HSH Nordbank-Bespitzelungsaffäre: Nachfolger für Nonnenmacher bis Ende 2010
zuletzt aktualisiert: 19.11.2010 - 20:16Hamburg (RPO). Der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Hilmar Kopper, will bis Ende des Jahres einen Nachfolger für Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher gefunden haben. Wie Kopper am Freitag in Frankfurt am Main weiter sagte, wird nach einem Manager von außerhalb gesucht. Es gebe mehrere Kandidaten, die Suche verlaufe gut.
Nonnenmacher selbst hat sich mit dem Verlust seiner Position abgefunden. Er habe "zur Kenntnis genommen", dass die Hauptaktionäre "einen Wechsel an der Spitze wünschen", sagte er schon am Donnerstag. Er werde aber "bis zum letzten Arbeitstag" mit voller Kraft für die Bank eintreten.
Nachfolger am 2. Dezember
Bespitzelungsvorwürfe innerhalb und außerhalb der Bank hatten Nonnenmacher den Job gekostet: Die Landesregierungen der Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein haben Kopper aufgefordert, die Trennung von Nonnenmacher einzuleiten und bei der Aufsichtsratssitzung am 2. Dezember einen Nachfolger zu bestellen. Der HSH-Chef war wegen der Bespitzelungsvorwürfe in die Kritik geraten und hatte das Vertrauen der Landesregierungen verloren.
Offen ist noch, wie die Trennung von Nonnenmacher ablaufen wird: Die Länder wollen eine Abfindung vermeiden. Der Vertrag Nonnenmachers läuft aber noch zwei Jahre, was ihm Millionenbezüge zusichern würde. Konkrete Verfehlungen konnten dem 47 Jahre alten Manager bisher nicht nachgewiesen werden, obwohl die Staatsanwaltschaft schon lange ermittelt.
58 Portale überwacht
Während die Suche nach einem Nachfolger für Nonnenmacher angelaufen ist, kommen immer mehr Details von Überwachungsaktionen im Auftrag der Bank ans Tageslicht. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat das Sicherheitsunternehmen Prevent verdeckt 58 Internet-Plattformen kontrolliert, Zeitungen, TV und Radio umfassend überwacht wie auch zwei Parlamentarische Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Kiel. Prevent stellte der Bank laut "SZ" dafür 2.000 Euro pro Mitarbeiter und Tag in Rechnung. Auch Pressemitteilungen der Fraktionen in Kiel und Hamburg und der Hamburger Regierung seien verfolgt worden.
Ein Banksprecher erklärte dazu am Freitag auf Nachfrage, die verschiedenen Aktivitäten hätten "im Ermessen von Prevent" gestanden. Was man getan habe, sei nicht illegal gewesen. Niemand sei bespitzelt worden.
Prevent hat laut Zeitungsbericht "wie bei Geheimdiensten üblich" ein Meldesystem für mögliche Sicherheitsgefahren entwickelt, die aus der flächendeckenden Überwachung gewonnen werden sollten. Die ganze Überwachungsaktion habe laut Prevent dazu gedient, Sicherheitsrisiken für die Bank oder Mitarbeiter herauszufiltern. Insgesamt solle Prevent mehr als 7 Millionen Euro für diverse Dienstleistungen sowie Schutzdienstleistungen erhalten haben, schreibt das Blatt.
Im dritten Quartal erzielte die Bank einen Nettogewinn von 134 Millionen Euro. Nach den ersten neun Monaten lag der Nettoverlust damit noch bei 246 Millionen Euro, nach einem Minus von 873 Millionen Euro vor einem Jahr. Nonnenmacher erklärte, er sei sicher, "dass die HSH Nordbank im Jahr 2011 in die Gewinnzone zurückkehren wird".
Die Bank war 2008 nach riskanten Geschäften im Zuge der Finanzkrise tief in die roten Zahlen geraten. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein mussten mit 3 Milliarden Euro Eigenkapital und einer Garantie von 10 Milliarden Euro einspringen. Die HSH will ab 2011 die staatlichen Garantiesummen zurückgeben.
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