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Neue NRW-Pläne: Mit Meisterbrief studieren

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 - 19:22

Düsseldorf (RP). Nordrhein-Westfalen will interessierten Handwerksmeistern ein Studium jedweder Art an einer staatlichen Hochschule erlauben. Ab nächstem Wintersemester soll dies möglich sein.

Die Nachricht kam selbst für Kenner des Hochschulbetriebs unerwartet. Gleich zu Beginn seiner Pressekonferenz in Düsseldorf teilte Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gestern morgen eine wesentliche Neuerung mit: Ab dem Wintersemester 2010/2011 können Handwerksmeister, die nicht das Abitur haben, ein Studium ihrer Wahl aufnehmen. Bisher konnten sie sich zwar an der Fachhochschule (FH) auf der Basis ihrer beruflichen Bildung weiter qualifizieren, doch in Zukunft soll dies für alle Fächer auch an Universitäten gelten.

"Wer seine Ausbildung bis zum Meister geschafft hat, zeigt, dass er in hohem Maße motiviert ist ", so der Minister. Viele Handwerksmeister seien Bildungsaufsteiger ohne Abitur, die durchaus in der Lage sind, ein Studium erfolgreich zu absolvieren und dies mehr und mehr auch benötigen, wenn sie ihren Betrieb weiterentwickeln möchten.

Eine Friseurin, die Zahntechnikerin wird? "Dieser Fall wird wohl niemals eintreffen", glaubt Axel Fuhrmann, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf und zuständig für die Meisterausbildung. Besagte Friseurin werde wohl eher ein Designstudium anstreben. Ein Bäckermeister, der Mediziner werden will, sei ebenfalls eher unwahrscheinlich, wenngleich möglich. Vermutlich werde sich dieser für ein Studium der Lebensmitteltechnologie entscheiden; ein Elektromeister für ein Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen.

Mit einem Ansturm auf die Hochschulen rechnet Fuhrmann aber nicht. In den letzten Jahren seien es kaum mehr als eine "Handvoll" Meister gewesen, die sich an den FH weiterqualifiziert hätten. Dennoch sei er sehr froh, dass die Landesregierung jetzt endlich die Weichen für das Abitur-freie Studium gestellt hat.

Immerhin hat die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits im März vorigen Jahres einen entsprechenden Beschluss gefasst. "Was in anderen Ländern wie Niedersachsen und Bayern möglich ist, muss auch hier bei uns in Nordrhein-Westfalen möglich sein", so Fuhrmann.

Das Land will zügig handeln. Nach der noch ausstehenden Anhörung der Verbände werde voraussichtlich im April, also noch vor der Landtagswahl vom 9. Mai, eine Verordnung erlassen, mit der die Rahmenbedingungen für das Meister-Studium an allen staatlichen Hochschulen des Landes ab kommendem Wintersemester geregelt werden, erklärt André Zimmermann, Sprecher des Wissenschaftsministeriums.

Die Betonung liegt auf "allen" Fächern. Es spiele keine Rolle, ob ein Studienfach bundesweit zulassungsbeschränkt sei wie Medizin und Pharmazie oder ob eine lokale, nur für die einzelne Hochschule geltende Beschränkung vorliege. Noch nicht entschieden sei, nach welchen Kriterien Meister aus dem Kreis der übrigen Bewerber, für die in erster Linie die Abiturnote ausschlaggebend ist, ausgewählt und mit einem Studienplatz bedacht werden.

Was interessierte Handwerker und die Kammer freut, stößt beim Philologenverband auf großes Unverständnis. "Die geplante Neuregelung ist nicht vernünftig", so Verbandsvorsitzender Peter Silbernagel. Die Hochschulreife der übrigen Studienplatzbewerber werde dadurch entwertet, gibt er zu bedenken und vermutet, dahinter stecke das Bemühen der Landespolitik, die Studierendenquote unbedingt zu erhöhen: "Dann kann man die gesamte Berufsausbildung doch gleich als akademische Ausbildung definieren", kritisiert Silbernagel.

Felix Fuhrmann von der Handwerkskammer Düsseldorf kontert: "Die Lobbyisten des Bildungswesens tun sich schwer mit der Vorstellung, dass man auch ohne Abitur studieren kann." Aber man kann, und eine Hochschule kann mit Hilfe von Eingangstest durchaus feststellen, ob ein Bewerber geeignet ist.

Quelle: RP

 
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