Freitag entscheidet sich Zukunft von Karstadt: NRW-Regierung mahnt Einigung an
zuletzt aktualisiert: 30.08.2010 - 11:45Essen (RPO). Im Poker um die insolvente Warenhauskette Karstadt hat NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) eine rasche Einigung über die Mietkonditionen gefordert. Das Amtsgericht Essen will am Freitag über den Insolvenzplan entscheiden. Einen Tag zuvor treffen sich Highstreet-Gläubiger in London, um über die vom Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen geforderten niedrigeren Mieten abzustimmen. Sollten die Gläubiger ihre Zustimmung verweigern, droht Karstadt doch noch die Zerschlagung. Tausende Beschäftigte müssten dann um ihren Arbeitsplatz fürchten.
"Eine erneute Verzögerung ist nicht länger hinnehmbar und verlängert nur unnötig die Ungewissheit aller betroffenen Beteiligten. Die Karstadt-Mitarbeiter brauchen endlich eine Perspektive", sagte Voigtsberger am Montag in Düsseldorf. Die Einigung bei den Mietkonditionen ist Voraussetzung für das Inkrafttreten des Kaufvertrags mit dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen.
Kritik von Verdi
Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane kritisierte unterdessen die Deutsche Bank. Das Institut "irrlichtere" in der Frage, ob es den Investor Berggruen oder den italienischen Kaufhausbetreiber Maurizio Borletti unterstützen sollte, sagte sie der ARD.
Auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg beklagte sich der ARD zufolge in einem Schreiben über das Verhalten der Deutschen Bank. In einem Gespräch mit einem hochrangigen Mitarbeiter der Bank seien ihm die angeblichen Vorteile eines Vertrags mit Borletti in einer Weise geschildert worden, "die an die Verleitung zu einem Vertragsbruch erinnert".
Der Kaufhausbetreiber Borletti hatte Ende Juli überraschend ein Angebot für Karstadt abgegeben, obwohl die Frist bereits mehrere Monate abgelaufen war. Görg hatte auf die Offerte ablehnend reagiert. Trotzdem legte Borletti vor wenigen Tagen ein überarbeitetes Angebot vor.
Das Amtsgericht Essen will am Freitag über den Karstadt-Insolvenzplan entscheiden. Der Termin war zuvor bereits viermal verschoben worden, weil eine Einigung im Mietstreit zwischen Berggruen und dem Vermieterkonsortium Highstreet noch ausstand. Einen Tag vor dem Gerichtstermin ist ein Treffen eines Teils der Highstreet-Gläubiger in London angesetzt. Dort soll über die von Berggruen geforderten niedrigeren Mieten entschieden werden.
Sollten die Gläubiger die Zustimmung verweigern, droht Karstadt die Zerschlagung. Rund 25.000 Beschäftigte müssten dann um ihren Arbeitsplatz bangen.
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