NRW will Wohnungen verkaufen: Nur noch ein Bieter für die LEG
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 21.06.2007 - 22:19Düsseldorf (RP). Die Deutsche Annington steht nicht mehr zu ihrem Interesse am Kauf der 106.000 LEG-Wohnungen. Um nicht auch noch die Gagfah zu verprellen, wollen Politiker jetzt Teile der LEG-Schulden auf die NRW-Bank abladen.
In der vergangenen Woche hat die Landesregierung sich auf einen „Transaktionsberater” in Sachen LEG geeinigt. Ein komplizierter Name für einen Job, der voraussichtlich ganz einfach wird: Das Frankfurter Bankhaus Metzler soll schlicht darüber wachen, dass NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) beim Verkauf der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft und ihrer 106.000 Mietwohnungen keine Fehler macht.
Das ist deshalb nur noch halb so schwer, weil es zu dem ursprünglich erwarteteten Bieterwettstreit vielleicht gar nicht kommt. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Essener Wohnungsriese Gagfah derzeit der einzige Interessent, der sich überhaupt noch ernsthaft für den Kauf der LEG erwärmt. Die Deutsche Annington, die zuvor ebenfalls Interesse angemeldet hatte, will davon nichts mehr wissen.
Wirklich groß war das Interesse in der Branche ohnehin noch nie. Neben den 2,5 Milliarden Euro Schulden, die auf der LEG lasten, schreckt auch eine außergewöhnlich strenge Sozialcharta die Käufer ab: Mit ihr will das Land die Mieter vor heftigen Mieterhöhungen und anderem Unbill seitens des potenziellen Käufers schützen. Und dann will NRW auch noch selbst ein paar Hunderttausend Euro an dem Deal verdienen.
Dennoch hatte neben der Gagfah auch die Deutsche Annington noch im August vergangenen Jahres Interesse an der LEG bekundet. Das derzeit größte vakante Wohnungsportfolio in Deutschland passte schlicht zu gut in die Wachstumsstrategie der Annington, die bei ihrem britischen Großinvestor Terra Firma im Wort steht, den Wohnungsbestand von derzeit 230.000 Wohnungen bis 2009 zu verdoppeln.
Nach diversen Streitereien hat eben diesem Großinvestor den Annington-Chef seither jedoch gleich zwei mal ausgewechselt. Der aktuelle heißt Wijnand Donkers, und will sich partout nicht mehr auf ein Interesse an der LEG festlegen. „Wir schauen uns alle interessanten Portfolios an, die auf den Markt kommen, große und kleine”, wich Donkers gegenüber unserer Zeitung der Frage aus, ob die Annington sich weiterhin für die LEG interessiere. Auch auf hartnäckiges Nachfragen hin wollte das Unternehmen den Namen LEG nicht einmal mehr erwähnen. Da bei der Deutschen Annington gegenwärtig riesige Schulden einem auffallend mageren Eigenkapital gegenüberstehen, bezweifeln Branchenkenner ohnehin, ob das Unternehmen überhaupt noch die Kraft zum LEG-Kauf haben würde.
Und so war es kein Ausdruck dicker Backen sondern nur von Realitätssinn, als Gagfah-Chef Burkhard Drescher gestern unserer Zeitung sagte: „Bei unserem Interesse, die LEG zu kaufen, sehen wir derzeit keinen ernsthaften Wettbewerber.” Er gehe davon aus, dass der Kauf spätestens im ersten Quartal 2008 abgewickelt werde. Mit der Sozialcharta habe das Unternehmen keine Probleme, weil die Gagfah ihr Geld im Gegensatz zu anderen Immobilien-Konzernen mit Mieten und nicht mit Wohnungskäufen erwirtschaftet. „Wir sind sowieso auf zufriedene Mieter angewiesen”, sagte Drescher. Da seien die 2,5 Milliarden Euro Schulden, die auf der LEG lasten, schon eher ein Problem.
Eines, das die Landesregierung aber noch entschärfen könnte. Nach Informationen unserer Redaktion wird im Düsseldorfer Stadttor heftig diskutiert, ob man einen Teil der LEG-Schulden nicht der NRW-Bank in die Schuhe schieben kann. Immerhin hält die Förderbank etwa 22 Prozent an der LEG. Wehren kann sie sich ohnehin nicht: Ebenso wie die LEG gehört die NRW-Bank dem Land Nordrhein-Westfalen. Weder Bank noch Finanzministerium wollten gestern ausschließen, dass es zu dieser Lösung kommt.
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