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Treffen der G-7-Finanzminister in Essen: Mehr Kontrolle von Hedgefonds

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 09.02.2007 - 13:49

Düsseldorf (RP). Die G7-Finanzminister wollen in Essen darüber beraten, wie man bei den Geschäften der umstrittenen Investoren mehr Transparenz schaffen kann. Derzeit sind gesetzliche Vorgaben kaum vorhanden.

Mit milliardenschweren Währungsspekulationen auf das britische Pfund verdiente sich der Amerikaner George Soros vor 15 Jahren eine goldene Nase. Seither haftet Hedgefonds, die hochspekulative und entsprechend riskante Geschäfte machen, der Ruf an, sie seien eine Gefahr für Finanzmärkte und Volkswirtschaften.

Am Freitag und am Samstag wird das Thema wieder groß geschrieben: Finanzminister Peer Steinbrück will mit seinen Ressortkollegen aus der G7-Gruppe in Essen den ersten Schritt hin zu größerer Transparenz tun. Das Ziel: mehr Kontrolle von Hedgefonds.

Viel zu erwarten ist indes noch nicht. „Eine Deklaration und motivierende Empfehlungen“ erwartet der Erlanger Bank -und Börsenwissenschaftler Wolfgang Gerke, generelle Forderungen nach „mehr Transparenz und einer globalen Kontrolle“ der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jügen Kurz. DGB-Chef Michael Sommer forderte gestern eine politische Initiative noch vor dem G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm.

Das mit der globalen Kontrolle ist schwierig. Während mancher Kontinentaleuropäer Hedgefonds als Teufelszeug betrachtet, sind die Fonds in Großbritannien und den USA gang und gäbe. Die meisten der 10.000 Fonds weltweit gibt es in diesen beiden Ländern. Aber auch in Übersee ist man vorsichtiger geworden. Gerke: „Die Größenordnung der Gelder, die in Hedgefonds investiert sind, wird auch den Amerikanern langsam unheimlich.“.

Derzeit fällt jede Form von Kontrolle schwer. Die Fonds müssen ihre Geschäftsmodelle nicht offenlegen - „ein schwarzes Loch“, wie es Jochen Sanio, Präsident der Finanzaufsichtsbehörde Bafin, formuliert. Hedgefonds dürfen weitgehend unabhängig von gesetzlichen Vorgaben Kapital anlegen.

Sie machen etwa Zinsarbitrage-Geschäfte. Das heißt, sie nutzen unterschiedliches Zinsniveau in unterschiedlichen Ländern für ihre Geschäfte (das aber mit womöglich beträchtlichem Währungsrisiko). Oder sie leihen sich Aktien und verkaufen sie weiter. Fällt der Kurs, kaufen sie diese Aktien später billig ein und kassieren die Kursdifferenz als Gewinn.

Solche Geschäfte kann auch der Kleinanleger machen. Wenn das bei schief geht, weil der Kurs sich anders entwickelt als erwartet, tut es nur ihm selbst weh. Verkalkuliert sich ein Hedgefonds, kann das Milliardensummen kosten. Darunter leiden nicht nur die Investoren, sondern womöglich auch Banken, die ihnen leihen, und im Extremfall die Volkswirtschaft. Beispiel: Der US-Hedgefonds LTCM spekulierte mit russischen Staatsanleihen und wurde 1998 nach dem Kollaps des Rubel von der Zahlungsunfähigkeit Russlands überrascht. Er vergeigte 3,5 Milliarden Dollar Kundengelder, Banken gerieten an den Rand einer Pleite.

So etwas möchte niemand noch einmal erleben. Darum diskutieren die Politiker - sogar ehemalige wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der zu Recht darauf hinwies, dass jede kleine Sparkasse der Kontrolle unterliege, aber große Hedgefonds nicht. In Deutschland wurde das Thema zuletzt öffentlichkeitswirksam, als Bundesarbeitsminister Franz Müntefering 2005 im Wahlkampf von „Heuschrecken“ sprach.

Damit meinte er nicht nur Hedgefonds, sondern auch Private-Equity-Gesellschaften. Mit Finanzinvestoren also, deren Ziel es ist, Firmen aufzukaufen, aufzuforsten und danach mit größtmöglichem Gewinn wieder zu verkaufen. Dass Müntefering ausgerechnet den US-Investors KKR anging, der den Münsteraner Bargeldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf 1999 übernahm und 2004 mit Erfolg an die Börse brachte, war Unsinn.

Andererseits haben sich auch Private-Equity-Geselschaften schon unbeliebt gemacht - beispielsweise beim Sanitärhersteller Grohe, beim Tankstellenbetreiber Tank & Rast oder beim Autozulieferer Kiekert aus Heiligenhaus. In diesen Fällen finanzierten sie die Übernahme mit reichlich Fremdkapital, bürdeten dem übernommenden Unternehmen die Kredite auf und saugten es aus. Da sind sie nicht besser als vermeintlich böse Hedgefonds.


 
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