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Noch ein Telekom-Skandal: Millionen Datensätze geklaut - BKA alarmiert

zuletzt aktualisiert: 05.10.2008 - 11:13

Bonn (RPO). Riesiger Datenklau bei der Telekom: Unbekannte haben mehr als 17 Millionen Kundendaten in der Mobilfunksparte T-Mobile gestohlen, darunter Adressen, Geburtsdaten und Handy-Nummern. Auch Politiker und Prominente sind unter der Opfern. Das Bundesinnenministerium ist alarmiert und lässt das BKA Gefährdungsanalysen für betroffene Politiker erstellen.

Die Deutsche Telekom bestätigte am Samstag einen Bericht des "Spiegels" über den Diebstahl von 17 Millionen Mobilfunk-Datensätzen von Kunden. Die Daten sind den Angaben zufolge bereits im Jahr 2006 entwendet worden, die Telekom habe unmittelbar danach die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. In deren Ermittlungen wurde laut "Spiegel" auch das Bundeskriminalamt einbezogen.

Konzernsprecherin Marion Kessing bestätigte der AP auf Anfrage, dass das Unternehmen nach Bekanntwerden der "Spiegel"-Recherchen in der zu Ende gehenden Woche auch das Bundesinnenministerium eingeschaltet hat. Eine Sprecherin des Ministeriums teilte auf Anfrage mit, dass dieses daraufhin das Bundeskriminalamt beauftragt hat, Gefährdungsanalysen für von dem Datendiebstahl betroffene Politiker und Wirtschaftsführer zu erstellen.

Laut "Spiegel" wurden die über 17 Millionen Kundenstammdaten der Mobilfunksparte T-Mobile entwendet. Die dem Nachrichtenmagazin vorliegenden Datensätze seien bereits im Internet in kriminellen Kreisen angeboten worden. Die in dem Fall ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass seit der Anzeige vor zwei Jahren diverse Daten bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt wurden. Ihr Sprecher Fred Apostel sprach von konkreten Ermittlungen gegen Personen, die die Daten angeboten haben, seines Wissens aber noch nicht gegen die Datendiebe selbst.

Die Telekom-Sprecherin betonte jedoch, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Datensätze 2006 oder danach tatsächlich zum Nachteil der Kunden genutzt worden seien. Die gestohlenen Daten umfassten demnach Name, Anschrift und Mobilfunknummer der betroffenen Kunden, zum Teil auch Geburtsdaten und in einigen Fällen die E-Mail-Adresse. Dagegen seien keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten enthalten.

Laut "Spiegel" wurden die über 17 Millionen Kundenstammdaten der Mobilfunksparte T-Mobile entwendet. Die dem Nachrichtenmagazin vorliegenden Datensätze seien bereits im Internet in kriminellen Kreisen angeboten worden. Die in dem Fall ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft habe diverse Daten bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt. Bislang habe ein Täter ermittelt werden können. Auch die Telekom bestätigte, dass die Strafverfolgungsbehörden bereits Datenträger sichergestellt haben.

Offenbar auch Geheimnummern Prominenter betroffen

In den Daten finden sich der Vorabmeldung zufolge nicht nur viele Prominente aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine erstaunliche Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern, für die eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen eine Bedrohung ihrer Sicherheit darstellen würde.

Mit Rücksicht auf Daten- und Persönlichkeitsschutz wollte sich die Telekom-Sprecherin zu den Betroffenen nicht näher äußern. T-Mobile-Geschäftsführer Philipp Humm versicherte aber in einer Presseerklärung, dass das Unternehmen nach Bekanntwerden des Datendiebstahls die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht habe.

Die Telekom richtete unter der Telefonnummer 0800 330 034505 eine Hotline für Fragen ihrer Kunden zu dem Datenskandal ein. Diese könnten auf Wunsch auch kostenlos ihre Mobilfunknummer ändern lassen.

Zugriffsberechtigungen wurden weiter eingeschränkt

Zu den nach dem Datenklau verschärften Sicherheitsmaßnahmen gehöre, dass inzwischen komplexe Passwörter notwendig seien sowie die Zugriffsberechtigungen weiter eingeschränkt, die Zugriffe auf Kundendaten führender Datenbanken schärfer gemonitort und gespeichert sowie eine teilautomatisierte Überwachung der Sicherheit von Datenbank-Administration und Datenbank-Konfiguration entwickelt worden seien.

T-Mobile-Geschäftsführer Humm zeigte sich betroffen vom Ausmaß des Skandals. "Recherchen im Internet und in Datenbörsen ergaben über Monate keine Anhaltspunkte, dass die Daten im Schwarzmarkt weitergegeben oder angeboten wurden", heißt es in der Mitteilung. Deshalb sei der Konzern davon ausgegangen, dass keine Weitergabe der Daten erfolgte und diese bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt worden seien. Die Täter seien mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen.

Aufklärung gefordert

Angesichts der Affäre fordern Oppositionspolitiker rechtliche Konsequenzen. Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung müsse sofort zurückgenommen werden, erklärte der Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck in Berlin. Die Daten der Bürger seien bei der Deutschen Telekom nicht sicher. "Wo Datenberge entstehen, gibt es neben dem vorschriftsgemäßen Gebrauch den fahrlässigen und den vorsätzlich kriminellen Mißbrauch der Daten", erklärte Beck.

"Wir brauchen umgehend ein neues, restriktives Datenschutzrecht", erklärte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Dies sei Aufgabe des Bundestages. "Das Mindeste, was sofort zu erwarten wäre, ist, dass diese 17 Millionen Bürger davon in Kenntnis gesetzt werden." Der neue Fall von Datendiebstahl von 17 Millionen Kundendatensätzen zeigt mehr als deutlich, dass die Datensicherheit verbessert werden müsse, erklärte auch die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz. Kundendaten bräuchten größtmöglichen Schutz vor kriminellem Datenmissbrauch.

Quelle: afp

 
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