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Monsanto-Übernahme
Bayer will Angebot und Ausfallprämie weiter erhöhen

Monsanto: Bayer will Angebot und Ausfallprämie weiter erhöhen
Am Mittwoch vormittag kommt in Leverkusen der Aufsichtsrat zusammen, um über die Übernahme zu beraten. FOTO: afp, PST
Exklusiv | Düsseldorf. Mittwoch Vormittag kommt in Leverkusen der Aufsichtsrat der Bayer AG zusammen. Dort will Konzern-Chef Werner Baumann seine 20 Kontrolleure über den Stand der Verhandlungen mit dem umstrittenen US-Konzern unterrichten und sich grünes Licht für das finale Angebot holen.

Zuletzt hatte Bayer offiziell 127,50 Dollar je Monsanto-Aktie geboten. Dafür hatte Monsanto den Deutschen tiefe Einblicke in die Bücher gewährt. Wie erwartet habe Bayer in den Verhandlungen der vergangenen Tage aber noch etwas drauflegen müssen, hieß es am Dienstag in Kreisen des Bayer-Konzerns. Man wolle nun bei rund 129 Dollar handelseinig werden. Um die Übernahme freundlich zu Ende zu bringen, seien möglicherweise 130 Dollar nötig, hatte unsere Redaktion schon vor einer Woche aus Konzernkreisen erfahren.

Damit müssen die Deutschen eine Übernahme von fast 60 Milliarden Euro stemmen. Um den Amerikanern entgegen zu kommen, die gerne mehr als 130 Dollar je Aktie gesehen hätten, habe Bayer zudem die Ausfallprämie auf über drei Milliarden Dollar erhöht, hieß es in Leverkusen weiter.

"Eine Einigung ist mit den Händen greifbar"

Bislang hatte Bayer Monsanto 1,5 Milliarden Dollar für den Fall geboten, dass die Kartellämter die Fusion nicht genehmigen. Solchen Zahlungen ("Antitrust Break Fee") sind üblich, um dem übernommenen Konzern das Risiko abzunehmen, dass der Deal an Behörden scheitert. "Das kommentieren wir nicht", sagte ein Bayer-Sprecher.

Das Board von Monsanto kam bereits am Dienstag zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Monsanto-Chef Hugh Grant will die Fusion grundsätzlich, um Monsanto beim Pflanzenschutz und in Europa zu stärken. Zudem sind ihm andere Fusions-Möglichkeiten mittlerweile abhanden gekommen. "Eine Einigung ist mit den Händen greifbar", sagte ein Insider.

Baumann weiß, dass er seinem Konzern einen finanziellen Kraftakt zumutet. Bayer will den Kaufpreis zu einem Viertel mit einer Kapitalerhöhung (wie der Ausgabe neuer Aktien) finanzieren, der Rest kommt als Kredit von den Banken. Baumann hat sich eine Kreditlinie von 70 Milliarden Euro gesichert. Schon jetzt werde im Pharma-Bereich jeder Euro dreimal umgedreht, um das Geld zusammenzuhalten, heißt es. Das sehen Pharma-Mitarbeiter mit Sorge.

Bayer-Aktie schloss bei 93,30 Euro, Papiere von Monsanto stiegen zeitweise leicht auf 107 Dollar 

Doch Baumann und sein Aufsichtsrats-Chef Werner Wenning seien so sehr von der industriellen Logik des Deals überzeugt, dass er nicht an ein, zwei Dollar je Aktie scheitern solle. Hintergrund sind Sorgen, dass ein Pharma-Konkurrent die absehbare Schwäche von Bayers Pillen-Sparte nutzen könnte, um die Leverkusener zu übernehmen. Um das zu verhindern, wollen die beiden Manager den Pflanzenschutz zum zweiten starken Standbein ausbauen. Zudem hat Baumann, im Mai erst ins Amt gekommen, die Übernahme eng mit seiner Person verknüpft.

Monsanto hat als Hersteller von Glyphosat und Fast-Monopolist bei Gen-Saatgut zwar einen denkbar schlechten Ruf. Doch in der aktuellen Schwächephase der Agrochemie und den überaus günstigen Finanzierungsbedingungen (Minizinsen) ist die Gelegenheit günstig. "Das war langfristig überlegt und geschickt gemacht, ein echter Wenning", heißt es anerkennend in der Branche.

Die Bayer-Aktie schloss Dienstag bei 93,30 Euro. Die Papiere von Monsanto stiegen zeitweise leicht auf 107 Dollar – das ist immer noch deutlich weniger als der von Bayer gebotene Preis.

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