| 18.11 Uhr

Neue Maßnahmen von Chinas Notenbank
Europas Börsen wieder im Plus

Die größten Dax-Tagesverluste
Die größten Dax-Tagesverluste FOTO: AP
Paris. Nach Konjunkturspritzen der chinesischen Zentralbank haben die europäischen Börsen ihre Verluste vom Vortag weitgehend wettgemacht.

Die Notenbank in Peking senkte am Dienstag die wichtigsten Leitzinsen und den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Der Dax legte fast fünf Prozent zu, an der Börse in Shanghai setzte sich das Debakel nach dem schwarzen Montag dennoch fort.

Der Leitindex Shanghai Composite ging am Dienstag mit einem Minus von 7,63 Prozent aus dem Handel, nachdem er am Vortag mit minus 8,49 Prozent geschlossen hatte. Die Börse in Shenzhen gab um 7,09 Prozent nach. Auch die Börse in Tokio ging mit knapp minus vier Prozent aus dem Handel und erreichte damit ein Sechs-Monats-Tief.

Nach Börsenschluss kündigte Chinas Notenbank auf ihrer Website an, die Zinsen für Einlagen und Kredite jeweils um 0,25 Prozentpunkte zu senken. Der Zins für Einlagen bei der Zentralbank beträgt nun 1,75 Prozent, der für Kredite 4,60 Prozent. Gleichzeitig senkte die Notenbank den Mindestreservesatz - das Kapital, das Geschäftsbanken bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Dieser Schritt kommt einer umfangreichen Geldspritze für die Wirtschaft gleich, weil mehr Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung steht.

Lexikon: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z FOTO: dpa, Fredrik Von Erichsen

Chinas Wachstumsrate bleibe "unter Druck", erklärte die Notenbank. Die jüngsten Maßnahmen sollten die Realwirtschaft dabei "unterstützen, sich weiter gut zu entwickeln". Die neuen geldpolitischen Maßnahmen waren angesichts der negativen Konjunkturdaten allgemein erwartet worden, um die Investoren zu beruhigen.

Die europäischen Börsen, die nach den starken Verlusten vom Vortag schon zu Handelsbeginn etwas Boden gutmachten, legten nach der Ankündigung der Zentralbank weiter zu: Der Deutsche Aktienindex (Dax) schaffte es mittags wieder über die 10.000-Punkte-Marke und schloss 4,97 Prozent im Plus. Auch an den Börsen in Paris, London und Mailand legten die Aktienkurse deutlich zu. Zum Start des Börsentages in den USA drehten der Dow Jones und der Technologieindex Nasdaq ebenfalls ins Plus.

Chinas Konjunktur sorgt seit Längerem weltweit für Besorgnis. Das Land hatte 2014 mit 7,4 Prozent das schwächste Wirtschaftswachstum seit 1990 verzeichnet. Für das laufende Jahr geht Peking von einem Plus von etwa sieben Prozent aus, Beobachter fürchten aber, dass dies nicht erreicht wird. Die chinesische Zentralbank bemüht sich mit zahlreichen Maßnahmen um ein Ankurbeln der Konjunktur, von Leitzinssenkungen über Geldspritzen für die Banken bis hin zur Abwertung des Yuan.

Die Sorgen wegen China seien "sicher berechtigt", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Jena. "Das ist schon mehr als das Platzen einer Blase." Die Folgen für die deutsche Wirtschaft seien allerdings begrenzt. "Der Anteil Chinas an den Exporten Deutschlands liegt bei acht Prozent, der Anteil Europas über 40 Prozent." Ein großer Anteil des deutschen Exports gehe in die Länder der Eurozone. Frankreichs Präsident François Hollande zeigte sich "zuversichtlich", dass China die Finanzkrise überwinden werde. Er vertraue den chinesischen Behörden, sagte er in Paris.

(AFP)
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