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Hartmut Mehdorn lächelnd Air Berlin Panorama
  Foto: dapd, dapd
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Ex-Bahnchef soll Air Berlin leiten: Mehdorn feiert Comeback am Himmel

zuletzt aktualisiert: 18.08.2011 - 15:38

Berlin (RPO). Als Hartmut Mehdorn 2009 über die Datenaffäre der Deutschen Bahn fiel, wollte er nicht lange liegen bleiben: "Für das Altenteil bin ich noch ein bisschen zu jung", sagte der damals 66-Jährige nach seinem unfreiwilligen Abgang nach fast zehn Jahren an der Bahn-Spitze. Nun katapultiert ihn der Rücktritt des bisherigen Air-Berlin-Vorstands Joachim Hunold an die Spitze der Fluggesellschaft - zumindest übergangsweise.

Lange war es still um den sonst so lauten Manager Mehdorn. Sein Freund Joachim Hunold holte ihn zwar als Kontrolleur in den Aufsichtsrat von Air Berlin, und auch bei der russischen Staatsbahn engagierte sich Mehdorn. Doch in die erste Reihe schaffte er es nicht mehr. Umso größer muss nun die Genugtuung für ihn sein, ausgerechnet in der Luftfahrtbranche mit nun 69 Jahren noch einmal auf dem Chefsessel zu sitzen.

Denn die Luftfahrt war - trotz seiner Bekanntheit als Bahnchef - immer seine Lieblingsbranche, woraus er auch keinen Hehl machte: "Ich wollte Pilot werden, ich war früh vom Fliegen fasziniert", sagte Mehdorn einmal. Als Kind sei er in seiner Heimatstadt Berlin oft zum Flughafen Tegel geradelt, um Starts und Landungen zu beobachten.

Einst Ingenieur in der Luftfahrtbranche

Der Pilotentraum erfüllte sich nicht, Fliegen war in der eingemauerten Stadt nicht möglich, doch zumindest das Segelfliegen lernte er in Braunschweig. Die ersten 30 Jahre seines Berufsleben arbeitete er dann als Ingenieur in der Luftfahrtbranche, bei der Deutschen Aerospace, Messerschmidt Bölkow-Blohm oder Airbus. Dort setzte er sich häufig in den Flugsimulator und übte Starts und Landungen, aber flog nach eigenen Worten auch mal selbst, wenn ein Testpilot neben ihm saß. Auch bei Militärjets wie dem Tornado oder der MIG 29 flog er mit.

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Die Lufthansa nannte er immer wieder als Modell für ein Staatsunternehmen, das den Sprung in die Privatwirtschaft und an die Börse geschafft habe. Und was die Deutsche Bahn auch können müsse. Zudem hatte er durchaus im Auge, dass man mit der Bahn eines Tages auch fliegen könne. Eine Beteiligung an einer Airline - durchaus denkbar für ihn. Die Übernahme des inzwischen stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof - für den Bahnchef zumindest eine Option.

Als in der Bahn vor dem geplanten Börsengang über einen neuen Namen nachgedacht wurde, wurde ihm prompt mit einem Augenzwinkern "Erdhansa" vorgeschlagen. Mehdorn fand das durchaus lustig. Er rekrutierte auch den ein oder anderen Manager von der Fluglinie, was bei alteingessenen Bahner auch Unmut auslöste. 

Sein größtes Projekt: der Bahn-Börsengang

"Ich bin überzeugt, dass Herr Mehdorn der Richtige ist", sagt Hunold über den Nachfolger. Das dürfte der genauso sehen - die wirtschaftliche Schieflage, unter der Air Berlin leidet, dürfte für den 69-Jährigen den größten Reiz ausmachen: "Ängstlich war ich noch nie, schwierige Aufgaben haben mich auch noch nie geschreckt", sagte er kurz nach Bekanntwerden der Nachricht dem Berliner "Tagesspiegel". Mehdorn ist ein Macher, er liebt es, unter Druck und gegen alle Widerstände zu arbeiten.

Denn so kometenhaft Mehdorns Aufstieg in den vergangenen Jahrzehnten war, so viele Querelen musste der Manager aushalten. Am bekanntesten wurde er den Bürgern als Chef der Deutschen Bahn - auf diesem Posten saß er von 1999 bis 2009. Gehen musste er, als bekannt wurde, dass die Bahn systematisch in den Stammdaten ihrer Mitarbeiter herumgeschnüffelt hatte.

Sein größtes Projekt, der Börsengang der Bahn, ist bis heute nicht verwirklicht: Die ursprünglich schon 2006 geplante Teilprivatisierung fiel der Finanzkrise zum Opfer, der Börsengang wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. 2006 scheiterte Mehdorn auch mit dem Einstieg beim Hamburger Hafen.

Doch an der Spitze des ehemaligen Staatskonzerns entfaltete Mehdorn seine ganze Persönlichkeit: Konsequent und forsch lenkte er den Konzern, ließ sich auch von Kritik aus der Politik selten aus der Ruhe bringen. "Ich gehöre zu den kleinen Dicken, die was aushalten", sagte er nach seiner Nominierung zum neuen Chef von Air Berlin dem "Tagesspiegel". Welche Visionen Mehdorn für die angeschlagene Fluglinie hegt, verriet er aber noch nicht.

Quelle: RTR/AFP/das

 
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