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Für 14,6 Mrd Euro: Merck will Schering schlucken

zuletzt aktualisiert: 13.03.2006 - 15:15

Darmstadt/Berlin (rpo). Übernahmekrimi in der deutschen Pharmabranche: Für mehr als 14 Milliarden Euro will Merck den Konkurrenten Schering übernehmen. Das Darmstädter bietet derzeit 77 Euro je Schering-Aktie. Der Übernahmekandidat aus Berlin kündigte Widerstand an.

An der Börse erreichte das bereits seit Wochen grassierende Fusionsfieber derweil einen neuen Höchststand: Der Kurs der Schering-Aktie explodierte regelrecht und legte bis Montagnachmittag sagenhafte 26 Prozent auf über 83 Euro zu.

Die oberste deutschen Finanzaufsicht BaFin will nun die auffälligen Kursbewegungen der Schering-Aktie der letzten Tage unter die Lupe nehmen. "Wir prüfen routinemäßig auffällige Kursbewegungen vor Übernahmeangeboten", sagte eine Sprecherin. Die Aktien von Schering hatten bereits in der vergangenen Woche, also kurz vor Bekanntgabe Übernahmeangebots durch Merck, mehr als neun Prozent zugelegt. Dies könnte, muss aber nicht, auf verbotene Insidergeschäfte zurückzuführen sein.

Merck-Finanzvorstand Michael Becker sagte, das Unternehmen habe bereits Gesprache mit dem Schering-Großaktionär Allianz geführt: "Wir haben den Eindruck, dass die Allianz die Bedenken des Schering-Vorstands nicht teilt." Auch nach einer Kapitalerhöhung um vier Milliarden Euro werde die Merck-Familie immer noch eine Anteilsmehrheit von rund 60 Prozent an Merck haben.

Schering-Sprecher Christof Ehrhart bekräftigte am Montag die Ablehnung einer Übernahme: "Wir brauchen die Kombination mit Merck nicht, um eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung darstellen zu können." Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen hatte die Merck-Offerte bereits tags zuvor kategorisch zurück gewiesen: "Das Angebot ist nicht im Interesse unserer Aktionäre und reflektiert nicht den wahren Wert von Schering." Zugleich kündigte er umgehende Beratungen mit dem Aufsichtsrat an.

Merkel informiert

Merck-Finanzvorstand Becker sagte vor Journalisten in Darmstadt, Ziel sei es, 100 Prozent an Schering zu erwerben: "Die Aktie wird vom Markt verschwinden." Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simson erklärte, er habe Bundeskanzlerin Angela Merkel über die geplante Übernahme informiert und werde am (morgigen) Dienstag ein Gespräch mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit führen. Es handele sich um keine von der Politik eingefädelte Übernahme. Merkel habe die geplante Transaktion nicht bewertet.

Beide Unternehmen hatten laut Merck 2005 im lukrativen Markt für patentgeschützte Medikamente einen Umsatz von insgesamt 5,6 Milliarden Euro erzielt und über ein Forschungs- und Entwicklungsbudget von gemeinsam 1,3 Milliarden Euro verfügt. Der Zusammenschluss habe zudem bessere Möglichkeiten, die beiden wichtigsten Märkte für Arzneimittel, USA und Japan, zu erreichen.

Für die Integration von Schering in den Merck-Konzern soll der jetzige Lufthansa-Finanzvorstand Kley sorgen. Laut Merck gilt die Ernennung des Managers zum 1. September 2006 unter dem Vorbehalt, dass das Dienstverhältnis zwischen Kley und der Lufthansa gelöst werde. Kley sei seit 2004 Mitglied des Merck-Aufsichtsrates. Zuvor war er in leitender Funktion bei der Bayer AG in Leverkusen tätig.

Quelle: ap

 
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