IG-Metall NRW: Mehr Geld für Metaller
zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 16:44Neuss (RPO). Kein Streik in NRW: Die Tarifparteien in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie übernehmen den im Pilotbezirk Baden-Württemberg erzielten Abschluss.
Zum 1. Februar steigen die Löhne der rund 700.000 Beschäftigten damit um 2,1 Prozent und frühestens zum 1. Mai um weitere 2,1 Prozent, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Die Tarifkommission wird laut IG Metall am kommenden Donnerstag über das Verhandlungsergebnis beraten
Betrieblich können Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, den zweiten Erhöhungsschritt bis zu sieben Monate zu verschieben. Die Laufzeit des Tarifvertrages, der auch eine Einmalzahlung in Höhe von 510 Euro für die Monate November 2008 bis Januar 2009 vorsieht, beträgt 18 Monate.
Besonders wichtig sei, dass der Abschluss starke Elemente der Differenzierung enthalte, die es den Betrieben ermöglichten, auf konjunkturelle Schwankungen flexibel zu reagieren, sagte der Verhandlungsführer der Metallarbeitgeber, Horst-Werner Maier-Hunke. Die Laufzeit von 18 Monaten schaffe zudem Planungs- und Kalkulationssicherheit für die Unternehmen.
Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Oliver Burkhard bezeichnete den am Mittwoch in Sindelfingen erarbeiteten Pilotabschluss als "hart verhandelten Kompromiss", der nicht alle Erwartungen erfülle. "Als wir unsere Forderung aufgestellt haben, sah die Welt noch ganz anders aus", betonte er. Ursprünglich hatte die IG Metall acht Prozent mehr Gehalt gefordert.
Die Verantwortlichen für die Finanzmarktkrise hätten die Wirtschaft mit ihren Machenschaften jedoch in eine schwierige Situation gebracht. "Unter den aktuellen Bedingungen konnte es uns nicht gelingen, die Gerechtigkeitslücke so zu verkleinern, wie es notwendig und wünschenswert ist", erklärte Burkhard.
Ökonomen zufrieden
Zur Einigung bei den Metallern erkläre Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe): "Aus unserer Sicht ist dieser Abschluss ausgewogen."
DIW-Chef Zimmermann zeigte sich über den ohne Arbeitskampf erzielten Kompromiss erleichtert: Wenn die IG Metall einen Streik gestartet hätte, wäre die Wirtschaft womöglich an den Rand einer großen Krise geraten.
Der Chef des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, bezeichnete den Metallabschluss als gut für Deutschland. Horn sagte der "Frankfurter Rundschau": "Der Abschluss wird zur Steigerung der Reallöhne führen und damit die Kaufkraft der Arbeitnehmer spürbar erhöhen. Wir brauchen nämlich im nächsten Jahr eine sehr kräftige Binnennachfrage, um die außenwirtschaftliche Belastung besser tragen zu können."
Das Institut der Deutschen Wirtschaft bewertete die Einigung als vernünftig. "Der Abschluss ist vertretbar - wenn man ihn im Zusammenhang mit der relativ geringen Lohnerhöhung sieht, den die Beschäftigten in diesem Jahr bekommen haben", sagte Tarifexperte Hagen Lesch der "Rheinischen Post".
Die IG Metall sieht nach dem Pilotabschluss keine Gefahr für Arbeitsplätze. Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Oliver Burkhard sagte im Westdeutschen Rundfunk: "Ich glaube, die Branche kann diesen Abschluss allgemein verkraften. Es wird nicht zu Arbeitsplatzabbau kommen."
IG-Metall greift Infinion an
Unterdessen kritisierte die IG Metall den Austritt des Chipherstellers Infineon aus dem Arbeitgeberverband scharf. Bezirksleiter Werner Neugebauer sagte, Hauptursache der Krise bei Infineon sei "eine beispiellose Kette von Fehlentscheidungen des Managements, die jetzt wieder einmal die Beschäftigten ausbaden sollen." Die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie böten einen ganzen Baukasten von Möglichkeiten, um mit solchen Problemen umzugehen. Die Behauptung, diese Probleme durch Gehaltskürzung und Tarifflucht lösen zu können, gehörten in den Bereich von Grimms-Märchenstunde. Neugebauer drohte mit Protestaktionen.
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