| 15.18 Uhr

Baumärkte räumen Regale
Massenhaft gefälschte Rauchmelder im Handel

Gießen (rpo). Aldi Süd hat bereits eine groß angelegte Rückrufaktion gestartet, doch damit nicht genug: Jetzt wurde bekannt, dass Hunderttausende bei anderen Händlern verkaufte Rauchmelder Fälschungen sein könnten und bei Gefahr nicht richtig funktionieren. Gegen eine Firma aus Mönchengladbach wird nun wegen Betrugs und Markenfälschung ermittelt.

Aldi Süd hatte die fotoelektrischen Rauchmelder mit der Nummer 97562 am 9. September für 3,99 Euro angeboten. Das machte den Hongkonger Produzenten Eyston Company stutzig. Denn dieser hatte gar keine Rauchmelder an Aldis Lieferanten, die Vertriebsgesellschaft VG in Hungen bei Gießen, geliefert. VG gab den Auftrag stattdessen an eine Firma in Mönchengladbach weiter, nachdem diese mit Zertifikaten die Qualität belegt habe, wie ein Firmensprecher von VG in Hungen der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Die Mönchengladbacher hätten die täuschend ähnlichen Plagiate "auch direkt an Aldi Süd geliefert".

Trotz Zertifikat Standards nicht erfüllt

Aldis Qualitätsprüfungen ergaben, dass die Rauchmelder trotz Zertifikat "nicht in jedem Fall einwandfrei funktionieren". Nach Informationen der Dortmunder "Ruhr Nachrichten" erfüllte sogar keines der getesteten Geräte die Standards. Aldi Süd habe insgesamt 371.000 Geräte im Verkauf gehabt. Große Mengen der Plagiate seien zudem unter anderer Typenbezeichnung und Verpackung an andere Händler ausgeliefert worden. Dort seien die täuschend ähnlichen Geräte mit funktionierenden vermischt worden. Auf allen Verpackungen stünden gängige Prüfsiegel, wie etwa das der Stiftung Warentest. Ein Gutachten der Zertifizierungsstelle VdS habe jedoch ergeben, dass keines der Plagiate das Prüfsiegel bekommen hätte.

Der Hongkonger Produzent erstattete im November Strafanzeige. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen gegen die Mönchengladbacher Firma, deren Geschäftsräume durchsucht worden seien. Eine weitere Großlieferung Rauchmelder wurde am Hafen in Rotterdam beschlagnahmt. Die Geräte sollten zum Großteil an Aldi Nord gehen. VG sieht sich selbst als Betrugsopfer. Als die Staatsanwaltschaft vor der Tür gestanden habe, um die Geschäftsräume zu untersuchen, "haben wir alles offengelegt", sagte der Firmensprecher. Die Mönchengladbacher Firma war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Baumarkt-Ketten "Praktiker" und "Hornbach" indes haben nach einem Vorab-Bericht der "Ruhr Nachrichten" am Mittwochabend bundesweit begonnen, alle fraglichen Produkte aus den Regalen zu räumen. Dem Blatt (Donnerstagausgabe) zufolge hatte die Zertifizierungsstelle VdS noch am Morgen in einem Kölner Baumarkt einen Rauchmelder gekauft, der durch ein Gutachten am Abend einwandfrei als unbrauchbare Fälschung identifiziert worden ist.

"Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass man ein Original gekauft hat. Das ist eine Katastrophe", sagte VdS-Sprecher Norbert Bernigau der Zeitung. VdS rät allen Verbrauchern, im Zweifelsfall auch bereits montierte Rauchmelder abzunehmen, zum Händler zu bringen und die Rücknahme zu fordern.

"Es gibt zwar nur vereinzelt Geräte, die einen Fälschungsverdacht nahe legen, aber für unsere Kunden gehen wir auf Nummer sicher", sagte "Praktiker"-Sprecher Markus Frey dem Blatt. Auch "Hornbach" habe die fraglichen Produkte aus den Regalen geräumt und zwar auch international. "Zurzeit sieht es nicht danach aus, dass wir Fälschungen im Sortiment haben", sagte Robert Kautzmann, Assistent des Vorstandes der Zeitung. Der Mönchengladbacher Geschäftsmann, der von der Staatsanwaltschaft Gießen verdächtigt wird, dem Handelsriesen Aldi Süd 371 000 unbrauchbare Rauchmelder-Fälschungen verkauft zu haben, wies gegenüber der Zeitung alle Schuld von sich. "Ich bin selbst auf den Betrug reingefallen", sagte er. Seine Importfirma habe keine Möglichkeit, eigene Qualitätskontrollen durchzuführen - und auch keine rechtliche Veranlassung dazu. "Die chinesischen Produzenten kümmern sich um die Zertifizierungen", betonte er.

(afp)
 
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