Dax kommt: "Ich erwarte, dass die RWE-Aktie im Dax bleibt. Die Innogy-Aktie dürfte am dritten Freitag im Dezember per Schnellverfahren in den M-Dax aufsteigen." Vom Börsenwert her könnte es auch für den Dax reichen. Doch dafür ist der Streubesitz zu gering, denn RWE will Mehrheitsaktionär bleiben.

Union Investment, die 0,4 Prozent an RWE hält, will wie üblich bei Innogy einen Einstieg intensiv prüfen. Die Kommunen, die 24 Prozent an RWE halten, wollen (und können) sich nicht beteiligen. Immerhin sind sie ein Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme. Auch das hat Eon nicht. "RWE ist lange im Windschatten von Eon gefahren und konnte es am Ende besser machen", meint Deser. Die grüne Eon habe auf Druck der Politik die Atomkraft als Klotz am Bein, die grüne Innogy sei dagegen Atomkraft-frei.

Viele Kohle- und Gaskraftwerke schreiben weiter rote Zahlen

Doch der Fondsmanager warnt auch vor Illusionen: "Für RWE ist Innogy ein Rettungsring, der Konzern kauft sich Zeit und Geld, um aus der Krise zu kommen." Die grundlegenden Probleme von RWE seien nicht gelöst. "RWE hat weiter kein tragfähiges Geschäftsmodell. Das zeigt sich auch daran, dass RWE nun deutlich mehr Anteile als zunächst geplant an Innogy abgibt. RWE braucht mehr Geld, auch um die Atomlasten bezahlen zu können, und/oder will die günstige Gelegenheit am Kapitalmarkt nutzen." Bei den niedrigen Strompreisen schreiben viele Kohle- und Gaskraftwerke von RWE rote Zahlen. RWE wie Konkurrent Uniper setzen daher weiter auf staatlich organisierte Hilfe (Kapazitätsmarkt), die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel aber ablehnt.

Quelle: RP
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