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Über zehn Prozent des Umsatzes im Internet erzielt: Musikindustrie profitiert von Musikdownloads

zuletzt aktualisiert: 25.12.2009 - 12:36

Hamburg (RPO). Die deutsche Musikindustrie wird im laufenden Jahr zum ersten Mal mehr als zehn Prozent des gesamten Umsatzes mit dem Onlinegeschäft erzielen. Dazu gehören neben Musikdownloads auch Einnahmen aus Lizenzen beispielsweise bei Games oder Youtube.

"Der Digitalanteil wird in diesem Jahr erstmals zweistellig sein", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, Stefan Michalk, der Nachrichtenagentur DAPD. Das Onlinegeschäft ist 2009 trotz der Wirtschaftskrise weiter rasant gewachsen und legte laut Verband um 20 bis 30 Prozent zu. Nach unbestätigten Schätzungen könnte der Online-Umsatz mit Musik damit im laufenden Jahr bei rund 150 Millionen Euro liegen.

Die deutsche Musikindustrie sieht im internationalen Vergleich noch enorme Entwicklungsmöglichkeiten für den Absatz über das Internet: In den USA liegt der Anteil der Musikdownloads bei über 30 Prozent, in Deutschland bei den genannten 10 Prozent. Das hänge aber auch damit zusammen, dass der physische Markt in den USA viel stärker zurückgegangen sei, so Michalk. Damit bleibt das Rückgrat der heimischen Musikfirmen die CD, deren Absatz stabil bei 140 bis 150 Millionen Stück pro Jahr liegt. Zum Onlinegeschäft zählt die Industrie nur die Downloads, nicht aber online gekaufte CDs.

Im Gesamtumsatz rechnet der Bundesverband Musikindustrie 2009 erneut mit einem leichten Minus, nachdem im Jahr 2008 ein Umsatz von 1,575 Milliarden Euro eingefahren worden war. Verbandsgeschäftsführer Michalk bekräftigte die aufgrund einer GfK-Prognose erstellte Vorhersage, wonach der deutsche Musikmarkt ab 2013 die Wende zum Wachstum schaffen wird. Das Digitalgeschäft soll dann 20 Prozent ausmachen.

Branche fordert von Bundesregierung entschlossenes Vorgehen

Die größte Gefahr für die Musikbranche und der Hauptgrund für den seit Jahren anhaltenden Umsatzrückgang ist aber weiter die Musikpiraterie, sagte Verbandsgeschäftsführer Michalk. 2008 wurden 316 Millionen Songs in Deutschland illegal aus dem Internet geladen, für 2009 liegen noch keine Zahlen vor. Allerdings zeigt ein Konzept aus Aufklärung, Abschreckung und Abmahnung laut Michalk Erfolge: So sei die Zahl illegaler Downloads von über 600 Millionen im Jahr 2003 zurückgegangen.

Zufrieden äußerte sich Michalk darüber, dass im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung das Problem des Diebstahls geistigen Eigentums angesprochen wird. "Die Bundesregierung schaut sich jetzt an, was im Ausland passiert, etwa in Frankreich. Ein spezielle deutsches Problem ist dabei der Datenschutz", sagte Michalk.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy will Frankreich zum Vorreiter im Kampf gegen das illegale Herunterladen von Musik und Filmen im Internet machen. Dazu soll eine unabhängige Behörde Hadopi (Haute autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur Internet) geschaffen werden, die hartnäckige Internetpiraten mit Zustimmung eines Richters bis zu einem Jahr aus dem Netz aussperren könnte und ihnen bis zu 300.000 Euro Geldstrafe aufbrummen. Laut Michalk geht auch das frühere Internet-Piratenparadies Schweden neuerdings schärfer gegen Raubkopierer vor. Daraufhin sei der legale Musikabsatz dort um 17 Prozent gestiegen.

Raubkopierer sollen Warnung bekommen

Die deutsche Musikindustrie wünscht sich von der Bundesregierung einen ähnlich energischen Einsatz gegeben Raubkopierer, wobei der konkrete Weg dazu noch offen ist. "Wir wünschen uns ein Warnmodell, das mit Sanktionen verbunden ist", sagte Michalk. Der Versand von Warnhinweisen an die Ripper sei "der effizienteste Weg", das zeigten Erfahrungen aus Frankreich und Großbritannien. Datenschutz dürfe dabei "nicht zur Tarnkappe im Netz" werden, sagte er.

Die Musikindustrie selbst geht schon jetzt rechtlich auf zwei Wegen gegen Raubkopierer vor: Illegale Downloader werden bei den Staatsanwaltschaften angezeigt. Neuerdings können die Firmen aber auch zivilrechtlich Kopierer zu fassen bekommen. Musikfirmen dürfen sich über Internetprovider die Adressen von Musikpiraten beschaffen und gegen diese vorgehen. "Dabei kommen schnell Kosten von 600 bis 1.000 Euro zusammen, sagte Michalk. Zahlen müssen das die Musikpiraten. "Das funktioniert", sagte Michalk über die Abschreckungswirkung des Modells.

Quelle: apd/rm

 
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