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Wirtschaftsweiser Peter Bofinger
Ökonomen fordern sattes Lohnplus

Wirtschaftsweiser Peter Bofinger: Ökonomen fordern sattes Lohnplus
Peter Bofinger ist Mitglied im Sachverständigenrat der Regierung. FOTO: AP, AP
Berlin (RP). Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat Forderungen der Arbeitgeber nach maßvollen Lohnabschlüssen in der Zukunft eine Absage erteilt. "Wir brauchen kräftigere Lohnsteigerungen von mindestens drei Prozent", sagte Bofinger unserer Redaktion. Von Birgit Marschall

Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe dazu beitragen, dass die Volkswirtschaften der Euro-Zone auseinander drifteten, so Bofinger. Der Unterschied müsse durch höhere Lohnabschlüsse in Deutschland und niedrigere Abschlüsse in den weniger wettbewerbsstarken Ländern Südeuropas ausgeglichen werden.

Forderungen der Gewerkschaften nach höheren Lohnabschlüssen werden von Fachleuten überwiegend unterstützt. Auch das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) sieht Spielräume nach oben. Dagegen warnte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt vor zu hohen Forderungen der Gewerkschaften in den kommenden Tarifrunden. "Wir dürfen den derzeitigen Aufschwung auf gar keinen Fall belasten oder gefährden", sagte Hundt gestern.

Die Reallohneinkommen waren in den vergangenen zehn Jahren rückläufig. Dagegen stiegen die Unternehmereinkommen teilweise kräftig. Nachdem 2008 die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgebrochen war, vereinbarten die maßgeblichen Industriezweige erneut maßvolle Lohnerhöhungen. In der Metall- und Elektroindustrie sind trotz der derzeit hohen Produktivitätssteigerungen noch bis 2012 keine entsprechenden Gehaltssteigerungen vorgesehen.

"Für die ausgeprägte Lohnzurückhaltung der letzten Jahre gab es keine Rechtfertigung", befand Bofinger, der Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ist. Künftig müssten die Löhne im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt um mindestens drei Prozent pro Jahr zulegen. Dies ergebe sich aus einem Produktivitätszuwachs von einem Prozent plus der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Inflation von nahe zwei Prozent.

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten (NGG) forderte Lohnerhöhungen von drei Prozent. "Wir müssen Abschlüsse in Richtung drei Prozent hinbekommen", sagte NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg. Auch der Vizechef der Industriegewerkschaft BAU, Dietmar Schäfers, verlangte für das Jahr 2011 einen Aufschlag auf die vereinbarten Tarifgehälter. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer zeigte Verständnis: Die Gewerkschaften seien in den letzten zwei, drei Jahren "ungeheuer verantwortungsvoll" gewesen.

Quelle: RP
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