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Umbau des Dax-Konzerns: Neuer Ärger bei ThyssenKrupp

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009 - 09:54

Düsseldorf (RP). Beim Umbau des Dax-Konzerns kündigt das Management die Kompromisslinie mit den Mitarbeitern auf. Hintergrund: Berthold Beitz will mit einer strafferen Führung die Dividende für die Krupp-Stiftung sichern.

Die Luftaufnahme zeigt das ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg. Der Konzern kämpft gegen die schwerste Krise seiner Konzerngeschichte an.  Foto: AP, AP
Die Luftaufnahme zeigt das ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg. Der Konzern kämpft gegen die schwerste Krise seiner Konzerngeschichte an. Foto: AP, AP

Der Chef des Konzernbetriebsrates spricht von einem "Eklat". Das Management von ThyssenKrupp möchte sich öffentlich gar nicht erst äußern. Es muss ordentlich geraucht haben in der 20. Etage des Düsseldorfer Dreischeibenhauses, wo Top-Management und Arbeitnehmer-Spitze am Donnerstagabend aneinandergeraten sind.

Es ging – mal wieder – um den Konzernumbau, mit dem der Stahl- und Mischkonzern auf die Wirtschaftskrise und die dramatisch eingebrochene Stahlnachfrage reagieren will. Offenbar hat das Management seine Pläne für den ohnehin radikalen Umbau noch verschärft. Die Arbeitnehmer fürchten jetzt um Tausende Stellen.

"Die haben unsere gerade erst vier Wochen alte Verabredung gekündigt", empörte sich Thomas Schlenz gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Chef des Konzernbetriebsrates vertritt er weltweit 200 000 Thyssen-Mitarbeiter. Am 27. März konnte das Management ein Zerwürfnis mit den Mitarbeitern im Aufsichtsrat noch abwenden. Der Kompromiss bestand in der Zustimmung der Führungsspitze zu dem Versuch, im Rahmen des Umbaus auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, die Einkommen der Beschäftigten nicht zu verschlechtern und die Mitbestimmung bei ThyssenKrupp nicht einzuschränken.

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Kommentar: Stahlkrise erfordert drastische Schritte
Das Ausmaß der aktuellen Stahlkrise zeigt ein Vergleich. Ihre letzte schwere Krise machte die Branche Anfang der 1990er Jahre durch. Damals sank die globale Stahlproduktion um zehn Prozent, was in Deutschland binnen zwei Jahren zum Abbau von 60 000 Arbeitsplätzen geführt hat. In diesem Jahr wird die deutsche Rohstahlproduktion nach Berechnungen des RWI um 30 Prozent sinken. Fast alle Produzenten machen Verluste. Anzeichen für eine baldige Erholung sind nicht erkennbar. Eine solche Situation hat es noch nie gegeben. Selbst ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz, der zu den erfahrensten Stahlmanagern der Welt gehört, muss dieses Desaster ratlos machen. Die Radikalität, mit der er den Konzern jetzt umbauen will, zeigt nicht, dass der bislang auch von seinen Mitarbeitern sehr geachtete Manager plötzlich über Leichen geht. Sie zeigt, wie dramatisch die Lage ist.

Anders als bisher will der Vorstand die fünf Thyssen-Krupp-Sparten nun aber doch nicht in zwei Divisionen bündeln, sondern selbst führen. "Die angekündigten Divisionen sollen zu leeren Hüllen ohne rechtliche Eigenständigkeit werden", berichtet Schlenz von dem Treffen. Außerdem sei Konzernchef Ekkehard Schulz von bisherigen Äußerungen zur Beschäftigungssicherung abgerückt.

Dass nach den fünf Konzernsparten nun auch die beiden Zwischenholdings geschleift werden sollen, passt den Arbeitnehmern nicht. Sie werten das als Angriff auf ihre Mitbestimmung: Die Zwischenholdings hätten – wie bisher die Sparten – jeweils einen eigenen Aufsichtsrat und eine eigene Arbeitnehmervertretung gehabt. Die würden entfallen, wenn alle ThyssenKrupp-Geschäftsbereiche mit der Holding verschmolzen würden. Schlenz nennt das einen "Kulturbruch" in der konsensorientierten Mitbestimmungstradition von ThyssenKrupp und kündigte "entschiedenen Widerstand" gegen die Pläne an. Das Instrument des Streiks steht ihm derzeit allerdings kaum zur Verfügung: Die Konzernspitze hat selbst bereits zehntausendfach Kurzarbeit verfügt. Aber die Arbeitnehmer wollen den Umbau jetzt über ihren Widerstand in den Aufsichtsräten der Noch-Sparten blockieren und planen neue Massenproteste.

Beobachtern zufolge hat der mächtigste ThyssenKrupp-Aktionär, Berthold Beitz, auf die radikale Form des Konzernumbaus gedrängt. In Krisenzeiten, so soll Beitz gesagt haben, müsse der Konzern straff vom Vorstand geführt werden. Während die Sparten-Chefs bislang große operative Freiheiten hatten, rückt die neue Konzernstruktur Geldströme und Kostenrelationen in den Mittelpunkt. Das Controlling soll offenbar zentrales Steuerungsinstrument werden. Der neue Finanzvorstand von ThyssenKrupp, Alan Hippe, hat sich zuvor bei Continental einen Ruf als harter Controller erarbeitet. Beitz, so heißt es, will mit dem straffen Controlling die künftige Ausschüttung der bei ThyssenKrupp vergleichsweise hohen Dividende an die Krupp-Stiftung sichern.

Quelle: RP

 
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