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Nachfolgeregelungen und Streitereien
Monopoly bei Familienfirmen

Monopoly bei Familienfirmen
FOTO: Kühn Volker
Düsseldorf. Sie erwirtschaften Milliarden und sichern Jobs. Doch wenn Eigner von Familienclans sich streiten, steht alles auf dem Spiel. Von Erben, Egos und Eitelkeiten. Von Reinhard Kowalewsky

Sie gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft, als Basis für Wohlstand und Beschäftigung: die Familienunternehmen. Klare Strukturen und kurze Entscheidungswege gehören zu ihren großen Vorteilen. So wurde BMW, mehrheitlich von der Familie Quandt dominiert, zum erfolgreichsten Autobauer des Landes, so schaffte die Otto-Gruppe den Übergang ins Online-Zeitalter besser als andere Katalogversender.

Voraussetzung dafür sind Einigkeit innerhalb der Familie und gute Unternehmensführung. Andernfalls kann die Familienfirma schnell zur Familienfalle werden – mit gefährlichen Folgen. So wäre Porsche im Kampf um die Vorherrschaft bei VW beinahe untergegangen. Hintergrund des waghalsigen Übernahmeversuchs war auch ein Streit zwischen den Porsche-Erben Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche. Heute ist Porsche VW-Anhängsel.

Bei Bahlsen führte ein Zerwürfnis sogar zur Zerschlagung: Die Nachkommen des Firmengründers zerstritten sich in den 90er-Jahren derart, dass sie sich trennen mussten. Werner Michael Bahlsen bekam das Gebäckgeschäft mit dem Leibniz-Keks, sein Bruder die Snacksparte, die er nach seinem Vornamen in Lorenz umbenannte, Schwager Gisbert das Immobiliengeschäft.

Die Aldi-Gründer teilten den Discounter gleich

Streitigkeiten innerhalb des Clans können Familienunternehmen schwächen. Die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht ahnten das schon vor Jahrzehnten – und teilten Deutschlands größten Discounter in Aldi Nord und Aldi Süd. Streit um Führungsfragen sollte so ausgeschlossen sein. Doch dann hinterließ Theos Sohn Berthold Albrecht ein nicht widerspruchsfreies Erbe: Einerseits erbten seine fünf Kinder seine Anteile an Aldi Nord, andererseits stimmte er kurz vor seinem Tod 2012 einer Satzungsänderung zu, die den Einfluss der eigenen Nachkommen reduzierte.

Seither streiten Bertholds Erben und sein Bruder Theo Albrecht junior vor Gericht über die Macht. Der wahre Hintergrund dürfte jedoch das schlechte Verhältnis Theos zu Babette sein, der Witwe seines Bruders. Babette pflege einen zu großzügigen Lebensstil, klagte Theo Albrecht junior – seltsamerweise hatte sein verstorbener Bruder zu Lebzeiten für mehr als 100 Millionen Euro Kunstwerke und Oldtimer gekauft, ohne dass dies kritisiert wurde.

Immer wieder stehen persönliche Konflikte und Eitelkeiten der Eigner den Familienfirmen im Weg. "Da wird viel gemenschelt", sagt die Düsseldorfer Unternehmensberaterin Kirsten Schubert, die einst von ihrem Vater ein großes Unternehmen erbte, sich dann aber mit dem Testamentsvollstrecker auseinandersetzen musste. In einem Buch über Unternehmenserbschaften schreibt sie: "Eine gute und ehrliche Kommunikation innerhalb der Familie ist am wichtigsten." Der frühere "Capital"-Chefredakteur Klaus Schweinsberg meint zu den Familienkriegen: "Es fehlt zu oft professionelle Distanz. Die Beteiligten müssen sich besser beraten lassen."

Wenn sich Gründer an die Macht klammern

Eines der größten Probleme ist, dass sich die Gründer an die Macht klammern. Den Untergang der Drogeriekette Schlecker vor vier Jahren führen Branchenkenner auch auf die fast uneingeschränkte Dominanz von Firmengründer Anton Schlecker zurück. Ganz ähnlich sieht es bei einem früheren Konkurrenten aus: Formell hat Erwin Müller die Leitung der Drogeriekette zwar abgegeben. Faktisch führt er sie jedoch weiter – mit 84.

Zwischen ihm und Sohn Reinhard gab es immer wieder Streit; einem früheren Einkaufschef kündigte der Senior Medienberichten zufolge achtmal, ein anderer Geschäftsführer verließ Müller nach wenigen Monaten. Nun versucht Reinhard Müller, eine Lösung zu finden und dem Beirat mehr Kompetenzen zu geben.

Ein weiterer Fall, der zeigt, wie es nicht laufen sollte, ist die Schlachthausgruppe Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Auch hier kämpfen zwei Verwandte um die Nachfolge des Gründers Bernd Tönnies: sein jüngerer Bruder Clemens, 60, auch bekannt als Aufsichtsratschef von Schalke 04, und Robert, der 22 Jahre jüngere Sohn des Verstorbenen. Beide verfügen über je die Hälfte der Firmenanteile. Robert fordert jedoch vor Gericht einen Fünf-Prozent-Anteil zurück, den Clemens Tönnies einst geschenkt bekam. Der Kleinkrieg behindert die Firmenentwicklung. "In dieses Unternehmen sind schwer neue Topmanager zu locken", sagt ein Personalberater, "niemand weiß ja, wer in zwei oder drei Jahren das Sagen hat."

BMW, Haniel und Henkel: Vorstandschef nicht aus der Familie

Bei Dr. Oetker hinterließ Patriarch Rudolf-August Oetker acht Kinder aus drei Ehen. Seit seinem Tod 2007 streiten sie, wer wie viel zu sagen hat. Ende des Jahres tritt Vorstandschef Richard Oetker voraussichtlich ab. Die Nachfolgesuche ist schwierig. Der neue Konzernchef dürfte von außen kommen, vermuten Kenner –wahrscheinlich die beste Lösung.

Bei BMW, Haniel und Henkel gilt die Tradition, dass der Vorstandschef nicht aus der Familie kommen soll. Das hilft, Streit zu vermeiden.

Quelle: RP
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