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Ferienflieger stellt vorerst Betrieb ein
Viele Niki-Tickets sind jetzt praktisch wertlos

Airline Niki nach geplatztem Lufthansa-Deal pleite
Düsseldorf. Wegen Bedenken der EU nimmt Lufthansa Abstand vom Kauf der österreichischen Airline. Niki meldet deshalb zumindest in Deutschland Insolvenz an. Der Betrieb wird vorerst eingestellt. In Düsseldorf sind mehrere Flüge am Donnerstag betroffen. Was sind die weiteren Folgen? Ein Überblick. Von Reinhard Kowalewsky

Zuerst stellte Air Berlin zum 15. Oktober die Langstreckenflüge ein, dann wurde am 28. Oktober der ganze Flugverkehr beendet, nun wird auch der Ferienableger Niki keine Passagiere mehr bedienen. Diese Entwicklung zeichnete sich ab, nachdem Lufthansa ein Kaufangebot für Niki zurückzog. Wir erklären die Folgen der Krise.

Flüge Laut dem Flugplan des Flughafens Düsseldorf sind am Donnerstag vier Flüge von Niki annulliert: Die Airline sollte am frühen Morgen nach Fuerteventura und Gran Canaria fliegen. Am Vormittag war ein Flug nach Funchal (Madeira) geplant. Am Nachmittag sollte eine Maschine von Düsseldorf nach Palma de Mallorca fliegen. Nach Angaben des Flughafens Düsseldorf macht Niki im Moment 2,5 Prozent des Passagierverkehrs in Düsseldorf aus. Das sind rund 8700 Passagiere pro Woche, 35.000 im Monat. Der Airport forderte Fluggäste auf, sich über Niki-Verbindungen zu informieren. Eine Berechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für unsere Redaktion zeigt das Ausmaß der wegfallenden Angebote zu Ferienzielen selbst im Winter: So plante Niki für den Dezember, 48-mal von Düsseldorf nach Palma de Mallorca zu fliegen, 34-mal pro Monat von Köln nach Palma, 28-mal im Monat von Düsseldorf nach Gran Canaria und 18-mal von Köln nach Gran Canaria.

Gestrandete Fluggäste Tausende Fluggäste der Airline müssen nach Hause gebracht werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa müssen in den nächsten zwei Wochen Plätze für rund 10.000 Reisende organisiert werden, um sie aus dem Ausland nach Hause zu bringen. Die österreichische Regierung kündigte staatliche Hilfe an. Sie wolle die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines notfalls mit Charterflügen beauftragen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums der Tageszeitung "Die Presse". "Mehrere Fluggesellschaften" bereiteten einen Ersatz-Flugplan "auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz" vor, teilte Niki mit.

Passagiere Reisende, die direkt bezahlte Einzeltickets besitzen, haben wahrscheinlich nur eine sehr geringe Chance, ihr Geld zurückzuerhalten. Der Grund ist, dass Niki nach Einschätzung von Branchenkennern ebenso wie Air Berlin fast keine Vermögenswerte hat - so gehörten die 21 Jets Leasinggesellschaften. Anders sieht es für Gäste einer Pauschalreise aus: Hier muss der Veranstalter einen Alternativflug finden. Auch wegen dieser Nachfrage starteten Eurowings und Condor schon bald Flüge von Düsseldorf aus in die Karibik, nachdem Air Berlin diese Strecken im Herbst aufgegeben hatte.

Tickets Wegen der Pleite von Air Berlin haben mehr als 50 Jets den Markt verlassen - entsprechend sind die Flugpreise gerade auf Kurzstrecken wie von Düsseldorf nach Berlin oder von Hamburg nach München in die Höhe gegangen. Nun droht ein ähnlicher Engpass auf Ferienstrecken. Frank Kebekus, für die Insolvenz zuständiger Generalbevollmächtigter von Air Berlin, sagt dazu: "Die EU-Kommission erreicht mit dem unkontrollierten Zusammenbruch der Niki das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt: Mit Niki verschwindet von heute auf morgen weitere Kapazität aus dem Markt. Es wird weniger Wettbewerb geben statt mehr." 

Arbeitsplätze Wegen der Insolvenz stehen kurz vor Weihnachten weitere 1000 Mitarbeiter auf der Straße, wie der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus klargemacht hat. Das betrifft nicht nur Österreich. Viele Besatzungen sind in Deutschland stationiert und bringen Passagiere von hier aus zu Badezielen, etwa ans Mittelmeer. Piloten und Flugbegleiter haben aber wohl gute Chancen, bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterzukommen. Die soll nun aus eigener Kraft wachsen. Sehr viele Flugzeuge aus der Air-Berlin-Gruppe hat Lufthansa schon von Leasingfirmen gekauft. Es fehlen nur noch die Besatzungen. Falls doch ein anderer Käufer den Zuschlag für Niki bekommt, könnten dort Jobs erhalten bleiben. Eine weitere Chance auf neue Jobs entstünde, falls der britische Billigflieger Easyjet das Ende von Niki für eine weitere Offensive nutzt. Er will sowieso 25 bisherige Air-Berlin-Jets in Berlin stationieren. Nun könnte er auch Maschinen in Düsseldorf bereitstellen. Die könnten Strecken von Niki übernehmen. 

Politik Berlin und EU-Kommission liegen bei der Bewertung der Situation über Kreuz: Die Bundesregierung kritisiert, dass die EU den Kauf von Niki durch Lufthansa vereitelt hat. Es sei Ziel gewesen, so einen geordneten Übergang von möglichst vielen Mitarbeitern von Air Berlin hin zu einem neuen Arbeitgeber zu organisieren. Dabei weist der Bund darauf hin, es habe zwar viele öffentliche Interessenbekundungen für Niki gegeben, aber keine belastbaren Kaufangebote. Die EU hat dagegen kritisch gesehen, dass sich große Teile der deutschen Politik für Lufthansa als "nationalen Champion" einsetzten, der große Teile des Wettbewerbers kaufen sollte.

Steuerzahler Die öffentliche Hand hatte einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro geleistet. Die Bundesregierung sagt, dass der Kredit möglicherweise nur zum Teil an die KfW zurückgezahlt werden kann. Sollte sich kein neuer Käufer für Niki finden, könnte es bei einem zweistelligen Millionenbetrag bleiben. Für den größeren Rest müsste der Steuerzahler aufkommen.

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Tragik Die Bürger haben die Zuspitzung der Lage ungewollt mitverursacht. Weil sie aus Sorge vor einer Insolvenz nur wenig bei Niki buchten, sind die Verluste so hoch, dass dies nun einen Verkauf an einen anderen Bieter als Lufthansa fast unmöglich macht.

Quelle: RP
 
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