Nach Selbstmord von Adolf Merckle: Merckle-Gruppe trennt sich von Ratiopharm
zuletzt aktualisiert: 07.01.2009 - 13:56Ulm (RPO). Der Milliardär Adolf Merckle begang Selbstmord, weil sein Lebenswerk vor dem Ruin stand. Jetzt nimmt die Rettung seines Imperiums konkrete Formen an. Banken versichern, der Gruppe Überbrückungskredite zu gewähren. Fest steht auch: Der Generikahersteller Ratiopharm wird verkauft. Ein Treuhänder soll dies übernehmen.
Um die Firmengruppe neu zu strukturieren, soll der Arznei-Riese verkauft werden, bestätigte die VEM Vermögensverwaltung am Mittwoch in einer Pressererklärung. Teil der Vereinbarung ist demnach, dass Ludwig Merckle seine Tätigkeit in der Geschäftsführung der VEM Vermögensverwaltung nicht fortsetze. Ein Treuhänder solle den Verkauf des Pharma-Unternehmens begleiten.
Die Banken sind indes bereit, dem Merckle-Clan frisches Geld zu geben. Das bestätigte eine Sprecherin der VEM der Nachrichtenagentur AP. Über die Höhe der geplanten Kreditzusage machte sie keine Angaben. Schon vor dem Freitod des 74-jährigen Unternehmers sprachen Finanzkreise davon, dass es sich um 400 Millionen Euro handeln würde. Die VEM ist die wichtigste Dachgesellschaft für die Beteiligungen des Merckle-Clans, unter anderem ist sie die Eigentümerin von Ratiopharm. Außerdem soll auch ein Sanierungsgutachten erstellt werden.
Denn mittelfristig werden diese 400 Millionen Euro nicht ausreichen. Merckle wusste das. In den kommenden Monaten stehen weitere Verhandlungen mit den Finanzinstituten an. Das Merckle-Imperium muss umgeschuldet, Beteiligungen versilbert werden.
Ratiopharm war Merckles Baby
Ratiopharm war Merckles Baby, sein Ein und Alles, das Unternehmen, welches ihn zu dem gemacht hatte, der er war: den fünftreichsten Deutschen in der Liste des US-Magazins „Forbes“ und Inhaber zahlreicher Unternehmensbeteiligungen. Mehr als 100.000 Menschen arbeiteten für ihn.
In den 70er und 80er Jahren machte er aus Ratiopharm mit Hilfe des vom Vater geerbten Arzneimittelherstellers einen der größten Hersteller von Nachahmer-Medikamenten Europas. Wie wichtig ihm das Unternehmen war, wird deutlich, wenn man weiß, dass Adolf Merckle 1999 erst seinem Sohn Philipp Daniel Merckle zum Geschäftsführer machte und ihm 2005 sogar die Gesamtverantwortung übertrug, ihn hingegen im Frühjahr 2008 wieder entmachtete. Zu wenig habe sich der Filius ums Tagesgeschäft gekümmert, der Vater sah die Marktanteile bröckeln, der Vorsprung zwischen dem Branchenprimus Hexal und Ratiopharm vergrößerte sich. Das war zuviel. Er entmachtete seinen Sohn und verbannte wenig später auch die übrigen Familienmitglieder aus dem Unternehmen.
Die durch die VW-Fehlspekulationen ausgelöste Finanznot des Vaters befeuerte den in der Familie schwelenden Streit nun noch. In den vergangenen Wochen hatte sich Philipp Daniel Merckle - sicherlich auch wegen der Entmachtung von seinem Vater öffentlich distanziert. Es habe in der Merckle-Gruppe viele Dinge gegeben, „hinter denen ich nicht gestanden habe“, ließ er die Öffentlichkeit wissen.
Adolf Merckle wollte, dass der Chef von HeidelbergCement, Bernd Scheifele, aus dem Familienimperium eine zukunftsfähige Holding formt. Der 74-Jährige realisierte, dass dieser Plan nun nicht mehr vollendet werden konnte. Noch stehen die Banken zu ihrer Zusage, der Merckle-Gruppe den Überbrückungskredit in Millionenhöhe zu geben. Doch sie könnten die Gelegenheit nutzen, noch einmal neu zu verhandeln. Genauso wie noch unklar ist, ob und wie die Familie nach dem Ableben des Patriarchen nun wieder nach der Macht in der Unternehmensgruppe greift.
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