Autokrise: Opel fährt Astra-Produktion zurück
zuletzt aktualisiert: 04.12.2008 - 07:01Düsseldorf (RP). Der deutsche Autobauer Opel plant neue Einschnitte. „Wir werden im nächsten Jahr in den europäischen Astra-Werken die Produktion um 20 bis 30 Prozent zurückfahren”, sagte Rainer Einenkel unserer Redaktion.
Einenkel ist Chef des Betriebsrates im Bochumer Opel-Werk, wo 6000 Mitarbeiter neben dem Astra auch den Zafira bauen. Der Produktionsrückgang erzwingt laut Einenkel auch eine Anpassung der Arbeitszeiten. "Im Gespräch sind entweder der Wegfall der Nachtschicht in Bochum, 70 Tage Kurzarbeit im kommenden Jahr oder eine Reduktion der Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden ohne Lohnausgleich", so Eineinkel, der die Variante "Ausfall der Nachtschicht" ausschloss, weil sie zu einem Stellenabbau führen würde.
Die anderen beiden Varianten würden eine durchschnittliche Gehaltseinbuße von 15 Prozent zur Folge haben, so Einenkel, der diesen Wert noch auf dem Verhandlungsweg drücken will. Vor vier Jahren wurde in Bochum bei Opel noch 14 bis 17 Prozent über Tarif gezahlt. Heute ist eine streng tarifliche Bezahlung in Bochum die Regel.
Nachdem der Start für den neuen Astra Caravan in Bochum im Sommer bereits von 2010 auf 2011 verschoben worden ist, stellt das Management auch diesen Zeitplan jetzt wieder in Frage: "Wir müssen uns Gedanken machen, ob das eine oder andere Modell um einige Monate verschoben wird", sagte Opel-Chef Hans Demant dem Magazin "auto motor sport".
Allein in Bochum müssen für die neuen Modelle in den nächsten zwei Jahren 420 Millionen Euro investiert werden. Der Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer glaubt nicht, dass die Bundes- oder Landesregierung in Deutschland eine Nothilfe für Opel bewilligen, falls General Motors pleite geht. "Opel ist eine 100-prozentige Tochter von GM", sagte Dudenhöffer, "damit wird das Geld automatisch im GM-Kollaps verschwinden."
Eine Zweckbindung an Investitionen in Deutschland, wie die Politik sie zur Bedingung für die Staatshilfe machen will, sei "das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Das kann man angesichts der Besitzverhältnisse bei Opel juristisch gar nicht wasserdicht machen." Deshalb sei eine staatliche Finanzspritze für Opel dasselbe, "als würde man jetzt noch einen Scheck an die insolvente Lehman-Bank überweisen." Mit diesem Kunststück hatte sich Mitte September die deutsche Staatsbank KfW blamiert.
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