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Krankenkassen-Chefin Fischer: Nullrunde für Ärzte gefordert

zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 06:33

Düsseldorf (RPO). Die Chefin der größten deutschen Krankenkasse Barmer GEK, Birgit Fischer, hat im Gespräch mit unserer Redaktion eine Nullrunde für niedergelassene Ärzte gefordert.

 Foto: Barmer
Foto: Barmer

Die steigende Zahl der Arztebesuche in Deutschland hat eine Debatte über die Praxisgebühr ausgelöst. Im vergangenen Jahr ging ein gesetzlich Versicherter durchschnittlich 18mal zu einem niedergelassenen Arzt. Vor fünf Jahren kamen die Versicherten noch mit zwei Arztbesuchen weniger aus.

Die Entwicklung lasse auf "Drehtüreffekte und Doppeluntersuchungen" schließen, sagte der Vize-Chef der Barmer/GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. "Die Wirkung der Praxisgebühr ist fraglich, und die grundsätzlich sinnvolle hausarztzentrierte Versorgung steckt in der Sackgasse", betonte Schlenker. Abschaffen wollen die Krankenkassen die Gebühr allerdings nicht. Sie spült jährlich 1,9 Milliarden Euro ins System.

Der Barmer/GEK schwebt vor, den Hausarzt mehr zum Lotsen im Gesundheitssystem zu machen. Die aktuellen Hausarztmodelle lehnen die Kassen allerdings ab. "So wie die Hausarztverträge zurzeit verhandelt werden, läuft dies auf eine reine Honorarsteigerung für Ärzte hinaus. Wir fordern aber Qualitätsverbesserungen für die Versicherten", sagte Barmer-Chefin Birgit Fischer unserer Zeitung. Sie erteilte generell höheren Arzthonoraren eine Absage. "Nach den Milliardensteigerungen für die niedergelassenen Ärzte in den vergangenen Jahren darf es in diesem Jahr keinesfalls weitere Honorarerhöhungen geben. Die Ärzte müssen sich auf eine Nullrunde einstellen."

Ein Hausarztvertrag sieht grundsätzlich vor, dass ein Versicherter erst zum Hausarzt geht, ehe er einen Facharzt aufsucht. Nach der aktuellen Gesetzeslage müssen die Kassen einen solchen Vertrag anbieten, den Versicherten aber ist frei gestellt, ob sie sich darauf einlassen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, fordert eine Pflicht zum Hausarztvertrag für alle Versicherten. "Jeder dritte Besuch beim Arzt ist überflüssig", sagte Lauterbach unserer Zeitung. "Wir brauchen ein Hausarztsystem für alle Versicherten." Nur so könnten die Fachärzte von überflüssigen Besuchen entlastet werden.

Quelle: RP

 
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