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Jeder fünfte Job bei Opel in Gefahr: Magna bei Opel in der Favoritenrolle

zuletzt aktualisiert: 22.05.2009 - 17:12

Düsseldorf (RPO). Eins scheint jetzt schon sicher: Opel wird gerettet. Drei Investoren buhlen um die Gunst des Mutterkonzerns General Motors (GM), die über den Verkauf entscheidet. Dabei mehren sich die Anzeichen, dass Magna das Rennen machen wird. Wie unsere Redaktion aus Unternehmenskreisen erfuhr, will der österreichisch-kanadische Autozulieferer nach einer Übernahme am Bochumer Werk rund 2200 Stellen abbauen. 

In Bochum arbeiten insgesamt 5300 Beschäftigte. Deutschlandweit stehen laut Magna-Konzept 2500 Arbeitsplätze auf dem Spiel, ein Viertel der europaweit geplanten Streichungen von 10.000 Stellen. Um die Umstrukturierungen und Pensionsverpflichtungen in Höhe von drei Milliarden Euro in den kommenden Jahren zu bezahlen, bittet Magna um eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von insgesamt 4,5 Milliarden Euro.

Trotz der Einsparmaßnahmen sieht die Bundesregierung nach unseren Informationen das Magna-Konsortium, zu dem der russische Autobauer Gaz und die russische Bank Sberbank gehören, im Bieterwettbewerb vorn.

In einer Telefonkonferenz mit Vertretern der Bundesregierung, der US-Regierung und dem Opel-Mutterkonzern General Motors bezeichnete ein hochrangiger Beamter des Kanzleramts am Donnerstag das Magna-Konzept als "das belastbarste Modell" der eingereichten Vorschläge. 

Fiat will bis zu 10.000 Stellen in Europa streichen

Fiat will im Falle einer Übernahme von Opel weniger als 10.000 Stellen in Europa abbauen. Spekulationen aus den vergangenen Wochen, einem Einstieg bei dem Rüsselsheimer Traditionsunternehmen könnten 18.000 Stellen zum Opfer fallen, seien "vollkommen unzutreffend", teilte der italienische Autobauer am Freitag in Turin mit. Der Abbau der Arbeitsplätze nach einer Übernahme Opels werde schrittweise und über alle europäischen Standorte verteilt stattfinden. Der Stellenabbau in Deutschland falle daher "deutlich geringer aus als spekuliert" worden sei.

Bundesregierung berät Konzepte

In Berlin berät die Bundesregierung derzeit über die drei Konzepte zur Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel, die bis zum Ablauf der Frist am Mittwoch offiziell eingereicht wurden: Fiat, Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood haben ihre Konzepte zur Sanierung des Autobauers vorgelegt. Die Entscheidung liegt am Ende zwar beim Eigentümer GM – weil der Verkauf aber auch von Bürgschaften der Bundesregierung abhängt, hat auch deren Meinung Gewicht.

Informationen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge hat auch ein chinesisches Unternehmen Interesse. Die Chinesen hätten in einem Brief an GM ihr Interesse signalisiert. Ob allerdings auch ein offizielles Angebot eingereicht werde, sei noch unklar.

Öffentlich hält sich der Bund bisher mit Äußerungen zurück. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) gilt als Unterstützer einer Lösung durch Magna, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll für alle Optionen grundsätzlich offen sein. "Spiegel Online" will am Freitag erfahren haben, dass der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna derzeit vorne liegt: Sowohl die Politik als auch GM favorisiere derzeit den Zulieferer.

Offerte Ripplewoods "interessant"

Deutlich wird das auch durch die Äußerung von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der die Konzepte kennt. Neben dem Konzept Magnas sei auch die Offerte des US-Finanzinvestors Ripplewood "interessant", sagte Koch im "Deutschlandfunk". Dagegen habe das Angebot des italienischen Autobauers Fiat "manche enttäuscht". Das Konzept sei "sehr weit von dem entfernt, was man sich vielleicht erhofft hat an mancher Stelle".

Doch egal, wer sich am Ende durchsetzt: Ohne den Verlust von Arbeitsplätzen wird es wohl nicht gehen. Auch wenn Opel-Gesamtbetriebsratschef am Freitag einen Bericht von "Auto, Motor und Sport" bestätigte, nach denen die Opel-Beschäftigten auf Lohn verzichten wollen, um Arbeitsplätze zu erhalten – nach jedem der drei Sanierungskonzepte werden wohl Stellen gestrichen werden.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtet unter Berufung auf Kreise, alle drei Konzepte sähen einen deutlichen Stellenabbau vor, bei dem rund jeder fünfte Job gefährdet wäre. Ripplewood und Magna wollten dabei aber vor allem im europäischen Ausland Stellen abbauen.

Drastische Einschnitte bei der Opel-Belegschaft

Magna scheint sich vor allem deshalb als Favorit der Politik durchzusetzen, weil nach dieser Lösung vor allem deutsche Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet unter Berufung auf Länderkreise, alle drei Konzepte sähen drastische Einschnitte bei der Opel-Belegschaft vor. Während Magna dabei jedoch alle deutschen Opel-Werke erhalten wolle, plane Fiat die Motoren- und Getriebefertigung in Italien zu bündeln. Dies würde zu deutlichen Kürzungen in den Werken Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern führen.

Außerdem habe Magna einen geringen Finanzbedarf für Opel angemeldet als Fiat, berichtete die "SZ". Fiat fordere Bürgschaften von bis zu sieben Milliarden Euro. Ripplewood hingegen hätte fünf Milliarden Euro veranschlagt. Magna plant wie erwähnt mit 4,5 Milliarden Euro. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Werken wollten demnach bei einem Treffen am Freitag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf rasche Verhandlungen mit Magna dringen.

Falls alle Stricke reißen sollten, haben die Arbeitnehmer auch schon eine Notlösung vorbereitet. In diesem Fall würden "die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

De Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf italienische Industriekreise, dass Fiat seine Autosparte auch ohne eine Opel-Übernahme ausgliedern will. "Der Spin Off wird auch dann gemacht, wenn die Verhandlungen zu einer Übernahme von Opel scheitern", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Der italienische Autobauer hatte Anfang Mai angekündigt, seine Auto-Sparte vom Rest des Konzerns abzuspalten. Die Sparte, zu der bald auch der US-Autobauer Chrysler gehöret, sollte mit Opel fusioniert und an die Börse gebracht werden.


 
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