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Nach drei Quartalen tief rote Zahlen: Milliardendefizit in der Krankenversicherung

zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 16:23

Berlin (RPO). Schon wieder schlechte Nachrichten für Ulla Schmidt: Die gesetzlichen Krankenkassen haben bis Ende September rund 1,5 Milliarden Euro Defizit eingefahren. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Berlin am Dienstag mit.

Damit steht die Krankenversicherung trotz guter Konjunktur und Rekordeinnahmen kurz vor dem Start des Gesundheitsfonds deutlich schlechter da als noch vor einem Jahr. Dennoch rechnet das Ministerium zumindest mit einer Schwarzen Null zum Jahresende.

Denn im Ergebnis für die ersten drei Quartale sei noch nicht die zweite Tranche des Bundeszuschusses von 1,25 Milliarden Euro verbucht, die erst im November geflossen sei, erklärte das Haus von Ministerin Ulla Schmidt. Zudem seien zusätzliche Beitragsmehreinnahmen auf das Weihnachtsgeld zu erwarten.

Tatsächlich verzeichnet die Krankenversicherung regelmäßig zum Jahresende besonders hohe Einnahmen, die auch ein schlechtes Ergebnis nach drei Quartalen noch drehen können. Allerdings waren die Zwischenergebnisse in den vergangenen Jahren deutlich besser. So stand 2007 nach drei Quartalen ein Überschuss von 173 Millionen Euro zu Buche. 2006 gab es zwar auch ein Defizit, aber es lag nur bei 300 Millionen Euro.

Galoppierende Ausgaben

Dabei war die Einnahmesituation 2008 bislang so gut wie lange nicht. Insgesamt kamen 117,48 Milliarden Euro bei den Kassen an. Die Beitragseinnahmen stiegen in den ersten drei Quartalen je Mitglied um 2,8 Prozent. Dennoch hielten die Einnahmen nicht mit den galoppierenden Ausgaben Schritt. Diese wuchsen um 4,2 Prozent je Mitglied und erreichten 118,98 Milliarden Euro.

Spitzenreiter waren erneut die Arzneimittelausgaben, die um 5,1 Prozent zulegten - und zwar ohne die stark steigenden Ausgaben für Impfstoffe. Das Ministerium appellierte erneut an die Krankenkassen, alle Sparmöglichkeiten und auch die Kosten-Nutzen-Bewertung konsequent zu nutzen.

Auch die Krankenhausausgaben wuchsen mit 2,6 Prozent je Mitglied deutlich schneller als noch ein Jahr zuvor (plus 0,8 Prozent). Für die ambulante ärztliche Behandlung gaben die Krankenkassen je Mitglied 3,9 Prozent mehr aus, und zwar ohne Honorare für Früherkennungsuntersuchungen, die 14,8 Prozent Zuwachs verzeichneten. Das Ministerium wertete dies als Zeichen, dass die viel beklagte Honorarsituation der Ärzte sich bereits deutlich verbessert habe.

Die mit der jüngsten Gesundheitsreform ausgeweiteten Leistungen bei Schutzimpfungen und Mütter-Vater-Kind-Kuren weisen ebenfalls steile Steigerungsraten auf: plus 22,4 beziehungsweise plus 12,7 Prozent.

"Gesicherte Kalkulationsgrundlage"

Ab Januar wird das Kassensystem über den Gesundheitsfonds neu organisiert. Für alle Kassen gilt dann ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent einschließlich Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den der Versicherte selbst trägt. Das Geld der Beitragszahler fließt in den Fonds, der es in festen monatlichen Raten an die Kassen ausschüttet.

Das Ministerium betonte abermals, dass der künftige Einheitssatz bereits "die ungünstigeren gesamtwirtschaftlichen Perspektiven im Lichte der Finanzmarktkrise zugrunde gelegt" habe. "Für die gesetzliche Krankenversicherung ergeben sich daraus gesicherte Kalkulationsgrundlagen", hieß es weiter.

Quelle: AP

 
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