Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2005": Millionen Arbeitnehmer von Altersarmut bedroht
zuletzt aktualisiert: 21.11.2007 - 15:14Würzburg (RPO). Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind von Altersarmut bedroht. Grund: Sie sorgen bislang überhaupt nicht oder nur unzureichend privat für die Zeit nach dem Arbeitsleben vor. Dies geht aus der Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2005" hervor, die die Deutsche Rentenversicherung am Mittwoch in Würzburg vorlegte.
"Klar ist, dass zusätzlich vorgesorgt werden muss, um in Zukunft das Sicherungsniveau zu halten", sagte Renten-Präsident Herbert Rische. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnte vor absehbaren Armutsrisiken auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit.
Die 300 Seiten starke Studie legt in aufwendigen Modellrechnungen dar, wie sich die Alterseinkommen der heute 46- bis 50-Jährigen im Vergleich zu den heute 61- bis 65-Jährigen entwickeln wird. Aus den erfassten Daten geht hervor, dass 15 Prozent der westdeutschen Männer Ende 40 derzeit allein auf die gesetzliche Rente vertrauen. Von den ostdeutschen Männern haben rund 27 Prozent keine zusätzliche Vorsorge. Bei westdeutschen Frauen liegt die Quote bei 24 Prozent, bei ostdeutschen Frauen bei 18.
Wenn nicht mehr private Vorsorge betrieben werde, "wird das Risiko von Altersarmut drohender", sagte Rische. Dennoch wandte er sich dagegen, die Zusatzvorsorge zur Pflicht zu machen. "Ich bin nicht überzeugt von dem Obligatorium", sagte er. Dies würde wahrscheinlich dazu führen, dass es weniger staatliche Förderung gäbe.
Niveau für Männer sinkt
Auch mit privater Vorsorge werden sehr viele heutige Arbeitnehmer weniger haben als ihre Kollegen, die jetzt in den Ruhestand gehen. Westdeutsche Männer Ende 40 werden der Studie zufolge im Vergleich auch mit privater und betrieblicher Vorsorge künftig rund sechs Prozent niedrigere Alterseinkommen haben. Der Wert sinkt - gerechnet nach heutigem Geldwert - von 1.700 Euro im Durchschnitt auf 1.596 Euro.
Für ostdeutsche Männer wird eine Verringerung um zwei Prozent vorhergesagt, von 1.073 Euro auf 1.052 Euro. Bei westdeutschen Frauen steigen die Durchschnittswerte, weil in den jüngeren Jahrgängen mehr Frauen arbeiten, und zwar um acht Prozent von 788 auf 850 Euro im Durchschnitt. Das Einkommensniveau der ostdeutschen Frauen bleibt in etwa stabil - heute sind es 898, künftig 911 Euro.
Eingerechnet sind dabei nicht nur die Anwartschaften für die gesetzliche Rente, sondern auch betriebliche und private Vorsorge. Die gesetzliche Rente allein bleibt für westdeutsche Männer in etwa stabil; für westdeutsche Frauen verbessert sie sich auf niedrigem Niveau um acht Prozent. In Ostdeutschland sacken die Werte jedoch ab, um 15 Prozent für Männer und um 12 Prozent für Frauen.
Hintergrund ist die hohe Arbeitslosigkeit im Osten. Buntenbach, DGB-Vertreterin im Vorstand der Rentenversicherung, verwies auch auf die rasante Zunahme der "prekären Beschäftigung" in den neuen Ländern, also zum Beispiel Minijobs und Scheinselbstständigkeit. Zusammen mit der hohen Arbeitslosigkeit und den niedrigen Einkommen lasse dies auf Armutsgefahren schließen. "In diesem Bereich lassen sich jetzt schon Risiken absehen", sagte Buntenbach.
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