Jahrestag der Lehman-Pleite: Obama warnt vor Rückkehr der Gier
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 07:01New York (RP). Am 15 September 2008 brach die Investmentbank Lehman zusammen. US-Präsident Barack Obama nahm das zum Anlass, um der Finanzwelt eine Standpauke zu halten: Sie ignoriere die Lehren aus der Krise. Obamas eigene Bank-Reform kommt aber auch kaum voran.
Ein Jahr nach dem Beinahe-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems hat Barack Obama die Geldinstitute davor gewarnt, in alte Selbstzufriedenheit zu verfallen. Mancher Banker vergesse die harten Lektionen der Krise schon wieder, kritisierte der US-Präsidentin einer Rede in New York. "Statt die Lehren aus Lehman (dem Kollaps von Lehman Brothers) zu ziehen, ziehen einige es vor, sie zu ignorieren. Das tun sie nicht nur auf eigene Gefahr, sondern zum Schaden unserer Nation."
Noch keine echte Erholung
Die Wall Street, forderte Obama, dürfe nicht zu einer Praxis zurückkehren, bei der sie riskante Geschäfte mache, ohne an die Folgen zu denken. Sie könne nicht erwarten, dass ihr der Steuerzahler noch einmal mit Milliardenstützen zu Hilfe komme. Zwar ziehe langsam wieder Normalität ein. Nachdem monatelang öffentliche Gelder in das gefährdete System gepumpt worden seien, beginne jetzt Geld zurückfließen. Von echter Erholung könne aber noch keine Rede sein. "Manche in der Finanzindustrie lesen aus diesem Moment das Falsche heraus."
In überraschend deutlichen Worten erteilte der Redner künftigen Rettungsaktionen zu Gunsten maroder Institute eine Absage. Es müsse Schluss sein mit dem Glauben, dass einige Banken zu groß seien, um sie scheitern zu lassen, sagte Obama. Jeder, der Geld verleihe, trage dafür das Risiko. "Hören Sie meine Worte. Wir werden nicht zu den Tagen rücksichtslosen Verhaltens und unkontrollierter Exzesse zurückkehren, wo zu viele nur vom Appetit auf schnelle Beute und aufgeblähte Boni motiviert waren."
Zurückhaltung angemahnt
Ausdrücklich forderte der amerikanische Präsident die Manager auf, sich bei den am Jahresende fälligen Bonuszahlungen zurückzuhalten. Die Wall Street setze jedes Rest-Vertrauen aufs Spiel, wenn sie sich aus kurzfristigem Gewinnstreben heraus mit übermäßigen Sonderzahlungen belohne. Zugleich kündigte er an, die größten Industrienationen der Erde nächste Woche beim G-20-Gipfel in Pittsburgh zu schärferen Kontrollen des Finanzsektors zu drängen. Kritiker bemängeln, dass es bisher zwar Absichtserklärungen in Hülle und Fülle gab, konkret jedoch kaum mehr als Ansätze eines verbindlichen Regelwerks.
Allerdings konnten Obamas scharfe Mahnungen an die Finanzwirtschaft nicht kaschieren, dass die Reform, die der Präsident anstrebt, auf der Stelle tritt. Konservative Abgeordnete und Lobbyisten haben bislang verhindert, dass der Wall Street Zügel angelegt werden. Im Gegenteil ist es durch Bankpleiten und Übernahmen noch zu einer Konzentration im Finanzmarkt gekommen. Zu Obamas dringendsten Anliegen gehört der Zwang zu einer höheren Kapitaldeckung für Banken: Die Institute sollen künftig nur mit riskanten Papieren handeln dürfen, wenn sie genug Geld im Rücken haben, um bei Verlusten nicht wieder in existenzbedrohende Schieflagen zu kommen. Derzeit spekulieren die Bankhäuser schon wieder in einem Umfang weit über ihre eigenen Mittel hinaus. Darüber hinaus will die US-Regierung auch mehr Macht für die Bankenaufsicht.
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