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Angebot des Konzerns: Nokia-Mitarbeiter sollen nach Rumänien gehen

zuletzt aktualisiert: 25.01.2008 - 06:17

Düsseldorf (RPO/RP). Der finnische Handyhersteller Nokia will in der kommenden Woche über einen Sozialplan für das Werk in Bochum verhandeln. Wie unsere Redaktion erfuhr, will der Konzern den Beschäftigten anbieten, mit nach Rumänien zu wechseln.

Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo kündigte an, dass das Unternehmen seiner sozialen Verantwortung nachkommen wolle. In der kommenden Woche solle es Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern und Politikern über einen Sozialplan geben. Nach Informationen unserer Redaktion will Nokia Bochumer Beschäftigten unter anderem das Angebot unterbreiten, mit nach Rumänien zu wechseln.

Der Betriebsrat macht sich unterdessen Hoffnung auf den Erhalt des Werkes. Angesichts der beträchtlichen Gewinnsteigerung Nokias zeigte sich die SPD-Spitze verärgert über die Schließungspläne.

Betriebsratschefin Gisela Achenbach sagte am Donnerstagabend, die schnelle öffentliche Entschuldigung der Konzernspitze für die Bekanntgabe der Schließung wecke bei ihr die "Hoffnung, dass vielleicht noch etwas anderes hinterher kommt". Nokia könne den zunehmenden Imageschaden auf Dauer nicht aushalten. "Die knicken irgendwie ein, und sei es, dass sie uns nur noch eine halbe Produktion geben", sagte Achenbach. Nokia habe einen Namen zu verlieren. Der "Nokia-Stern am Himmel" sei bereits angekratzt.

Die Betriebsratsvorsitzende rief zugleich die Bundesregierung zum Eingreifen auf. Bei dem Versuch, die Entscheidung des finnischen Mobilfunkkonzerns rückgängig zu machen, setze man "ganz stark auf unsere Politiker, dass sie ihr Wort in Finnland einlegen".

Torsten Gerpott, Telekommunikationsspezialist der Universität Duisburg-Essen sagte, denkbar sei für ihn die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft. "Die Situation ist vergleichbar mit der Pleite des Handyherstellers BenQ Mobile. Nokia sollte für Qualifizierungsmaßnahmen wie PC-Wissen oder Fremdsprachen sorgen, damit die Beschäftigten leichter woanders unterkommen."

FDP-Chef Guido Westerwelle sicherte Achenbach derweil seine Unterstützung zu. Er hoffe, dass der Bochumer Betriebsrat Erfolg habe, sagte er. Jeder in Deutschland "mit einer gesunden Portion Patriotismus" habe das Gefühl, dass der Umgang der Konzernspitze mit den Beschäftigten "eine Sauerei" gewesen sei.

Die SPD-Spitze äußerte sich derweil verärgert darüber, dass Nokia trotz eines Rekordgewinns das Werk schließen will. SPD-Chef Kurt Beck betonte: "Ich bin wirklich empört darüber, denn das zeigt doch, das alles über diese Werksschließung völlige Rederei ist. Und das es nur darum geht, das man den Rachen nicht voll kriegt, dass man mit 15 Prozent Rendite immer noch nicht zufrieden ist. Und wenn man sieht, dass in Deutschland bei der Handyherstellung vier bis fünf Prozent maximal Lohnkosten sind, dann ist es geradezu eine Bösartigkeit zu behaupten, die Löhne seien an der Verlagerung Schuld."

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bezeichnete die Werksschließung als "pure Profitgier". Er forderte die Konzernspitze auf, "ihre starre Haltung" zu überdenken. "Die Manager tragen nicht nur Verantwortung für die Aktiengewinne. Sie tragen auch Verantwortung für die Menschen, die diese Gewinne erwirtschaften", sagte Heil.

Die angekündigte Schließung des Werkes bremst bereits den Absatz von Nokia-Mobiltelefonen. "Es kommen Kunden, die explizit keine Nokia-Handys wollen", sagte Jörg Liebe, stellvertretender Verkaufsgruppenleiter Telefonie im Berliner Elektronikfachgeschäft Conrad. Auch andere Einzelhändler bestätigten, dass Nokia von manchen Kunden derzeit nicht gewünscht wird.


 
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