Erneuter Datenskandal bei Lidl: Offenbar geheime Krankenakten von Mitarbeitern geführt
zuletzt aktualisiert: 04.04.2009 - 12:52Hamburg (RPO). Der Lebensmittel-Discounter Lidl steht erneut wegen fragwürdiger Registrierung von Mitarbeiterdaten in der Kritik. Offenbar sind geheime Krankenakten über Mitarbeiter geführt worden.
Wie der "Spiegel" berichtete, hat das Unternehmen Beschäftigte aufgefordert, den Grund ihrer Erkrankung anzugeben und diesen in firmeninternen Unterlagen festgehalten. Lidl räumte am Samstag in einer Stellungnahme ein: "Dies war nicht datenschutzkonform, diente aber dazu, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen." Ende 2008 sei die Praxis eingestellt worden.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sehe die Registrierung der Krankheiten "äußerst kritisch", berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin. "Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an." Schaar hat eine Prüfung des Falls durch die zuständigen Aufsichtsbehörden angeregt. "Dass man dabei zu dem Ergebnis kommt, das ist unzulässig, halte ich für ziemlich wahrscheinlich", sagte er.
In Mülltonne
Die Praxis bei Lidl kam dem Bericht zufolge heraus, nachdem mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen zufällig in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden. "Offenbar bundesweit setzte das Unternehmen Formulare ein, in den der 'Grund der Krankheit' von Mitarbeitern eingetragen werden sollte", heißt es in dem Bericht.
Alle Einträge stammen laut "Spiegel" aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden. Lidl hatte im März 2008 eingeräumt, in 219 Filialen Detektive eingesetzt zu haben.
In den Krankenunterlagen steht dem Bericht zufolge über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: "Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert". Im Fall einer Filialleiterin seien "private Probleme" notiert worden.
Nach Angaben Lidls handelt es sich um "Altfälle aus dem vergangenen Jahr". Die Unterlagen seien von einem Mitarbeiter unsachgemäß entsorgt und dem "Spiegel" zugeleitet worden.
Bis Ende 2008 seien die Listen dafür genutzt worden, das Personal richtig einzusetzen, erklärte das Unternehmen. "Dabei wurden Informationen erfasst, die persönliche Belange berücksichtigten." Die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzeptes bei Lidl eingestellt worden.
Der Discounter hat den ehemaligen Datenschutzbeauftragten des Bundes, Joachim Jacob, als Berater engagiert und zitiert ihn so: "Lidl arbeitet seit April vergangenen Jahres konsequent daran, ein ganzheitliches Datenschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei werden alle Geschäftsprozesse gewissenhaft untersucht und gegebenenfalls überarbeitet. Über 3.000 Filialen und 34 Regionalgesellschaften sind in diesen Prozess eingebunden, das nimmt zwangsläufig Zeit in Anspruch."
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