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Feindliche Übernahme: Merck will Schering schlucken

zuletzt aktualisiert: 12.03.2006 - 18:40

Berlin (rpo). In der deutschen Pharmaindustrie steht eine feindliche Übernahme vor der Tür: Bieter ist das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck, unfreiwilliges Ziel der Schering-Konzern. Schering teilte am Sonntag mit, Merck hätte erklärt, "ein Barangebot für Schering in Höhe von 77 Euro je Aktie" abgeben zu wollen. Schering halte dieses Angebot für erheblich unterbewertet.

Das Berliner Unternehmen, das an der Börse im Augenblick rund 12 Milliarden Euro wert ist, betonte, die Offerte sei unaufgefordert abgegeben worden.

Schon im Februar dieses Jahres hatte Schering verlauten lassen, ein Zusammenschluss mit Merck oder dem mit Pharmabereich des Altana-Konzerns sei strategisch nicht sinnvoll. Schering wolle sich weiter auf seine Kernbereiche konzentrieren. Das im Deutschen Aktienindex (DAX) und damit im "Börsenolymp" vertretene Unternehmen wurde auch in jüngster Zeit immer wieder als Übernahmekandidat genannt. Die Aktie von Schering war vergangenen Freitag 66,86 Euro wert, vor sechs Monaten waren es noch um die 50 Euro.

Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen wies die Merck-Offerte kategorisch zurück: "Das Angebot ist nicht im Interesse unserer Aktionäre und reflektiert nicht den wahren Wert von Schering." Es habe keine Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben. Erlen kündigte umgehende Beratungen mit dem Aufsichtsrat an.

In der Pharma-Branche Europas hatte im Jahr 2004 die feindliche Übernahmeschlacht um den deutsch-französischen Aventis-Konzern für monatelangen Wirbel gesorgt. Aventis, in dem auch der deutsche Hoechst-Konzern aufgegangen war, sträubte sich zunächst vehement gegen die Kaufofferte des französischen Sanofi-Konzerns. Doch dann legte Sanofi ein 55-Milliarden-Euro Angebot vor, aus dem die weltweite Nummer drei der Pharmabranche entstand.

Über ein Interesse von Merck an Schering berichtete "Manager-Magazin.de" bereits am Sonntagnachmittag. Ein Sprecher des Darmstädter Unternehmens war zunächst nicht erreichbar. "Manager-Magazin.de" zufolge wollen die rund 130 Familiengesellschafter von Merck, die bislang 73 Prozent der Anteile halten, ein Paket von gut 20 Prozent über die Börse verkaufen.

Die anderen 27 Prozent des börsennotierten Merck-Konzerns sind schon in den Händen von Aktionären. "Die Erlöse daraus plus Barmittel in Höhe von rund 2 Milliarden Euro sollen für die Akquisition eingesetzt werden", hieß es in dem Bericht. Beraten werde Merck bei dem Deal von Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Die Führungsspitze von Schering und von Merck seien miteinander im Gespräch.

Fusionsfieber grassiert bei deutschen Konzernen wieder

Milliardenschwere Fusionen sind in Deutschland gegenwärtig an der Tagesordnung. So schluckt der Linde-Konzern gerade den britischen Konkurrenten BOC für rund 12 Milliarden Euro, E.ON will die spanische Endesa für fast 30 Milliarden Euro kaufen und BASF arbeitet seit einiger Zeit an der Übernahme des US-Unternehmens Engelhard.

Gerüchte über Zusammenschlüsse speziell in der Pharmabranche kursieren immer wieder. In dieser Industrie haben die Konzern in der Regel eine relativ teure Forschungsinfrastruktur. Wer fusioniert oder einen Konkurrenten übernimmt, kann dabei ebenso sparen wie in der Herstellung und im Vertrieb.

Quelle: afp

 
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