Wie GM-Chef Henderson um Sympathien buhlt: "Marietta, how are you?"
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 - 10:10Berlin (RPO). GM-Chef Henderson hat mit Interviews in ARD und ZDF versucht, Werbung für General Motors zu betreiben. Im Gespräch mit Marietta Slomka (heute-journal) und Caren Miosga (Tagesthemen) zeigte sich der Manager nüchtern, aufgeräumt und sehr amerikanisch. Nur bei der Frage nach der möglichen Verwendung von Subventionen, geriet er ins Stottern.
Der GM-Chef buhlt derzeit um Sympathien in Deutschland. Vorstandschef Henderson hält jetzt den Kopf für etwas hin, das er selbst gar nicht wollte: den Verbleib von Opel beim US-Mutterkonzern. Er vollzieht nur die Mehrheitsentscheidung des mächtigen Verwaltungsrats. Henderson selber galt als Befürworter des Magna-Deals.
Dennoch schlägt ihm bei seinem Deutschlandbesuch die Verärgerung ins Gesicht. Noch am Dienstag Vormittag verlieh Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer Empörung bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag Ausdruck und bezeichnete das Verhalten der Amerikaner als verantwortungslos.
GM ist bei der Sanierung von Opel auf Staatshilfen angewiesen. Aus eigener Kraft ist die Rettung kaum zu stemmen. Die Sanierung von Opel dürfte General Motors nach Einschätzung von Experten einer Rating-Agentur 8,5 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) kosten.
Henderson buhlt um Sympathien
Darum ist Henderson an einer Reparatur der reichlich beschädigten Beziehungen zur deutschen Bundesregierung, aber auch zur Opel-Belegschaft interessiert. Henderson sprach daher auch nicht groß drum herum und entschuldigte sich ohne Wenn und Aber vor der deutschen TV-Öffentlichkeit für die Opel-Kehrtwende und das damit verbundene Düpieren der deutschen Kanzlerin.
"Die plötzliche Entscheidung war unbeabsichtigt. Wir wollten damit keineswegs jemanden vor den Kopf stoßen", sagte Henderson am Dienstagabend im "heute-Journal" des ZDF im Gespräch mit Marietta Slomka. "Es tut uns leid." Ein Plan für die Sanierung des angeschlagenen Opel-Konzerns liege bereits vor, er müsse jedoch noch mit der Belegschaft und den Betriebsräten der verschiedenen Standorte abgestimmt werden.
Immer den Vornamen
Im Gespräch mit den Moderatorinnen Marietta Slomka und Caren Miosga nutzt der Manager dabei - wie im US-Business üblich - den Vornamen. "Good Evening, how are you?", begrüßt Henderson Marietta Slomka als er im heute-journal aus Rüsselsheim zugeschaltet wird. "Die Frage ist, wie es Ihnen geht", dreht Slomka den Spieß um und legt gleich den Finger in die Wunde, als sie in ihrer ersten Frage aufarbeitet, dass Henderson derzeit nicht zu den großen Symptahieträgern in Deutschland zählt. Wie er denn bitteschön gedenke, das zerstörte Vertrauen wieder herzustellen. Henderson gibt ihr in allem Recht, nickt, lächelt zaghaft und spricht anschließend viel von Kommunikation und Zeit, die es brauchen werde.
Nur als Slomka ihn fragt, warum General Motors denn nicht Gelder aus dem amerikanischen Rettungsfonds zur Sanierung von Opel verwenden könne, braucht "Fix-it-Fritz" ein paar Sekunden, um sich zu orientieren, öffnet zweimal den Mund, leckt sich hilfesuchend die Lippen und antwortet schließlich mit einem Verweis auf die komplexen Firmenstrukturen von General Motors. Um diese Frage zu beantworten müsse man erst mal ganz genau wissen, wie die Finanzierungsdokumente für GM aussähen. Für das globale Geschäft ließen sich sicherlich Gelder aus dem US-Fonds verwenden.
Eine einzige Lobeshymne
Wenige Minuten in den "Tagesthemen" dasselbe Bild. "Good evening, Caren", heißt es in den Tagesthemen und man weiß nicht so genau, ob Henderson nicht doch "Caroline", statt "Caren" ins Mikro genuschelt hat. Auch hier betont der GM-Chef, es gehe nun darum, Vertrauen wieder zu gewinnen und die "Beziehungen wieder zu reparieren". Gemäß der Erwartungen, die es in Deutschland und Europa gebe, sei es nun die Aufgabe, "rasch mit dem Betriebsrat in Deutschland in Verbindung zu treten". Es gehe nicht darum, "Regierungen gegeneinander auszuspielen".
Es ist eine wahre Lobeshymne an den deutschen Staat, Opel und die Steuerzahler, die Henderson da an diesem Abend loslässt. Er dankt der Bundesregierung ausdrücklich für die geleisteten Staatshilfen für Opel. "Wir sind ungeheuer dankbar für die Unterstützung, die vom deutschen Staat Ende Mai gekommen ist", sagte er im ZDF. Er wisse, dass die Rückzahlung des Brückenkredits in der Verantwortung von GM liege. Dies solle bis Ende November geschehen. Henderson kündigte zudem an, sich "sehr rasch" mit dem Opel-Betriebsrat in Verbindung zu setzen, "wegen der Auswirkungen auf die einzelnen Standorte, die wir hier haben". Er unterstrich, Opel habe eine "fantastische Belegschaft".
mit Material von ddp und Reuters
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