| 11.19 Uhr

Düsseldorfer Handelskonzern
Verdacht auf Insiderhandel bei der Metro

Metro: Verdacht auf Insiderhandel - Durchsuchungen in Düsseldorf
FOTO: Fotos: Barry-Callebaut, dpa. Grafik: C. Schnettler
Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft hat nach einer Anzeige der Finanzaufsicht die Metro-Zentrale durchsucht. Der Aufsichtsrats-Chef und ein Vorstand hatten vor der Aufspaltung viele Metro-Aktien gekauft. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. Von Antje Höning

Spitzenmanager des Handelskonzerns Metro stehen im Verdacht, Insiderwissen für eigene Aktiengeschäfte genutzt zu haben. Nach einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin rückte am Freitag die Staatsanwaltschaft in der Zentrale im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg an und durchsuchte mit der Polizei Büros. Der Verdacht richtet sich gegen Aufsichtsrats-Chef Jürgen Steinemann und Pieter Boone, Vorstand für das operative Geschäft der Metro AG. Ein Konzernsprecher bestätigte: "Polizei und Staatsanwaltschaft haben eine Durchsuchung in den Räumlichkeiten der Metro AG durchgeführt." Er versicherte: "Wir kooperieren mit den Ermittlungsbehörden in vollem Umfang."

Dabei geht es um Aktienkäufe, die Steinemann und Boone im Februar 2016 getätigt haben. So erwarb der Aufsichtsrats-Chef am 22. Februar 43.000 Metro-Aktien zum Preis von 23,39 Euro, wie aus der damaligen Pflichtmitteilung des Konzerns hervorgeht. Am 26. Februar 2016 kaufte demnach Vorstand Boone 2175 Metro-Aktien für je 22,92 Euro. Gut einen Monat später, am 30. März 2016, verkündete der Konzern seine Pläne, sich in zwei unabhängige Gesellschaften - die heutige Metro (Großhandelsgeschäft) und die Ceconomy (Elektronikmärkte) - aufzuspalten. Die Metro-Aktie reagierte mit einem Kurssprung, der auch die Metro-Spitzenkräfte reicher machte, zumindest auf dem Papier. Laut "Spiegel" wurde allein Steinemann dadurch um 172.250 Euro reicher.

Haben Steinemann und Boone bei ihren Aktienkäufen Insiderwissen genutzt und damit gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen? Und hat die Metro ihre Aktionäre und die Öffentlichkeit womöglich zu spät über die geplante Aufspaltung informiert?

Für Insiderhandel gibt es bis zu fünf Jahre Haft

Diese Fragen beschäftigen nun Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft. Die Sprecherin der Finanzaufsicht erklärte auf Anfrage: "Wir können bestätigen, dass wir im Zusammenhang mit der Aufspaltungsmeldung von Ende März 2016 kürzlich Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen des Verdachts des Insiderhandels und der Marktmanipulation in Aktien der Metro AG erstattet haben." Zum möglichen Strafmaß sagte sie: "Insiderhandel kann mit einer Geldstrafe oder Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden."

Der Konzern weist die Vorwürfe von Insiderhandel und Marktmanipulation zurück. "Die Metro AG hat die Nachricht von der beabsichtigten Aufspaltung des Unternehmens am 30. März 2016 pünktlich und unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften kommuniziert und ist dabei allen entsprechenden Pflichten nachgekommen." Weiter betonte der Metro-Sprecher: "Zu dem Zeitpunkt, zu dem Herr Steinemann und ein Vorstandsmitglied Aktien erworben haben, lag keine Insider-Information vor."

Insiderhandel ist schwierig nachzuweisen

Tatsächlich hatte es zu dem Zeitpunkt noch keinen Aufsichtsrats-Beschluss zur Aufspaltung gegeben. Der erfolgte erst im Herbst. Doch grundsätzlich reicht es für ein Einschreiten der Finanzaufsicht, wenn Pläne mit kursrelevantem Inhalt hinreichend konkret sind, um als Insiderwissen gewertet zu werden. Mit einem solchen Wissen dürften Manager nach dem Wertpapierhandelsgesetz keine Geschäfte mit den Aktien des eigenen Unternehmens tätigen. Die Schwierigkeit ist es, den Missbrauch von Insiderwissen zu erkennen und betroffenen Managern auch nachzuweisen.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nahm immerhin die Anzeige der Finanzaufsicht zum Anlass, die Razzia vorzunehmen. Das ist keineswegs Alltagsgeschäft. Die Staatsanwaltschaft wollte sich selbst nicht äußern.

Steinemann (59) ist seit 2015 Mitglied im Aufsichtsrat der Metro. Der Betriebswirt war zuvor unter anderem Chef des Schweizer Schokoladenkonzerns Barry Callebaut. Er sitzt noch heute in den Kontrollgremien des Kakao-Riesen und der Lonza Group. Pieter Boone (50) ist seit 2011 bei der Metro. Der niederländische Kaufmann ist für das Cash&Carry-Geschäft verantwortlich, aus dem die Metro einst hervorging.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Metro: Verdacht auf Insiderhandel - Durchsuchungen in Düsseldorf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.