237 Millionen Euro Schadenersatz gefordert: MAN verklagt Ex-Vorstandschef
zuletzt aktualisiert: 17.01.2011 - 12:23München (RPO). Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern MAN fordert von seinem früheren Vorstandschef Hakan Samuelsson 237 Millionen Euro Schadenersatz wegen angeblicher Versäumnisse in der Korruptionsaffäre. Laut einem Medienbericht haben auch fünf weitere ehemalige Vorstandsmitglieder vom Aufsichtsrat inzwischen Rechnungen in dreistelliger Millionenhöhe erhalten.
Samuelssons Anwalt Wolf-Dieter von Gronau wies die Ansprüche gegen seinen Mandanten als unbegründet zurück. Wegen jahrelanger Schmiergeldzahlungen in den MAN-Sparten Nutzfahrzeuge und Turbomaschinen hatte die Münchner Staatsanwaltschaft dem Konzern vor einem Jahr ein Bußgeld über 150 Millionen Euro auferlegt. Weitere 70 Millionen Euro kostete MAN die Abschöpfung der Gewinne aus illegalen Geschäften sowie die interne Aufklärung des Skandals. Die gesamte Summe will der Konzern jetzt von den damaligen Vorständen wiederhaben, wobei jedes Vorstandsmitglied persönlich für den Gesamtschaden haften soll, so ist aus der "Süddeutschen Zeitung" zu erfahren.
Samuelsson, Finanzchef Karlheinz Hornung, Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann und weitere Manager waren aber 2009 zurückgetreten, ohne dass die Staatsanwaltschaft ihnen persönlich Vorwürfe gemacht hätte. Trotzdem wirft ihnen MAN jetzt vor, ihre Kontrollpflichten nicht erfüllt zu haben, und fordert Schadenersatz in voller Höhe. Das ist ungewöhnlich. Siemens hatte von seinem langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer zum Beispiel nur fünf Millionen Euro Schadenersatz kassiert, obwohl die Staatsanwaltschaft ihm vorgeworfen hatte, den 2,5 Milliarden Euro teuren Korruptionsskandal bei Siemens durch Aufsichtsfehler mit ermöglich zu haben. Setzt der MAN-Aufsichtsrat seine Ansprüche durch, müsste die Manager-Haftpflichtversicherung zahlen, die MAN bei der Allianz und anderen Unternehmen für seine Vorstände abgeschlossen hat.
Die Forderung gegen Samuelsson erhob MAN schon im Sommer, die anderen Forderungen folgten laut "Süddeutscher Zeitung" kurz vor Weihnachten. Samuelssons Anwalt Gronau sagte der Nachrichtenagentur dapd, er habe die in den Raum gestellten Ansprüche ausführlich geprüft und halte sie für unberechtigt. Auch Hornungs Anwalt Walter Graf wies die Forderung laut "Süddeutscher Zeitung" als falsch zurück. Die Versicherungen hielten sie ebenfalls für unbegründet. Ein MAN-Sprecher lehnte jeden Kommentar ab. Der MAN-Aufsichtsrat, der die Schadenersatzforderungen stellte, wird von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech geleitet. VW hält knapp 30 Prozent an MAN.
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