| 12.38 Uhr

Niki-Insolvenz
Urlauber sitzen fest - Airlines bieten freie Plätze an

Airline Niki nach geplatztem Lufthansa-Deal pleite
Frankfurt/Berlin. Der Ferienflieger Niki hat über Nacht seinen Flugbetrieb eingestellt. Tausende Passagiere müssen aus dem Ausland zurückgeholt werden. Deutsche Airlines bieten ihre Hilfe an - soweit noch Sitzplätze verfügbar sind.

Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft in Berlin. Berechnet werde eine Art Aufwandsentschädigung. Für Pauschalreisende seien die Reiseveranstalter verantwortlich.

Der Ferienflieger Condor will Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen - soweit Sitzplätze verfügbar sind. Condor kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am dem jeweiligen Flughafen wenden.

Niki hatte am Mittwochabend Insolvenz angemeldet, nachdem die Lufthansa ihr Angebot für die Tochter der ebenfalls insolventen Air Berlin zurückgezogen hatte. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Nicolas Flöther wollten in den nächsten 14 Tagen rund 40.000 Flugreisende mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten rund 15.500 ihre Reise selbst gebucht.

"Es ist eine große Rumtelefoniererei"

Nach dem Aus von Niki sitzen auf Mallorca zahlreiche Urlauber fest. Allein am Donnerstag würden sechs Flüge zwischen Palma und Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf ausfallen, sagte ein Sprecher des spanischen Flughafen-Betreibers AENA. "Die Fluggesellschaft hat angekündigt, dass man sich bemühe, die Passagiere bei anderen Fluggesellschaften unterzubringen." Am Wochenende seien noch weit mehr Flüge betroffen: Am Freitag hätten 18 Niki-Maschinen starten und landen sollen, am Samstag 32 und am Sonntag 16. Die insgesamt 66 Flüge hätten rund 10.000 Passagiere befördern sollen.

Auch die dpa-Mitarbeiterin Carina Häussler aus Stuttgart saß am Donnerstag auf Mallorca fest. Sie hatte über einen Reiseveranstalter gebucht. "Als ich bei denen angerufen habe, war der O-Ton eigentlich nur: "Genießen Sie Ihren Urlaub, wir kümmern uns und melden uns'." Wann es zurück geht, wisse sie noch nicht. "Es ist eine große Rumtelefoniererei."

"Geld weg, Urlaub futsch"

Wütend zeigten sich Touristen, die über die Weihnachtstage nach Mallorca wollten oder ihren Urlaub für das nächste Jahr bereits gebucht hatten. Es herrsche "Wut und Ratlosigkeit", schrieb die "Mallorca Zeitung". Das Blatt zitierte eine Touristin mit den Worten: "Wollten am 26. Dezember für zwei Wochen Urlaub machen. Geld weg, Urlaub futsch." Eine andere Deutsche schrieb auf der Facebook-Seite der Zeitung: "Hatten für den 23.12. - 1.1.18 gebucht. Müssen jetzt schauen, dass wir unseren Urlaub noch retten und woanders buchen." 

Auch im Inland saßen Fluggäste fest. Vier Flüge vom Düsseldorfer Flughafen fielen aus. In Berlin Tegel wurden ebenfalls mehrere Verbindungen gestrichen. Am Flughafen in Stuttgart warteten die Kunden am Morgen vergeblich auf zwei Flüge nach Wien sowie Marsa Alam in Ägypten. Am Flughafen Hamburg fielen ebenfalls zwei Flüge aus.

1000 Arbeitnehmer bei Fluggesellschaft betroffen

Die Beschäftigten der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki werden am Donnerstag von der Geschäftsführung über den Stand der Dinge informiert. Am Flughafen Wien-Schwechat war eine Betriebsversammlung geplant.

Laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat die Airline "noch ein paar Tage Zeit", doch noch einen neuen Investor zu finden. Zuletzt hatte sich auch Airline-Gründer Niki Lauda wieder ins Spiel gebracht. Von der Pleite sind 1000 Mitarbeiter betroffen, davon rund 790 Beschäftigte in Österreich und 210 in Deutschland.

(laha/dpa/lnw/reu)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Niki-Insolvenz: Airlines bieten gestrandeten Passagieren freie Sitzplätze an


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.