250 Dollar möglich: Ölpreis bedroht 20.000 Arbeitsplätze
zuletzt aktualisiert: 06.07.2008 - 14:30Berlin (RPO). Der hohe Ölpreis macht der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Experten gehen davon aus, dass Tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland gefährdet sind. Am Wochenende schlugen die kleinen und mittelständischen Transportunternehmen Alarm. Sie befürchten in den kommenden Monaten den Verlust von bis zu 20.000 Stellen.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sieht indes noch keine ernsthaften Gefahren für den Arbeitsmarkt. Unterdessen erwarten Experten einen weiteren Anstieg des Ölpreises und der damit einhergehenden Kraftstoffpreise.
In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und andere Verkehrspolitiker forderte der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT) eine einheitlich niedrige Dieselsteuer für alle im gewerblichen Transport tätigen Unternehmen. Eine solche Maßnahme würde letztendlich allen Bürgern zugutekommen. Denn die sich stetig nach oben drehende Preisspirale bei den Transportkosten werde sich direkt auf die Verbraucherpreise auswirken, und diese seien durch die hohen Energiekosten sowie steigende Steuern und Abgaben genügend belastet.
Arbeitsminister Scholz sieht indes keine Gefahren für den Arbeitsmarkt. "Aufgrund der sozialdemokratischen Reformpolitik ist unsere Wirtschaft stabil genug, das auszuhalten", sagte Scholz der "Welt am Sonntag". Deutschland habe bereits zur Regierungszeit von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) damit begonnen, die Energieeffizienz stetig zu erhöhen. Die entscheidenden Maßnahmen seien allerdings in den vergangenen zehn Jahren eingeleitet worden. "Das ist eine der Grundlagen unserer robusten Konjunktur", sagte Scholz.
Unterdessen gehen Experten von einem weiteren Anstieg des Ölpreises aus. Der Versicherungskonzern Allianz rechnet in den nächsten zwei Jahren mit einem Plus um mindestens ein weiteres Drittel. "Ich kann nicht sehen, wie wir nach dem Jahr 2010 längerfristig einen Ölpreis von unter 200 Dollar haben können", sagte Vorstandsmitglied Joachim Faber dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Zum Wochenende kostete das Barrel (159 Liter) rund 145 Dollar.
Die Deutsche Energieagentur (dena) hält sogar einen weiteren Anstieg des Ölpreises auf 250 Dollar für möglich. "250 Dollar für das Fass sind möglich, aber keiner kann sagen, wann", sagte dena-Chef Stephan Kohler der "B.Z. am Sonntag". Auch der Exekutivdirektor der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Nobuo Tanaka, glaubt nicht an rasch sinkende Ölpreise. "Bis 2013 bleibt die Lage am Markt sicher gespannt", sagte er dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).
Autofahrer müssen mit noch höheren Kraftstoffpreisen rechnen. Bis zum Herbst könnte der Preis für den Liter Super Bleifrei auf 1,75 Euro je Liter steigen, berichtet die Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" unter Berufung auf die Energie-Expertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sollte der Ölpreis auf 200 Dollar steigen, müssten Autofahrer für einen Liter Super sogar 1,95 zahlen, sagte Kemfert. Erst zum Wochenende hatte der Spritpreis mit durchschnittlich 1,60 Euro pro Liter Super und 1,56 Euro für den Liter Diesel ein neues Rekordniveau erreicht.
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