Streit vor G-20-Gipfel in Seoul: Merkel verteidigt deutschen Exportüberschuss
zuletzt aktualisiert: 10.11.2010 - 07:47Seoul/Berlin (RPO). Vor dem G-20 Gipfel in Seoul am Freitag hat sich der Streit um weltweite Handelsungleichgewichte verschärft. Auf einem hitzigen Vorbereitungstreffen in der südkoreanischen Hauptstadt beharrten am Dienstag die versammelten Ländervertreter auf ihren Positionen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte in einem Interview den deutschen Exportüberschuss und warnte vor Verzerrungen der Wechselkurse.
Der Streit um Währungspolitik und Handelsbilanzen wird im Zentrum des fünften Treffens der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer stehen, das am Freitag in Seoul stattfindet. Bei einem Treffen zur Vorbereitung des Gipfels zeigten sich die stellvertretenden Finanzminister jedoch kaum bereit, von ihren Positionen abzuweichen, wie ein Sprecher der südkoreanischen Präsidentschaft berichtete.
Die sogenannte Gruppe der 20 repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung, rund 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft und 80 Prozent des Welthandels. Der Gruppe gehören die acht wichtigsten Industriestaaten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland und Kanada an. Die G-20 wurde 1999 ins Leben gerufen, um die Kooperation in Fragen des internationalen Finanzsystems zu verbessern.
Keine Einigung über Formulierungen
"Stimmen wurden laut. Sie wollten sich auf keinen Kompromiss einlassen. Sie mussten sogar die Tür offen halten, weil die Debatte so hitzig war", sagte der Sprecher. Der Entwurf der Abschlusserklärung, welche die Abgesandten vorbereiten sollten, habe zahlreiche Klammern enthalten, sagte der Sprecher, weil es keine Einigung über die Formulierung gab.
Für weitere Spannungen dürfte die Mitteilung sorgen, dass der chinesische Exportüberschuss im Oktober stark zunahm. Wie die chinesische Zollbehörde mitteilte, stieg der Handelsüberschuss auf 27,15 Milliarden Dollar (19,47 Milliarden Euro) von 16,88 Milliarden Dollar im September. Es wurde erwartet, dass sich das US-Defizit gemäß den für Mittwoch erwarteten Zahlen auf rund 45 Milliarden Dollar belaufen werde.
"Dieser starke Kontrast wird wahrscheinlich den internationalen Druck auf China weiter erhöhen, sich schneller in der Frage der Währung zu bewegen, um mehr Unterstützung für die Weltwirtschaft zu gewähren", sagte ein Finanzexperte der Royal Bank of Canada, Brian Jackson. China wird dafür kritisiert, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um seinen Exporten einen Vorteil auf dem Weltmarkt zu verschaffen.
Merkel zeigt sich optimistisch
Merkel warnte in einem Interview mit der "Welt" vor Verzerrungen der Wechselkurse. Diese sollten die Lage einer Volkswirtschaft widerspiegeln. "Für mich steht fest, dass Verzerrungen der Wechselkurse den globalen Aufschwung schwächen", sagte Merkel. Eine Politik, die auf eine künstlich niedrig gehaltene Währung und damit verbundene Exportchancen setze, sei kurzsichtig und schade letztlich allen, warnte die Kanzlerin.
Zugleich verteidigte Merkel den deutschen Exportüberschuss. Leistungsbilanzen seien auch Leistungszeugnisse und das Ergebnis weltweiter Marktprozesse, sagte Merkel. "Unsere Exporterfolge belegen, wie wettbewerbsfähig deutsche Produkte sind", sagte Merkel. Merkel zeigte sich zuversichtlich, "dass wir im Kreis der G-20 auch die Diskussion über angemessene Wechselkurse sachlich und im Geist der Zusammenarbeit führen werden."
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