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Ex-Arcandor- und Bertelsmann-Chef
Middelhoff ist nur noch Mythos

Arcandor-Insolvenz: Die wichtigsten Fragen
Arcandor-Insolvenz: Die wichtigsten Fragen FOTO: AP
Düsseldorf (RP). Der frühere Bertelsmann- und Arcandor-Chef soll mehrere Millionen Euro Beraterhonorar für wenige Monate kassiert haben. Sein Image, das in den vergangenen Jahren ohnehin schwer beschädigt wurde, leidet weiter. Von Georg Winters

Wann immer Thomas Middelhoff in den vergangenen Jahren in eine Kamera geschaut hat, schien ihm das Lächeln ins Gesicht gemeißelt. Als Chef von Bertelsmann hatte er zwischen 1998 und 2002 auch allen Grund dazu. Sein Abschied beim Gütersloher Medienkonzern wurde ihm noch millionenschwer versüßt. Beim Touristik- und Handelskonzern Arcandor versprühte Middelhoff noch Optimismus, als der Karren schon tief im Dreck steckte. Im Februar 2009 ging der gebürtige Düsseldorfer – mit einem Beratervertrag der Familiengesellschafter bei Sal.Oppenheim, die damals die Arcandor-Anteile hielten.

Trotzdem: Der Mann gilt als angeschlagen. Um Middelhoff rankte sich einst die Mär vom Wunderkind der deutschen Wirtschaft, aber davon ist nicht viel geblieben. Middelhoff ist in den Augen vieler mehr Mythos als Macher. "Seine Glaubwürdigkeit geht streng gegen Null", heißt es im Umfeld von Arcandor. Dass das Image so ramponiert ist, liegt daran, dass er es nicht geschafft hat, den gesamten Arcandor-Konzern zu sanieren, aber gesagt hat, er übergebe das Unternehmen "geordnet und aufgeräumt"; dass er unter den Verdacht geriet, die Interessen von Arcandor gegenüber dem Immobilienunternehmer Josef Esch nicht nachhaltig genug vertreten zu haben (was die Staatsanwaltschaft Bochum auf den Plan rief); dass sein Beratervertrag mit Teilen des Oppenheim-Imperiums im Juni des vergangenen Jahres nach der Arcandor-Insolvenz wieder aufgelöst wurde, er aber trotzdem mehrere Millionen Euro kassiert haben soll. Dies ist nicht bestätigt, und den Untreue-Verdacht bestreitet Middelhoff.

Früher war sein Ruf brillant. Der Manager sieht stets aus wie aus dem Ei gepellt, er redet freundlich, wirkt immer zuvorkommend. Manchem ist er zu glatt, aber er hat zunächst so viel Erfolg, dass er auf Sympathiepunkte verzichten kann. Bei Bertelsmann gilt der smarte Rheinländer als Held. Er ist ein Visionär, er kauft und verkauft, er baut RTL aus, er macht das Buchgeschäft durch den Kauf von Random House zum Weltmarktführer. Er scheffelt Geld für den Mediengiganten und bringt schillernden Glanz nach Ostwestfalen. Aber nach knapp vier Jahren schickt ihn der Patriarch Reinhard Mohn in die Wüste. Die beiden sollen sich nicht einig gewesen sein, ob weiteres Wachstum aus dem Cash Flow kommen oder Bertelsmann sich das Geld dafür an der Börse besorgen soll.

Middelhoffs Lack bekommt erste Kratzer. Aber er lässt sich davon nichts anmerken und wechselt zur Investmentfirma Investcorp. Dann ruft Madeleine Schickedanz. Ihr Konzern KarstadtQuelle schlingert, aber Middelhoff gelingt es weder als Aufsichtsrats- noch als Vorstandschef, das Ruder herumzureißen. Er verkauft Handelsimmobilien und feiert dies als großen Wurf, und er führt das Reiseunternehmen Thomas Cook in eine Großfusion. Aber er entwickelt niemals ein erfolgreiches Konzept dafür, wie man das Warenhausgeschäft von Karstadt zukunftsfähig machen oder die Krise im Versandhandel meistern kann.

Der angestrebte Börsengang der Arcandor-Tochter Neckermann klappt nicht. Sein Kursziel von "40 Euro plus x", das er einst ausgegeben hatte, bleibt eine Utopie. Am Ende ist Middelhoffs KarstadtQuelle- respektive Arcandor-Bilanz wenig ruhmreich. Zwischenzeitlich verkauft er auch SinnLeffers, Wehmeyer, Hertie – am Ende alles Fälle für den Insolvenzrichter.

Middelhoff hat nun gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" klar gesagt, dass er – anders als an manchen Stellen spekuliert wird – finanziell keine Probleme hat. bei den Krediten, mit denen er seinen eigenen Kauf von Esch-Fondsanteilen finanziert hatte, gibt es offenbar keine Probleme. Laut "Süddeutscher Zeitung" hat Middelhoff sogar die Versicherung für seinen Hund selbst bezahlt, ohne das Familiy Office in Anspruch zu nehmen. Die Zeiten ändern sich.

Quelle: RP
 
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