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Nutzen oft nicht belegt: Medizinprüfer beklagt Übermaß an Krebsvorsorge

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 22.01.2011 - 11:47

Berlin (RP). Deutschlands oberster Medizinprüfer Jürgen Windeler hat den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen infrage gestellt. "Früherkennungsuntersuchungen haben in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Ihr Ansehen ist tatsächlich aber viel höher als das, was sie wirklich leisten", sagte Windeler unserer Redaktion.

Windeler ist der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Aufgabe des Instituts ist es, Ideen zu liefern, wie die Qualität der Patientenversorgung in Deutschland verbessert werden kann.

Auf Krebs-Vorsorgeuntersuchungen, die nicht von den Kassen finanziert werden, können die Versicherten aus Sicht Windelers gänzlich verzichten. "Auch beim Hautkrebsscreening ist der Nutzen nicht sehr überzeugend belegt. Bei der Untersuchung auf Prostatakrebs ist der Nutzen nicht belegt", betonte Windeler. Den Check beim Arzt, den die gesetzlichen Krankenkassen ab 35 Jahre finanzieren, bewertet er ebenfalls kritisch. "Ein Check alle zwei Jahre macht mir wenig Sinn. Der Mensch ist eben kein Auto, das dauernd zum TÜV muss", sagte Windeler. Er fügte hinzu: "Die Einstellung: Ich fühle mich gesund und frage den Arzt, ob ich es auch bin oder sein darf, scheint mir befremdlich."

Die Teilnahme an Gesundheits-Checks und Krebsvorsorge ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Jede zweite Frau über 50 Jahre nutzt das Angebot, sich per Mammographie auf Brustkrebs testen zu lassen. In der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen nehmen etwa 40 Prozent der Männer und zwei Drittel der Frauen regelmäßig an dem Check ab 35 teil. Dies geht aus dem Arztreport der Barmer GEK hervor. Die Krankenkassen finanzieren den Check, bei dem verschiedene Blutwerte und Blutdruck untersucht werden, alle zwei Jahre für jeden Versicherten.

Die Krankenkassen knausern bei dem Thema Vorsorge nicht. Allein für die Krebsvorsorge wenden sie für Frauen jährlich knapp 770 Millionen Euro auf. Für Männer sind es mit knapp 190 Millionen Euro deutlich weniger. Viele Kassen werben sogar offensiv dafür, dass sie mehr in die Gesundheitsvorsorge ihrer Versicherten investieren, als sie per Gesetz müssen.

Der Chef der AOK Rheinland Winfried Jacobs hält die Vorsorge für wichtig, ist für Reformen aber offen: "Alle Früherkennungsuntersuchungen gehören regelmäßig auf den Prüfstand", sagte Jacobs unserer Redaktion. Sie müssten regelmäßig auf ihren Inhalt und die Form, wie sie den Versicherten angeboten werden, überprüft werden. Den regelmäßigen Gesundheits-TÜV empfiehlt er den Versicherten weiter: "Ich würde beim Check ab 35 bleiben."

Quelle: RP

 
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