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Krankenkasse spart 500 Millionen Euro: Neue Rabattliste der AOK

VON ANTJE HÖNING UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 30.05.2009 - 14:26

(RP). Die AOK will durch neue Rabattverträge mit der Pharmaindustrie bundesweit 500 Millionen Euro jährlich einsparen. Die Versicherten müssen sich auf neue Tabletten und Packungen einstellen. Die Apotheken sehen großen Beratungsbedarf.

Die AOK hat ab dem 1. Juni neue Rabattlisten ausgehandelt.  Foto: RPO
Die AOK hat ab dem 1. Juni neue Rabattlisten ausgehandelt. Foto: RPO

Ab Dienstag geben die Apotheken an AOK-Versicherte für 63 gängige Wirkstoffe neue Packungen und Tabletten aus. Die AOK hat dafür bundesweit 315 Einzelverträge mit 22 Bietern geschlossen. Die Rabattverträge gelten zwei Jahre. 2011 ist die nächste große Umstellung für die Patienten in Sicht.

Ältere Menschen, die wegen mehrerer Erkrankungen verschiedene Arzneien nehmen müssen, treffen die neuen Rabattverträge der AOK besonders. Wer sich gerade gemerkt hat, wann er die blaue und wann die weiße Pille nehmen muss oder dass zwischen Einnahme der runden und der eckigen Tablette mindestens vier Stunden liegen sollen, muss nun umlernen.

Alle großen Volkskrankheiten sind von den rabattierten Medikamenten betroffen: Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Diabetes, Magenbeschwerden und Sodbrennen, erhöhte Blutfettwerte sowie Schmerzzustände. Auch Depressionen, Schizophrenie und Parkinson werden mit Mitteln aus der AOK-Rabattliste bekämpft.

Der ökonomische Vorteil aus Sicht der AOK: Allein die AOK Rheinland/Hamburg spart nach Angaben ihres Vorsitzenden Wilfried Jacobs jährlich 50 Millionen Euro. Bundesweit sind es 500 Millionen Euro. Der Kassenchef erwartet nicht, dass es größere Probleme gibt. Falls das rabattierte Arzneimittel einmal nicht lieferbar sei, könne der Apotheker zumindest in den ersten drei Monaten auch ein anderes Mittel abgeben, sagte Jacobs unserer Redaktion.

In Härtefällen können alte Präparate weiter genutzt werden

In Härtefällen, beispielsweise wenn ein Versicherter fünf und mehr verschiedenen Wirkstoffe nehmen muss, bei denen die Anbieter wechseln, könnten die alten Präparate weiter genutzt werden, erklärte ein AOK-Sprecher. Auch schwer krebskranke Menschen könnten von einer Umstellung verschont bleiben.

Der Vorsitzende des Apotheker-Verbandes Nordrhein, Thomas Preis, sieht die Apotheken auf die Umstellung gut vorbereitet. "Wir werden in den ersten Tagen einen enorm hohen Beratungsbedarf haben, zumal auch das Quartal neu beginnt", betonte Preis. Die Apotheken stünden aber in engem Dialog mit der AOK, um jedem Versicherten individuell gerecht zu werden.

Bei den Gesundheitsexperten sind die Auswirkungen der Tabletten- und Verpackungswechsel umstritten. Nach einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hatten bei vorherigen Umstellungen ein Viertel der Versicherten Schwierigkeiten.

Umstellung stört Patientenvertrauen

Der Hersteller-Verband Pro Generika sieht den Therapieerfolg durch neue Tabletten in Gefahr: "Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Wirkung von Arzneimitteln zu einem erheblichen Teil davon abhängt, ob die Menschen ihnen vertrauen", sagte Geschäftsführer Peter Schmidt. Jede erzwungene Umstellung störe dieses Vertrauen erheblich. Schmidt fügte hinzu: "Es besteht die Gefahr, dass die Therapietreue der Patienten, die schon jetzt vielfach unzulänglich ist, weiter sinkt."

Quelle: RP

 
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