US-Autokrise: Opel-Betriebsrat fordert Trennung von GM
zuletzt aktualisiert: 16.02.2009 - 14:37Essen/Genf (RPO). Der Betriebsrat von Opel fordert die Trennung von der US-Mutter General Motors. "Es gibt kein Weiterso mit GM, wir sehen nur eine Perspektive in der Herauslösung", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz in einem Interview. Dies gelte für alle europäischen Standorte des Autoherstellers.
Opel sei "zu einem großen Teil ein europäisches Unternehmen". Trotz einer Herauslösung müsse für Opel jedoch auch weiterhin der Zugriff auf Technologien des GM-Konzerns gesichert bleiben. Die Patente der bisherigen technischen Innovationen Opels liegen bei der Konzernmutter in Detroit.
Herauslösung von Opel wird geprüft
Medienberichten zufolge wird derzeit von verschiedener Seite an einer Herauslösung Opels aus dem GM-Konzern gearbeitet. Opel-Chef Hans Demant und GM-Europachef Carl-Peter Forster hätten bei einem Gespräch im Kanzleramt in der vergangenen Woche mögliche Wege für eine Trennung von GM skizziert, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Wochenende unter Berufung auf Kreise.
Jedoch müsse noch geprüft werden, ob diese Vorschläge tragfähig seien. Hintergrund für die Überlegungen sind Bemühungen Opels um staatliche Finanzhilfen angesichts der Schieflage der US-Mutter. Es soll verhindert werden, dass Steuergelder, die als Unterstützung für ein deutsches Unternehmen gedacht sind, womöglich in die USA fließen.
Beteiligung der Länder wird geprüft
Die Manager der deutschen Tochter des US-Autobauers General Motors fürchten den Zusammenbruch der Muttergesellschaft offenbar so sehr, dass sie schon nach Wegen suchen, Opel aus dem Konzern herauszulösen. Was dem Management vorschwebt, ist unter anderem eine "Lex Opel", die in Anlehnung an das VW-Gesetz den Bundesländern an den deutschen Opel-Standorten (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen) die Möglichkeit gäbe, Anteile an dem deutschen Autobauer zu übernehmen.
Damit hätte das Unternehmen nicht nur eine sichere Gruppe von Miteigentümern, sondern es würde dadurch auch gleichzeitig kapitalmarktfähig und könnte sich beispielsweise über Unternehmensanleihen selbst frisches Geld besorgen. "Es ist noch alles im Fluss, noch nichts entschieden", sagte ein Regierungssprecher in Düsseldorf gestern auf Anfrage.
Angst vor einer Pleite begründeter denn je
Die Angst vor einer GM-Pleite ist offenbar begründeter denn je. Bis vor Kurzem hatte GM-Chef Rick Wagoner die Konkurs-Alternative abgelehnt, weil dies die Kundschaft abschrecken würde. Wagoner habe sich jedoch in den letzten Wochen flexibler gezeigt, heißt es. Einer der Pläne sehe ein Reorganisierungsverfahren unter Kapitel 11 der amerikanischen Konkursgesetzgebung vor, der sämtliche überlebensfähige Unternehmensteile unter ein Dach bringen würde, einschließlich einiger US-Marken und die internationalen Aktivitäten des Konzerns – also auch Opel. Die "faulen" Unternehmensteile würden liquidiert oder unter Aufsicht des Konkursgerichts verkauft. Verträge mit Kreditgebern, Gewerkschaften, Händlern und Zulieferern würden aufgelöst und neu verhandelt.
Einschnitte in europäischen Werken
Unterdessen kündigte GM harte Einschnitte in seinen europäischen Werken an. Um Kosten zu sparen, werde es "unkonventionelle und aggressive Schritte" geben, teilte GM mit. Gerüchte über Werkschließungen bestätige der Konzern jedoch nicht. In den vergangenen Tagen hatte die Fachzeitschrift "Automotive News Europe" berichtet, GM-Standorte im belgischen Antwerpen und britischen Ellesmere Port sowie mindestens ein deutsches Werk seien von der Schließung bedroht. Der Opel-Mutterkonzern General Motors muss am Dienstag in den USA seine Pläne für eine Sanierung des schwer angeschlagenen Unternehmens vorlegen.
Strauchelnder Riese versetzt US-Regierung in unbequeme Lage
Der strauchelnde US-Riese versetzt die neue amerikanische Regierung jedenfalls in eine unbequeme Lage. Sie hat die Wahl, dem Unternehmen für sein Überleben zusätzliche Milliardensummen zuzuschanzen – oder ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Präsident Barack Obama und der Kongress stecken damit in einem Dilemma. Weigern sie sich, GM neben den bereits im Dezember nach Detroit überwiesenen 13,4 Milliarden Dollar weitere Milliardensummen zur Verfügung zu stellen, riskieren sie den Bankrott des führenden US-Autoherstellers.
Hunderttausende Beschäftigte würden arbeitslos. Etliche Experten und auch einige Kongressmitglieder sind dennoch der Meinung, die Insolvenz sei der sicherste Weg, um GM zu zwingen, längst überfällige Kosteneinsparungen vorzunehmen und sich gesundzuschrumpfen. Andere halten dies wegen der Rezession für politisch zu riskant. Nach Schätzung des US-Finanzministeriums braucht GM zusätzlich mindestens fünf Milliarden Dollar, um das erste Quartal zu überstehen.
Die Beantragung weiterer Mittel aus der Staatskasse ist Teil eines vom Finanzministerium geforderten Sanierungskonzepts, das GM am Dienstag vorlegen muss. Danach wird die Regierung entscheiden, ob sie weitere Unterstützung gewährt. Es sei jedoch fraglich, ob GM in der Lage ist, schon am Dienstag einen ausführlichen Plan vorlegen zu können, da Verhandlungen mit den Gewerkschaften und den Kreditgebern noch nicht abgeschlossen sind.
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