Weltgrößte Kapitalerhöhung: Ölmulti Petrobras will 70 Milliarden Dollar einsammeln
zuletzt aktualisiert: 24.09.2010 - 16:36Sao Paulo (RPO). Brasiliens Ölkonzern Petrobras streicht bei der bislang weltgrößten Kapitalerhöhung 70 Milliarden Dollar ein. Die vom Staat kontrollierte Firma will damit die Ausbeutung der gigantischen Ölreserven vor der Küste des Landes finanzieren. Dort sollen in den kommenden Jahren insgesamt 224 Milliarden Dollar investiert werden. Brasilien soll dadurch zu einem der weltgrößten Energieexporteure aufsteigen.
Petrobras legte die Bezugspreise für die neuen Aktien am Donnerstag nach Börsenschluss fest. Die Stammaktien kosten demnach 29,65 Real (rund 17,20 Dollar) pro Stück, die Vorzugsaktien 26,30 Real. Der Preis lag nur um rund zwei Prozent unter den Schlusskursen für die Papiere vom Donnerstag. Beobachter hatten einen höheren Abschlag erwartet.
Allerdings hatte der Kurs über Monate unter Druck gestanden, weil es Sorgen über ein mögliches Scheitern der Kapitalerhöhung gab. Insgesamt war der Börsenwert von Petrobras durch den Kursrutsch um bis zu 70 Milliarden Dollar geschmälert worden.
Insgesamt gibt Petrobras 2,4 Milliarden Stammaktien und 1,87 Milliarden Vorzugsaktien aus. Kreisen zufolge hätte der Konzern noch mehr Papiere verkaufen können. Insgesamt habe es eine Nachfrage über 87 Milliarden Dollar gegeben, hieß es in mit der Sache vertrauten Kreisen. Bei den bisherigen Aktionäre seien es 57 Milliarden Dollar gewesen, bei institutionellen Investoren 30 Milliarden. Unter den Investoren seien auch Staatsfonds aus dem Nahen Osten und Asien.
Schon vorab hatte es geheißen, vor allem staatliche Pensionsfonds und institutionelle Anleger hätten großes Interesse. Petrobras hat angekündigt, binnen 30 Tagen möglicherweise weitere 188 Millionen Aktien auszugeben. Das würde die Erlöse nochmals um Milliarden nach oben treiben.
Auf dem weg an die Spitze
Petrobras gehört mittlerweile zu den weltweit führenden Konzernen bei der Erschließung von Ölreserven in der Tiefsee. Trotz der Ölpest im Golf von Mexiko setzen gerade aufstrebende Länder wie Brasilien auf diese Vorkommen. Falls Petrobras seine Planungen einhalten kann, könnte der Konzern in einigen Jahren zum weltweit größten börsennotierten Ölproduzenten aufsteigen - noch vor den US-Firmen Exxon Mobil und Chevron.
Erst vor einer Woche konnte Petrobras die Kapitalerhöhung nochmals aufstocken - offenbar hatten Investoren ihre Bedenken gegen die wachsende staatlichen Kontrolle von Petrobras überwunden, da die Ölförderung Milliardengewinne verspricht. Im Rahmen des Geschäftes erhält die Regierung nämlich Aktien von Petrobras im Wert von rund 43 Milliarden Dollar und überlässt dem Konzern im Gegenzug fünf Milliarden Barrel Öl.
Experten schätzen die Vorkommen auf insgesamt bis zu 50 Milliarden Barrel. Mit dem Tauschgeschäft sichert sich die Regierung um Präsident Luiz Inacio Lula da Silva einen noch größeren Anteil an Petrobras - die Mehrheit der Stimmrechte befindet sich schon jetzt in staatlicher Hand. Ein guter Verlauf der Kapitalerhöhung würde zudem wohl Lulas potenzielle Nachfolgerin Dilma Rousseff stärken, die bei den Präsidenten-Wahlen am 3. Oktober ins Amt kommen will.
60 Milliarden weitere Dollar in den kommenden Jahren
Was der hohe Staatsanteil für die anderen Aktionäre bedeutet, wird aus Kommentaren einiger Analysten klar: Petrobras gebe zu viel Geld für das Raffinieren, den Transport und den Vertrieb des Öls aus, heißt es dort. Das sei zwar gut für die Wirtschaftsentwicklung vor Ort, schmälere aber die Ausschüttung des Gewinns an die Aktionäre.
Für den Präsidenten ist das Vorhaben von großer Bedeutung. "Während meiner gesamten politisches Laufbahn haben sie mich einen Sozialisten genannt - und nun werde ich die größte Kapitalaufstockung durchziehen, die die Welt je gesehen hat", sagte der in der Bevölkerung beliebte Staatschef kürzlich. Die Ausbeutung der Ölfelder ist allerdings nur mit großem technischen Aufwand möglich, da sich das Öl in der Tiefsee unter dem Meeresboden befindet. Branchenexperten zufolge wird Petrobras in den kommenden Jahren noch bis zu 60 Milliarden weitere Dollar am Kredit- und Anleihemarkt einsammeln müssen, um die Ausbeutung zu finanzieren.
Mit den eingestrichenen 70 Milliarden Dollar übertrumpfte Petrobras den bisherigen Rekordhalter locker: Der japanische Telekommunikations-Gigant NTT hatte 1987 umgerechnet rund 36,8 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt.
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