Alle Mitarbeiterdaten überprüft: Mehdorn verschwieg weiteren Daten-Skandal
zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 - 19:07Berlin (RPO). Das Ausmaß der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn ist größer als bislang bekannt war, bestätigte ein Konzernsprecher. Bei einer Aktion im Jahr 2005 hatte die Deutsche Bahn die Daten aller Mitarbeiter ausgeforscht. Medienberichten zufolge ist der Aufsichtsrat entsetzt.
Die Überprüfung von Mitarbeitern bei der Deutschen Bahn hat ein deutlich größeres Ausmaß als bisher bekannt. Konzernsprecher Oliver Schumacher bestätigte der AP am Dienstag in Berlin Berichte der "Süddeutschen Zeitung" und der "Financial Times Deutschland", nach denen es auch 2005 einen Datenabgleich im großen Stil gegeben hat.
Schumacher trat aber dem Eindruck entgegen, dass der Konzern diesen Vorgang verschwiegen habe. Am vergangenen Freitag habe der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates getagt. Dabei habe die Deutsche Bahn darüber berichtet, dass es noch einmal ein Screening gegeben habe. "Der Aufsichtsrat war also informiert", sagte Schumacher.
Die Deutsche Bahn hat laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" 2005 nach einer ersten Kontrolle eines Großteils der Beschäftigten bei einer weiteren Aktion die "Daten aller Mitarbeiter" mit Adressen und Bankverbindungen von Geschäftspartnern abgeglichen worden. Dies berichtete die Zeitung am Dienstag vorab mit Verweis auf einen ihr vorliegenden Brief aus dem Bundesverkehrsministerium. Das neue Ausmaß der Affäre habe im Aufsichtsrat Entsetzen ausgelöst.
Man sei "schockiert", zitierte das Blatt Reaktionen in Aufsichtsratskreisen. Es sei unbegreiflich, dass der Vorstand nur "scheibchenweise" mit der Wahrheit über die Datenaffäre herausrücke. "Wir können nur den Kopf schütteln". Konzernchef Hartmut Mehdorn komme aus dieser Affäre voraussichtlich nicht mehr heil heraus, hieß es nach Angaben der Zeitung weiter.
Der Aufsichtsrat erfuhr dem Bericht zufolge am Dienstag durch einen Brief des Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann, von dem Vorgang. Dieser berichte darin von einer Sitzung des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat, bei der die Bahn die zweite große Spähaktion eingestanden habe. An der Sitzung am vorigen Freitag hatte auch Mehdorn teilgenommen. Er musste nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen jedoch erst herbeizitiert werden, schreibt die "Süddeutsche".
Großmann schreibe weiter, der Prüfungsausschuss habe "nicht ausreichend" klären können, wer die zweite Massen-Überprüfung in Auftrag gegeben habe, berichtete die Zeitung. Die anwesenden Vorstände hätten bestritten, zum Zeitpunkt dieses zweiten Datenabgleichs im Jahr 2005 davon erfahren zu haben. Die Fragen des Prüfungsausschusses seien "nur unzureichend" beantwortet worden, habe der Staatssekretär gerügt.
Zuvor hatte Mehdorn eingeräumt, die Überprüfung Mitarbeiter sei zwar grundsätzliche eine "sinnvolle und zulässige Maßnahme zur Korruptionsbekämpfung" gewesen, doch gleichzeitig sei es nicht nötig gewesen, "den Kreis der Mitarbeiter, die in den Datenabgleich einbezogen wurden, so weit zu ziehen." Bekannt war, dass die Daten von 173.000 von insgesamt 240.000 Beschäftigten dem sogenannten Sreening-Verfahren unterzogen worden waren.
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