Umstrukturierung: Oetker gibt die Marke Onken ab
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 12.11.2010 - 07:52Moers/Luzern (RP). Der Bielefelder Konzern, der 2004 die Privatmolkerei in Moers gekauft hatte, überträgt die weltweiten Rechte an das Schweizer Unternehmen Emmi. Die 390 Arbeitsplätze bleiben am Niederrhein erhalten.
Ungewöhnlicher Arbeitsbeginn für die Mitarbeiter des Moerser Onken-Werkes: Am Donnerstagmorgen gab es zunächst eine Betriebsversammlung, bei der die Belegschaft darüber informiert wurde, dass der Bielefelder Lebensmittelkonzern Dr. Oetker die weltweiten Onken-Markenrechte an das Schweizer Milchverarbeitungs- und Molkereiunternehmen Emmi abgibt. Für die Mitarbeiter soll sich aber nichts ändern. Die Joghurts von Onken werden auch künftig in Moers-Hülsdonk hergestellt. Damit seien die 390 Arbeitsplätze in Moers gesichert, beteuerte der Oetker-Konzern, der Onken vor sechs Jahren gekauft hatte. Die meisten Jobs gibt es in der Produktion. Diese seien auf jeden Fall sicher, so Esther Gerster, die Leiterin der Konzernkommunikation bei der Emmi AG in Luzern. "Zu Überschneidungen kommt es eventuell bei Mitarbeitern aus Vertrieb und Verkauf. Hier sprechen wir dann aber von einigen wenigen Arbeitsplätzen", sagte sie.
Die Schweizer Wettbewerbskommission und das Bundeskartellamt müssen die Transaktion genehmigen. Die Übertragung der Markenrechte soll zum Jahreswechsel in Kraft treten. Über den Verkaufspreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen.
"Wir übernehmen künftig den Vertrieb der Onken-Produkte", erklärte Gerster. Die Schweizer wollen mit den vor allem in Deutschland und Großbritannien verkauften Onken-Joghurts die eigene Marktposition in diesen Schlüsselmärkten stärken. Dr. Oetker will sich bei seinem Frischesegment auf das Kerngeschäft konzentrieren, die Herstellung und den Vertrieb von Desserts, wie Firmenchef Richard Oetker gestern sagte. "Wir haben in das Moerser Werk in den vergangenen Jahren Millionenbeträge investiert und wollen das auch künftig tun", ergänzte ein Oetker-Sprecher. Schließlich müsse die Produktion der Frische-Desserts dem wachsenden Absatz angepasst werden.
Die Marke Onken gibt es seit 70 Jahren. 1940 gründete Herrmann Onken das Werk in Essen als Onken & Co. KG. Damals stellte das Unternehmen Speisequark her. Gut zwei Jahrzehnte später baute Onken dann eine neue Molkerei in Mülheim/Ruhr.
Mit dem Tod Hermann Onkens 1973 begann eine neue Ära. Sohn Enno, damals 30 Jahre alt, übernahme die Leitung, und unter seiner Führung zog Onken an den Niederrhein um. Der Grund: In Mülheim gab es keine Gewerbeflächen. 1991 begann der Molkerei-Neubau in Moers-Hülsdonk auf 88 000 Quadratmetern. Bis Februar 2000 wurden dort mehr als 245 Millionen Mark investiert. Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten produziert Onken dort Quarkprodukte in Kleinpackungen. Der Export ist im Laufe der Jahre stark ausgebaut worden, und Onken hat neue Marktsegmente für Kinder erschlossen – zum Beispiel kam der braun-gefleckte Paula-Milchpudding hinzu. Kultstatus erlangte auch der Früchtequark Frufoo, dem ein Spielzeug beigepackt war. Onken verkauft seine Produkte mittlerweile quer durch Europa– in Österreich, Frankreich, Spanien, Griechenland, den Niederlanden, Belgien, Polen und Russland.
Vor sechs Jahren sah Enno Onken durch den Einstieg von Dr. Oetker die Entwicklung des Unternehmens und den Standort Moers für die Zukunft gesichert. Er war nun nicht länger Geschäftsführer des Hülsdonker Werkes, stand dem Betrieb, den er mit aufgebaut hatte, jedoch weiterhin beratend zur Seite. Zwar blieb der Produktname erhalten, doch die Geschäfte werden seitdem in Ostwestfalen geführt. Für Enno Onken, damals 60 Jahre alt, kam der Verkauf nicht ungelegen. So konnte er die Nachfolgefrage, über die viel spekuliert wurde, elegant lösen.
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