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Glänzende Bilanz: Mehdorn bietet Rücktritt an

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 30.03.2009 - 14:01

Düsseldorf (RPO). Am Ende hielt er dem Druck nicht mehr stand: Durch die Spitzelaffäre schwand nach den Gewerkschaften offenbar auch die Unterstützung innerhalb der Koalition. Bei der Bilanzpressekonferenz am Montag bot Bahn-Chef Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt an. Doch ein Trost bleibt dem Manager: Zum Ende überraschte Mehdorn mitten in der Krise mit glänzenden Zahlen. Wir blicken zurück auf die Ära Mehdorn.

Erst am Sonntag lehnte Mehdorn in der "Bild am Sonntag" einen Rücktritt ab, doch nun ist es offizell: Jahrelang widerstand Mehdorn allen Rücktrittsforderungen, überlegte vier SPD-Verkehrsminister und einen bisher beispiellosen Lokführerstreik.

Die Situation auf der Bahn-Pressekonferenz in Berlin wirkte etwas skurril: Während bereits mehrere Medien übereinstimmend den bevorstehenden Rücktritt vermeldeten, nahm sich der Bahn-Chef zunächst Zeit, ausführlich die trotz Krise glänzenden Zahlen der Bahn vorzustellen.

Erst gegen Uhr 12:30 Uhr dann die erlösenden Worte: Mehdorn bietet seinen Rücktritt an. Formell muss der Aufsichtsrat den Rücktritt noch annehmen, doch es gibt bisher kaum Zweifel, dass er dem Rücktritt zustimmen wird. Dennoch stritt Mehdorn bis zuletzt ab, unrechtmäßig gehandelt zu haben. Ein Klima der Vorverurteilung mache es unmöglich, die Vorwürfe sachlich aufzuklären, bemängelte er. Eine gewisse Dickköpfigkeit prägte die gesamte Bahn-Regentschaft des Managers, die ihm bei Unterstützern aber auch den Ruf eines dynamischen Sanierers einbrachte.

Mehdorn war seit 2007 umstritten

Mehdorn war 1998 dem Wunsch von Bundeskanzler Gerhard Schröder gefolgt und löste Johannes Ludewig als Bahnchef ab. Als eines der letzten Unternehmen, die vollständig in Staatsbesitz sind, ist der Posten des Bahnchefs immer Gegenstand politischer Ränkespiele. Auch Mehdorns Vorgänger Ludewig musste nach dem Machtwechsel im Kanzleramt vorzeitig gehen.

Mehdorn war spätestens seit 2007 umstritten. Erste Kritik wurde im Umgang mit dem Tarifstreit 2007 laut. Bis dato waren die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA feste Verbündete des Bahn-Chefs. Doch im Umgang mit der GDL, der Kleinst-Gewerkschaft der Lokführer, zeigte sich Mehdorn ungeschickt. Es gelang ihm nicht, die Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil: Nachdem er sich im Streit mit der GDL kompromisslos zeigte, versteifte sich nicht nur die GDL, auch die anderen beiden Bahn-Gewerkschaften forderten nun mehr Geld. Es folgt der längste Tarifkonflikt in der Geschichte, der nur durch ein zweistelliges Lohnplus für die Lokführer erst im April 2008 beigelegt werden kann - eine Niederlage für Mehdorn.

Damals geriet auch erstmals Mehdorns Lieblingsprojekt in Gefahr: Die Privatisierung der Bahn über einen Börsengang. Die SPD-Basis kündigte ihren Widerstand gegen die Privatisierungspläne an, inzwischen steht das Projekt vor dem Aus. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist inzwischen vom Börsengang der Bahn abgerückt.

So lange Schröder Kanzler war, hatte Mehdorn einen mächtigen Verbündeten. Mit Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) lag er im Clinch. Mehdorn appellierte an Bodewig, Bahnbetrieb und Schienennetz schneller zu trennen - doch der bremste. Am Ende musste Bodewig gehen. Mehdorn überlebte vier SPD-Verkehrsminister.

Versäumnisse in der Datenaffäre

Zu Fall brachte ihn erst die Datenaffäre. Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass die Daten aller Mitarbeiter mit denen von Lieferanten abgeglichen wurden. Mehdorn rechtfertigte zwar bis zuletzt die massenhaften Überprüfung von Mitarbeitern als Maßnahme zur Korruptionsbekämpfung. Doch wieder zeigte sich Mehdorn im Umgang mit der Affäre ungeschickt: Er geht nicht in die Offensive, nur tröpfchenweise wird über die Medien das ganze Ausmaß der Datenaffäre deutlich. Mehdorn sprach zu Beginn nur von Führungskräften, die einer gesonderten Überprüfung unterzogen wurde. Am Ende steht fest: Die interne Korruptionsbekämpfung der Bahn stellte sämtliche Mitarbeiter unter Generalverdacht.

Dann wurde es noch enger für Mehdorn: Zwischen 2005 und 2008 filterte die Bahn systematisch die E-Mails von über 70.000 Mitarbeitern. Als die dazu eingesetzten Sondermittler, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) sowie Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), die Details der E-Mail-Überwachung am Freitag vorstellten, forderten die Bahn-Gewerkschaften seinen Rücktritt.

Selbst als das immer größere Ausmaß der Affäre deutlich wurde, blieb Mehdorn hart – und auch aus den Reihen der Großen Koaltion hielt man sich mit Kritik zunächst zurück. Das Fass zum Überlaufen brachte dann in der vergangenen Woche offenbar die Tatsache, dass während des Streiks E-Mails der Lokführer-Gewerkschaft GDL gelöscht wurden.

Die Bahn musste am vergangenen Freitag zugeben, dass die Zustellung eines Streikaufrufs der Bahngewerkschaft GDL verhindert wurde, weil dieser rechtswidrig gewesen wäre. Die Bahn-Techniker seien allerdings nicht aufgrund von Überwachungsmaßnahmen, sondern nur aufgrund technischer Probleme auf die E-Mail aufmerksam geworden und hätten auch nicht mehr als die Betreffzeile gelesen, betonte die Bahn.

Nun schwand auch die Unterstützung der Politik. Regierungskreisen zufolge begann schon am Wochenende die Suche nach einem Nachfolger. Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier waren sich den Kreisen zufolge schon am Wochenende über die Ablösung Mehdorns einig. Am deutlichsten wurden NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Unions-Bundestagsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (beide CDU). Rüttgers hatte verlauten lassen, eine Entscheidung über Mehdorn könne nur noch Stunden dauern, Bosbach sagte offen, aus seiner Sicht sei Mehdorn nicht zu halten.

Glänzende Bilanz

Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Umsatz Mehdorns Angaben zufolge gegenüber 2007 um 6,8 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte um 4,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Das Vorsteuerergebnis sank hingegen um 10,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro und auch das Jahresergebnis blieb mit 1,3 Milliarden Euro um 23,0 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Belastend wirkten sich hier Vorbereitungskosten für den mittlerweile auf unbestimmte Zeit verschobenen Börsengang aus. Zudem waren in der Vorjahresbilanz hohe Gewinne aus Beteiligungsverkäufen. Die Nettoverschuldung sei weiter um 3,5 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro zurückgeführt worden.

Dabei fuhren im vergangenen Jahr mehr Menschen als je zuvor in den Zügen der Deutschen Bahn. Die Zahl der Fahrgäste stieg um 4,6 Prozent auf 1,9 Milliarden. Im Schienengüterverkehr zeigten sich hingegen bereits die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Zwar stieg die Zahl der beförderten Güter um 21,1 Prozent auf 378,7 Millionen Tonnen. Ohne die Einbeziehung der Ende 2007 erworbenen britischen Tochtergesellschaft EWS sei der Vorjahreswert allerdings nicht erreicht worden.

Mit Material von AP


 
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